Konsequent unabhängig
08.11.2017 - Autor: Philipp Vorndran

Ak­ti­en schla­gen An­lei­hen

Anlagestrategie

Die Börsen eilen von einem Allzeithoch zum nächsten. Das liegt an der Konjunktur und den niedrigen Zinsen. Die aktuelle Lage kann für Anleger Gefahren bergen, wenn sie kurzfristig denken und bestimmten Anlagestrategien vertrauen.

 

Ein langfristiger Rückgang der Aktienkurse wäre nur im Fall einer globalen Rezession oder einer drastischen Erhöhung des Zinsniveaus zu erwarten. Beides halten wir derzeit für unwahrscheinlich. Damit bleiben Aktien unseres Erachtens langfristig die mit Abstand attraktivste Anlageklasse.

Allein die laufenden Dividendenerträge liegen – zumindest in der Eurozone und Japan – immer noch deutlich über den Zinserträgen von Staats- und Unternehmensanleihen guter Bonität.

Unternehmenschefs fragen sich zunehmend, wie es sein kann, dass Investoren ihnen neue Anleihen mit mageren Kupons von nur 0,5 oder einem Prozent aus der Hand reißen, obwohl die Aktien des Unternehmens ein Vielfaches davon an Dividende abwerfen. Für Langfristinvestoren ist es geradezu logisch, Aktien konsequent Anleihen vorzuziehen. Genau deshalb dürfte auch der norwegische Staatsfonds den Aktienanteil seines ca. eine Billion US-Dollar großen Portfolios sukzessive von 60 auf 70 Prozent erhöhen und weniger in Anleihen investieren.

Ein langer Atem zahlt sich aus

Für kurzfristig denkende Anleger ist eine derartige Aktienquote allerdings riskant. Dennoch hat sich in den vergangenen Jahren eine Investorenspezies dem Aktienmarkt zugewandt, der es an Nervenstärke, Erfahrung und Disziplin fehlen dürfte, auch mit größeren Kursrückschlägen umgehen zu können. Hierbei handelt es sich um private wie institutionelle Anleger, die sowohl aus Fleisch und Blut als auch aus Servern und Algorithmen bestehen.

Das Fehlen an Anlagealternativen und das Vertrauen auf den Beistand der Notenbanken hat eine Haltung geschürt, bei der jede kleine Kurskorrektur zum Einstieg genutzt wird. Dadurch werden die Kursschwankungen an den Märkten, die Volatilität, immer kleiner. So ist die Volatilität des US-Aktienmarktes in der Vergangenheit deutlich gesunken; von  durchschnittlich 20 Prozent in den vergangenen zehn Jahren auf rund 15 Prozent in den vergangenen fünf Jahren und nur noch zwölf Prozent in den vergangenen zwölf Monaten.

Anfang Oktober lag sie auf einem Allzeittief von 9,5 Prozent. Der mit Abstand größte Aktienmarkt der Welt scheint geradezu betäubt. Wie am Lineal gezogen bewegt sich der US-Aktienindex S&P 500 nach oben. Die letzte nennenswerte Kurskorrektur von gut 13 Prozent liegt nun schon fast zwei Jahre zurück.

Mittlerweile reichen Tagesschwankungen von einem Prozent aus, um die TV-Moderatoren von CNBC in helle Aufregung zu versetzen.

Eine Ursache für die aktuelle Ruhe, die zukünftig aber auch wieder zu heftigeren Ausschlägen an den Märkten führen kann, ist ein Finanzprodukt, das in den Medien derzeit einen regelrechten Hype erlebt: Sogenannte ETFs (Exchange Traded Funds), börsengehandelte Indexfonds, die einen Index kostengünstig nachbauen, werden dank sekündlicher Handelsliquidität vor allem von besonders aktiven Computerstrategien eingesetzt.

Kursturbulenzen bei ETFs

Wir haben dieses Phänomen in der Vergangenheit bereits einige Male aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Nach dem plötzlichen Kurseinbruch im August 2015, als die Kurse einiger großer ETFs zeitweilig deutlich unter ihren rechnerischen Wert fielen, war zu erwarten, dass sie zu einer höheren Volatilität an den Märkten führen können. Dies schien sich im Februar 2016 zu bestätigen, als die Sorgen über die chinesische  Wirtschaftsentwicklung zu kurzen, aber heftigen Kursrückschlägen von mehr als zehn Prozent führten. Danach kehrte aber wieder Ruhe ein.

Da viele Investoren bzw. ihre Modelle Risiko nur als Ausdruck von Kursschwankungen und nicht – wie ein langfristig denkender Kaufmann – als dauerhafte Verlustgefahr verstehen, sinkt für sie das Risiko von Aktien, wenn deren Kurse weniger schwanken.

Weniger Risiko macht bei unveränderter Ertragserwartung Aktien attraktiv – was zu weiteren Aktienkäufen führt. Im Gegensatz zum norwegischen Staatsfonds spielen bei solchen Strategien langfristige, fundamentale Überlegungen keine Rolle. Sollten die Kurse irgendwann wieder deutlicher schwanken, weil die Aktienkurse fallen, erhöht sich auch das (gemessene) Risiko. Die zuvor als risikoarm eingestuften Aktien werden dann, da sie plötzlich als risikoreich gelten, auf deutlich gesunkenem Niveau wieder verkauft. Diese Logik wird sich uns nie erschließen.

Je mehr Geld durch solche Strategien verwaltet wird, desto stärker kann sich das auf die Aktienmärkte auswirken. Leider gibt es wenig belastbare Daten über das Gesamtvolumen. Die enormen Mittelzuflüsse in ETFs lassen aber darauf schließen, dass weit mehr als 1.000 Milliarden US-Dollar Anlagevolumen nach der Fieberkurve des „Volatilitätsthermometers“ gemanagt werden. Ihr trendfolgender Charakter verleiht ihnen eine selbstverstärkende Dynamik – vor allem, wenn es an der Börse mal nach unten geht.

Die lange Hausse der Notenbanker

Umgekehrt wiegt die Kombination niedriger Zinsen und geringer Kursschwankungen die Investoren in Sicherheit und sorgt so für immer weitere Mittelzuflüsse. Auf diese Weise wird der Aufwärtstrend verlängert.

Dieses Phänomen, das den Aktienmarkt seit geraumer Zeit dominiert, ist auch für rein fundamental arbeitende Investoren von Bedeutung, die ihre Tätigkeit gewöhnlich eher auf detaillierte Unternehmensanalysen und Einschätzungen des wirtschaftlichen und geldpolitischen Umfelds ausrichten. Sie brauchen vor allem Geduld. Die große Herausforderung ist in diesem Umfeld, gute Aktien nicht zu früh zu verkaufen. Wo sollte man auch hin mit dem Geld?

 

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