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14.10.2016 - Autor: Flossbach von Storch

„An­lei­hen kön­nen gro­ße Chan­cen bie­ten“

INTERVIEW

Auch in Zeiten ohne Zinsen können Zinstitel nennenswerte Renditen abwerfen. Frank Lipowski, Portfolio-Manager bei Flossbach von Storch erklärt, wie das funktionieren kann. 

Herr Lipowski, die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) geht ins neunte Jahr. Wann rechnen Sie mit einer Zinswende?

Die Finanzkrise ist unseres Erachtens längst noch nicht ausgestanden. Das zeigt der Blick auf die Risiken im Bankensektor und die Wirtschaftsdaten vieler Euro-Länder. Die EZB möchte mit einer immer aggressiveren Geldpolitik gegenhalten. Ob diese Politik erfolgreich sein wird, ist aus unserer Sicht fraglich. Ob es in den nächsten Jahren überhaupt zu einer Zinswende kommen kann ebenfalls.

Der Leitzins im Euroraum steht bei null Prozent, Banken überweisen für Ihre Einlagen Strafzinsen. Kleinsparer erzielen mit Zinskonten real negative Renditen, bei größeren Vermögen werden jetzt schon Minuszinsen fällig…

… und die Renditen bei Staats- und Unternehmensanleihen mit Top-Bonität sind oftmals gleichfalls negativ. Anleger sollten deshalb aber nicht aufhören zu investieren. Sie sollten es nur nicht nach den althergebrachten Regeln tun.

Sie verwalten den Fonds „Flossbach von Storch - Bond Opportunities“, der seit drei Jahren mit einem flexiblen Ansatz ansprechende Renditen erzielt. Welche Chancen bietet ein reiner Anleihefonds im historischen Zinstief?

Selbst im aktuellen Marktumfeld gibt es noch ausreichend attraktive Möglichkeiten. Denn die ausgewiesene Rendite ist längst nicht die einzige Ertragsquelle bei Anleihen. Ob sich ein Investment lohnt, zeigt erst der Blick auf das gesamte Ertragspotenzial, das neben der jährlichen Rendite auch aus möglichen Kursgewinnen nach Bonitätsverbesserung oder Änderungen des Zinsniveaus bestehen kann. Und da wäre noch der so genannte „Roll-down-Effekt*“, der in bestimmten Marktsituationen Kursgewinne ermöglicht.

Welche Anlagestrategie verfolgen Sie bei Ihrem Fonds?

Unser Ziel ist ein Portfolio, das sowohl in Krisen Bestand hat, aber Anlegern auch eine den Risiken angemessene Wertentwicklung bringt. Für die Auswahl eines werthaltigen Investments, das auch Chancen bieten kann, benötigt es unseres Erachtens eine neuartige Definition des Risikos.

Wie lautet die?

Nach unserem Weltbild besteht das wahre Risiko eines Anlegers schlicht darin, mittel- oder langfristig Geld zu verlieren. Unser flexibler Anleihefonds ist für mittel-  bis langfristige denkende Anleger geeignet. Kurzfristige Wertschwankungen spielen für sie eine untergeordnete Rolle.

Welche Anleihen passen in Ihr Portfolio?

Wir schätzen wie ein guter Kaufmann Chancen und Risiken eines jeden Investments ab. Dabei stellen wir uns zuerst die Frage nach der Verlustschwelle, also wie tief der Kurs einer Anleihe bis zu einem bestimmten Zeitpunkt fallen muss, damit der Ertrag aus dem Coupon aufgezehrt wird. Diese Verlustschwelle liegt naturgemäß bei High Yield-Bonds* deutlich tiefer als zum Beispiel bei Staatsanleihen, die um die Null Prozent rentieren. Ein Blick aus dieser Perspektive entkoppelt oft den Begriff „Risiko“ von der Buchstabensuppe der Ratingagenturen. Das ist aber nur der erste Schritt.

Wie geht es weiter?

Dann analysieren wir ganzheitlich, wie realistisch dieses Verlust-Szenario ist. Diesen Realitätscheck vollziehen wir für eine Vielzahl an Verlust- und Ertragsszenarien. Im letzten Schritt entscheiden wir, ob die Ertragspotenziale das Risiko rechtfertigen. Dieser kaufmännische Chancen-Risiko-Ansatz ist in seiner Natur antizyklisch.   

Wie lassen sich Ausfälle bei Anleihen vermeiden?

Wir meiden selbstverständlich Unternehmen, deren Fähigkeit zur Rückzahlung in Frage steht. Deshalb  bevorzugen wir Emittenten, die operativ in der Lage sind einen konstanten Geldzufluss zu generieren, der in einem vernünftigen Verhältnis zur Verschuldung steht. Denn damit steht die Innenfinanzierung zur Bedienung der Verbindlichkeiten. Dieser Ansatz gilt natürlich auch für High-Yield-Investitionen*.

Welche Laufzeiten favorisieren Sie?

Mit Blick auf die Zinskurve setzen wir schon seit längerem eher auf die mittleren bis etwas längeren Laufzeiten, das heißt vier bis knapp zehn Jahre. In diesem Bereich wird jedes weitere Laufzeitjahr aus unserer Sicht in der Regel noch adäquat vergütet. Unsere Duration* haben wir mit durchschnittlich fünf Jahren zuletzt etwas zurückhaltender ausgerichtet. Zu unserer defensiveren Position trägt auch die erhöhte Kasseposition bei. Die gestiegene Liquiditätsquote soll uns zusätzliche Flexibilität geben, falls sich Opportunitäten bieten.

Wie ist der Fonds in den USA investiert?

Unser Anteil liegt derzeit bei gut 30 Prozent. Im Zuge deutlich gefallener Zinsen und stark steigender Kosten für die Währungsabsicherung haben wir zuletzt unsere Positionen an in US-Dollar denominierten Anleihen eher reduziert. Zum größeren Teil wurden dabei Investment Grade* Anleihen aus dem US-Dollar-Raum abgebaut. Aktuell haben wir  Anleihen aus dem Euroraum übergewichtet und einen Block britische Anleihen in Pfund aufgebaut.

Wie beurteilen Sie die Chancen in Schwellenländern?

Grundsätzlich sind wir bei dem Thema unvoreingenommen. Derzeit sind wir auf Grund der Chance-Risiko Profile nur vereinzelt investiert, wenn die individuelle Chance-Risiko-Analyse dafür spricht. In unseren Portfolios finden sich auch einige Unternehmensanleihen von Emittenten aus den Schwellenländer, die Ratings der großen Agenturen ausweisen, die besser sind als die ihres Heimatlandes.

Herr Lipowski, wir danken für das Gespräch.

*Diese und weitere Begriffe finden Sie in unseren Glossar erklärt.

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