Konsequent unabhängig
12.09.2017 - Autor: Philipp Vorndran

Das End­spiel ist be­reits an­ge­pfif­fen

Kapitalmärkte

Die Zinsen dürften noch lange tief bleiben. Eine Rückkehr der Notenbanken zur „Normalität“, also zu einem deutlich höheren Zinsniveau, scheint ungewiss – die langfristigen Folgen ihrer ultralockeren Geldpolitik sind es auch.

Die jüngste Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) hat unseres Erachtens keine neuen Erkenntnisse geliefert, was die künftige Geldpolitik betrifft. Den Anfang vom Ende der lockeren Geldpolitik, ein Zurückfahren der Anleihekäufe, über das in den vergangenen Wochen an den Börsen spekuliert wurde, hat Mario Draghi jedenfalls nicht angekündigt.

Wir gehen auch nicht davon aus, dass die EZB ihre Strategie künftig deutlich ändern wird. Kleinere Anpassungen, womöglich, so wie in den USA bereits geschehen. Eine Zinswende, die den Namen auch verdient, wird es unseres Erachtens aber nicht geben.

Im Grunde müssten sich die Notenbanker eigentlich eingestehen, dass ihre ultralockere Geldpolitik, all ihre gewaltigen Anstrengungen der vergangenen Jahre, nicht die Ergebnisse geliefert hat, die sie sich eigentlich erhofft hatten.     

Der Aufschwung ist gebrechlich

Die historisch beispiellosen Zinssenkungen und großdimensionierten Wertpapierkaufprogramme haben nicht dazu geführt, dass die Unternehmen weltweit das billige Geld in Form von Krediten aufsaugen und damit das globale Wirtschaftswachstum kräftig anschieben. Der Aufschwung, den wir in Wahrheit sehen, erscheint gebrechlich und latent gefährdet. Nehmen wir den Konjunkturzyklus in den USA, der nach wie vor bedeutsamsten Volkswirtschaft der Welt. Ein Boom sieht unseres Erachtens anders aus.

Aber was bremst die Wirtschaft? Warum ist der Boom kein Boom, sondern bestenfalls ein Miniaufschwung?

Es sind unseres Erachtens zwei große Trends, die einander bedingen: Zum einen die demografische Entwicklung in den Industriestaaten. Alternde Gesellschaften produzieren und konsumieren langfristig weniger. Die Demografie als latente Wachstumsbremse, wenn man so will.    

Zum anderen ist da die gewaltige Verschuldung in den Industriestaaten. Vor allem in Japan, aber auch in der Eurozone, den USA und China. Ein globales Phänomen. Dass sich an den Schuldenquoten perspektivisch etwas ändert, ist wenig wahrscheinlich. Einer alternden Gesellschaft (in nur schwach wachsenden Volkswirtschaften) fällt es zunehmend schwer, ihre Schulden zu begleichen. 

Japans Zins ist ein gutes Beispiel

Für die Notenbanken bedeutet diese Gemengelage, dass sie gar nicht anders können, als langfristig an ihrer ultralockeren Geldpolitik festzuhalten. Anders ausgedrückt: Das Zinsniveau wird unseres Erachtens niedrig bleiben, weil es das muss. Weil die Notenbanken keine andere Wahl haben. Weil andernfalls viele Staaten in Zahlungsschwierigkeiten gerieten. Die Notenbanker sind längst zu Gefangenen ihrer Rettungspolitik geworden. Das Endspiel hat begonnen.

Japan ist da übrigens ein gutes Beispiel, um sich die zeitlichen Dimensionen in Erinnerung zu rufen; gerade wir Deutschen als eine Gemeinde passionierter Sparer sollten das tun. Versetzen wir uns zurück in die Zeit zwischen 1999 und 2004. Ich kann mich noch sehr gut an diese Phase erinnern. Lang und breit wurde damals darüber diskutiert, dass in Japan eine Zinswende bevorstünde. Ganz bestimmt. Sehr bald. Der Rest ist bekannt. Japan ist mehr als zehn Jahre später weiter entfernt von einer Zinswende denn je.

Japan zeigt aber auch, dass sich gewisse Trends sehr lange fortschreiben lassen. Wir gehen deshalb davon aus, dass sich die Notenbanken noch eine Weile „durchwursteln“ werden. Vorboten eines Crashs sind unseres Erachtens derzeit nicht zu erkennen. Das Endspiel kann also recht lange dauern.

So oder so gilt in diesem Umfeld: Wir würden erstklassige, liquide Sachwerte (Aktien oder Gold) den verzinslichen Anlagen vorziehen.

 

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