Konsequent unabhängig
08.03.2017 - Autor: Flossbach von Storch

„Der Ge­winn liegt auch im Ein­kauf“

INTERVIEW

Für Einlagen werden immer öfter Strafzinsen fällig – und jetzt steigt auch noch die Inflation. Kapitalmarktstratege Thomas Lehr erklärt, warum es sich trotzdem lohnen kann, einen Teil des Vermögens in einem Fonds flexibel als Cash zu disponieren.

 

Herr Lehr, die US-Notenbank dürfte ihren Leitzins weiter anheben – wann zieht die Europäische Zentralbank (EZB) nach?

Thomas Lehr:  Nach unserer Einschätzung zunächst einmal gar nicht – und zumindest wohl auch nicht so bald. Wir gehen davon aus, dass die Zinsen in Europa noch lange niedrig bleiben werden. Für einige Eurostaaten scheint der Niedrigzins schlicht überlebenswichtig. Die EZB wird es sich deshalb wohl gar nicht erlauben können, mit höheren Zinsen zu experimentieren – schon gar nicht in einem Jahr, in dem in gleich mehreren Mitgliedstaaten gewählt wird (Niederlande, Frankreich, Deutschland; Anm. d. Red.). Eine neuerliche Debatte über die Kreditwürdigkeit einzelner Eurostaaten kann sich Brüssel unserer Ansicht nach nicht leisten.

Was bedeutet das für die Sparer in Deutschland?

Ihre Leiden werden vermutlich noch größer werden. Auf der einen Seite dürften immer mehr Banken die Strafzinsen an ihre Kunden weitergeben – auf der anderen Seite steigen die Inflationsraten. Für Sparer ist das eine verdammt ungemütliche Situation: Ihr Erspartes wird langsam, aber sicher entwertet.

Zahlen Sie als Fondsgesellschaft eigentlich auch Strafzinsen?

Auch wir müssen zahlen, ja – 0,45 Prozent auf unsere Kasseposition.

Dennoch sind die Kassequoten in den Multi-Asset-Fonds relativ hoch.

Ein hoher Kassenbestand ist für uns kein Selbstzweck, sondern taktisches Mittel. Wenn Sie  zu hundert Prozent investiert sind, haben Sie keinerlei Möglichkeit auf Opportunitäten zu reagieren. Etwa nachzukaufen,  wenn sich beispielsweise bei einem Kurseinbruch sehr interessante Anlagegelegenheiten ergeben. Ein entsprechender Kassepuffer verschafft uns die Flexibilität bei Bedarf genau das tun zu können.

Als Fondsanleger könnte ich Ihnen vorhalten, dass Sie einen nicht unerheblichen Teil meines investierten Geldes brachliegen lassen - und dafür auch noch Gebühren bezahlen müssen.

Machen wir eine kurze Rechnung auf: Sie haben 10.000 Euro in einen unserer Multi-Asset-Fonds Fonds investiert. Nehmen wir an, dessen Kassequote beträgt derzeit 20 Prozent. In diesem Falle müssten wir auf 2.000 Euro „Strafzinsen“ bezahlen. Bei einem Satz von 0,45 Prozent macht das neun Euro im Jahr, also pro Monat 75 Cent. Nehmen wir weiterhin an, es geht in den kommenden Monaten turbulenter zu an der Börse, und wir bekommen die Gelegenheit, Aktien erstklassiger Unternehmen zu deutlich günstigeren Kursen zu kaufen; in diesem Fall würde ich in der Gesamtbetrachtung sagen, dass die 75 Cent pro Monat gar nicht so schlecht angelegt sind.Das heißt aber nicht, dass wir uns nicht auch über die Strafzinsen ärgern. Sie sind Ausdruck einer ziemlich verrückten Welt! 

Erwarten Sie in naher Zukunft denn starke Bewegungen an den Börsen?

Eine Kristallkugel haben wir leider nicht. Seit dem „China-Crash“ Anfang vergangenen Jahres ging es an den wichtigsten Börsen stetig aufwärts, ohne größere Ausschläge nach unten – fast wie an einem Lineal gezogen. Das ist schon erstaunlich.

Wieso?

Es gab den Brexit, das gescheiterte Referendum in Italien, die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten, zahllose Konflikte weltweit. Im Grunde alles Anlässe, die eine deutlichere Korrektur hätten auslösen können. Will sagen: Wann es zu einem größeren Kursrücksetzer kommt, kann niemand seriös prognostizieren. Der Blick in die Geschichtsbücher zeigt aber, dass es nicht immer nur aufwärts geht.

Viele Anleger fürchten sich vor möglichen Kursschwankungen und lassen ihr Geld lieber auf Zinskonten…

… und machen damit nach Abzug der Inflation allzu häufig einen realen Verlust. Bei uns wächst die Kasse, weil wir etwa bei Aktien, die gut gelaufen sind, Gewinne mitgenommen haben. Sie schrumpft, wenn wir beispielsweise im Zuge eines temporären Kurseinbruchs günstige Gelegenheiten sehen und zukaufen. Der Gewinn liegt nicht zuletzt auch im Einkauf. Diese alte Kaufmannsregel gilt auch bei der Geldanlage.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Zur Person:

Thomas Lehr ist seit Anfang des Jahres Kapitalmarktstratege bei Flossbach von Storch und verstärkt das Team von Philipp Vorndran. Zuvor war Thomas Lehr neben der Dekabank unter anderem für die Berenberg Bank sowie für die Credit Suisse tätig.

 

Zurück zum Newsroom

 

Rechtlicher Hinweis:

Diese Veröffentlichung dient unter anderem als Werbemitteilung.

Die in dieser Veröffentlichung enthaltenen Informationen und zum Ausdruck gebrachten Meinungen geben die Einschätzungen der Flossbach von Storch AG zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder und können sich jederzeit ohne vorherige Ankündigung ändern. Angaben zu in die Zukunft gerichteten Aussagen spiegeln die Zukunftserwartung der Flossbach von Storch AG wider, können aber erheblich von den tatsächlichen Entwicklungen und Ergebnissen abweichen. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit kann keine Gewähr übernommen werden. Der Wert jedes Investments kann sinken oder steigen und Sie erhalten möglicherweise nicht den investierten Geldbetrag zurück.

Diese Veröffentlichung unterliegt urheber-, marken- und gewerblichen Schutzrechten. Eine Vervielfältigung, Verbreitung, Bereithaltung zum Abruf oder Online-Zugänglichmachung (Übernahme in andere Webseite) der Veröffentlichung  ganz oder teilweise, in veränderter oder unveränderter Form ist nur nach vorheriger schriftlicher Zustimmung der Flossbach von Storch AG zulässig.

© 2017 Flossbach von Storch. Alle Rechte vorbehalten.