Konsequent unabhängig
06.10.2016 - Autor: Philipp Vorndran

Die Her­aus­for­de­rung

KAPITALMÄRKTE

Auch wenn es an den Märkten während der Sommermonate eher ruhig blieb, die Finanzwelt bleibt fragil – und künftige Krisen könnten sie erschüttern. Mit Blick auf den unkalkulierbaren Ausgang der Präsidentschaftswahlen in den USA oder einer möglichen Bankenkrise in Italien ist es für uns unerlässlich, flexibel aufgestellt zu sein.

Für viele Marktteilnehmer überraschend, kam es in diesem Sommer noch nicht zum großen Crash an den Börsen, den einige Pressevertreter und Börsenexperten prognostiziert haben. Im Gegenteil: Indizes wie der US-Aktienindex S&P 500 markierten neue Allzeithochs. Dennoch glauben wir nicht, dass die Aktienmärkte überbewertet sind. Zukünftige Kurseinbrüche können für uns langfristig denkende Anleger aber Opportunitäten bieten, um in Qualität zu investieren.

Das zeigt sich beispielsweise beim populären Blick auf den Dax, dem deutschen Leitindex, in dem Titel exportstarker Unternehmen hoch gewichtet sind. Trotz des Votums der Briten für den Brexit, den Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union, notiert der Leitindex heute höher als vor der Abstimmung. Auch die Verluste zu Jahresbeginn, als an den Märkten die Sorgen um die chinesische Konjunktur wuchsen, sind wieder aufgeholt.

Ein großer Werttreiber waren zuletzt Aktien aus den Schwellenländern. Seit Jahresbeginn steigen die Zuflüsse in die Aktienmärkte dort, die entsprechenden Indizes legten seit Jahresbeginn im zweistelligen Prozentbereich zu. Das ist einerseits bemerkenswert. Denn die Rohstoffpreise, von denen viele Volkswirtschaften abhängen, konnten sich nicht im gleichen Maße erholen. Anderseits gibt es auch gute Gründe für das Comeback der Emerging Markets.

So rechnen wir nicht mehr mit einer nachhaltigen Zinswende in den USA. Wenn die US-Notenbank Federal Reserve ihre Sätze deutlich anheben würde, stiege die Attraktivität des US-Währungsraums und der Dollar würde aufwerten. Das könnte Staaten mit weichen Währungen in die Bredouille bringen, wenn sie ihre Schulden zu großen Teilen in US-Dollar aufgenommen haben. Offensichtlich realisieren Investoren, dass es nicht nur in den Schwellenländern, sondern auch in den USA und Europa politische Risiken gibt.

Vorsicht vor der Bankenkrise

Da wäre etwa die Bankenkrise in Italien, die aus unserer Sicht noch längst nicht ausgestanden ist. Das Land befindet sich in einem Teufelskreis. Unternehmen leiden unter der schwachen Konjunktur. Die Banken wiederum kriseln wegen notleidender Unternehmenskredite – und können das Wachstum nicht mit neuen Risiko-Darlehen ankurbeln. Vor dem Volksentscheid am 6. November, an dem Italien über eine Reform des politischen Systems entscheidet, wird es nach unserer Einschätzung keine Entscheidung über eine mögliche Rettung des italienischen Bankensystems geben, die auch Härten für italienische Wähler bedeuten könnten. Eine unkontrollierte Krise der italienischen Banken könnte auf den gesamten europäischen Bankensektor ausstrahlen, weil es geschäftliche Verflechtungen zwischen den Geldhäusern gibt.

Im gleichen Monat stehen auch in Übersee wichtige Entscheidungen an. Am 8. November wählen die Amerikaner einen neuen Präsidenten. Weder Hillary Clinton noch Donald Trump gelten als die Wunschkandidaten der Ökonomen. Wir rechnen damit, dass Staatsschulden, Konsumausgaben und Infrastrukturinvestments nach der Wahl im großen Stile steigen werden – was langfristig die Inflationsrisiken erhöht.

Mögliche Wahlsiege von Populisten und andauernde Krisen im Bankensektor sind Phänomene, an die wir uns als Investoren wohl zunehmend gewöhnen müssen. Der entscheidende Faktor für die Stabilität des Finanzsystems sind aber die Notenbanken. Sie möchten die Inflation und das Wachstum ankurbeln. Davon sind wir aber weiter entfernt als je zuvor. Trotz gigantischer Kaufprogramme von Staats- und Unternehmensanleihen und dem vermehrten Kauf von Aktien (Schweizer Nationalbank, Bank of Japan) schwächelt die Weltwirtschaft.

Die Optionen der Europäischen Zentralbank

Und die Kreativität wird den Notenbankern nicht verloren gehen. Eine Option wäre etwa das an dieser Stelle schon diskutierte „Helikoptergeld“, vielleicht getarnt als Infrastrukturmaßnahme, die die Europäische Zentralbank (EZB) finanziert. Auch ein Eingriff in den Aktienmarkt erscheint uns mittelfristig möglich. Wenn die EZB die Wirtschaft ankurbeln möchte, und aktuell von einer säkularen Stagnation ausgeht, also einer Wachstumsschwäche, weil Bürger und Unternehmen ihr Geld lieber sparen als es zu investieren, dann wäre es nur logisch, auch die Aktienkurse auf neue Rekorde zu jagen. Nur dann würde unseres Erachtens auch diese Anlageklasse so unattraktive Renditen abwerfen wie jetzt schon Zinskonten, Anleihen hoher Bonität und viele Immobilien. So weit sind wir aber noch lange nicht. Denn erstklassige Aktien verfügen aktuell aus unserer Sicht mit Abstand über das beste Chancen-Risiko-Verhältnis und eine attraktive Dividendenrendite.

Auch Edelmetalle, speziell Gold (direkt/ indirekt), sind für uns Bestandteil eines robusten Portfolios. Sie sind die Vorsorge gegen die uns bekannten und unbekannten Risiken im Finanzsystem. Gold hat im Vergleich zu Silber zwei entscheidende Vorteile: Erstens ist die Preisentwicklung weniger von der Konjunktur und der Nachfrage aus der Realwirtschaft abhängig. Zweitens bietet Gold in physischer Form ganz praktische Vorteile. Es ist kostbarer als Silber. Wer 50.000 Euro investieren möchte, erhält dafür etwas mehr als ein Kilo Gold. Silberbarren zum gleichen Wert würden mehr als 70 Kilo wiegen. Das dürfte die meisten Bankschließfächer sprengen.

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