Konsequent unabhängig
12.09.2016 - Autor: Flossbach von Storch

Ge­präg­te Frei­heit

Research Institute

Wer in den vergangenen Monaten den Wirtschaftsteil seiner Zeitung aufgeschlagen hat, wird um ein Thema nur schwerlich herumgekommen sein – das Bargeld, oder besser: dessen Abschaffung. Wir haben in der Vergangenheit häufiger darüber berichtet, dass wir uns zunehmend Gedanken machten, ob Politik und Notenbanken in nicht allzu ferner Zukunft auf die Idee kommen könnten, Bargeld zu limitieren oder gar ganz abzuschaffen.

Ich gebe zu, das klang zunächst verwegen. Wir alle sind mit Geldscheinen und Münzen sozialisiert worden. Jeder kennt den Spruch „Nur Bares ist Wahres“ und seine Bedeutung. Bargeld abschaffen – völlig undenkbar! Oder doch nicht? Wer den Verlauf der jüngeren Wirtschafts- und Finanzgeschichte aufmerksam verfolgt hat, dem dürfte längst klar geworden sein, dass Altbewährtes in Krisenzeiten schnell verworfen wird; schneller, als man es sich je hätte vorstellen können. Dass Gewissheiten und Versprechen von gestern morgen schon nicht mehr gelten. „Denke das Undenkbare“ – diese Handlungsempfehlung ist deshalb zu einer Art Leitspruch für uns geworden.

Tatsächlich hat es nicht lange gedauert, bis die Diskussion über die Zukunft des Bargeldes Einzug gehalten hat in den großen Medien. Die Gründe, das Bargeld zu beschränken, sind in diversen Zeitungsartikeln schnell benannt: Es diene der Terrorbekämpfung, weil die internationalen Zahlungsströme sehr viel besser überwacht werden könnten, und es helfe, Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung zu unterbinden. Ein führender deutscher Ökonom gab zu Protokoll, dass es sehr viel zeitsparender sei, bargeldlos an der Supermarktkasse zu bezahlen. Ich dagegen würde vermuten, dass es kaum schneller geht, wenn man mit Bankkarte zahlt, also erst PIN eingeben oder die Lastschrift unterschreiben muss. Wir sollten uns nicht an der Nase herumführen lassen.

Cash ist König

Viel bedeutsamer als Terrorschutz und Schwarzgeld sind bei der Debatte ganz andere Argumente: Wer Bargeld abschafft oder begrenzt, stellt sicher, dass kein Sparer sich dem Negativzins entziehen kann, weil er sein Geld nicht mehr von der Bank abholen und in den heimischen Tresor oder unter das Kopfkissen packen kann. Die finanzielle Repression wäre damit zementiert, flächendeckende Strafzinsen ließen sich problemlos einführen.

Es gibt aber noch ein weiteres Argument, das in der Diskussion nicht vernachlässigt werden sollte: Wer Bargeld abschaffen will, tut das nicht zuletzt im Glauben, das Finanzsystem schützen zu können. Was denken Sie, würde ein griechischer Sparer tun, wenn er davon ausgehen könnte, dass über Nacht die Drachme wieder eingeführt und sein Erspartes massiv an Wert verlieren würde? Er liefe zu seiner Hausbank, höbe all sein Euro ab und würde versuchen, sie über die Grenze zu schaffen. Millionen seiner Landsleute täten es ihm gleich, die griechischen Banken brächen zusammen.  

Wir verfolgen die Diskussion sehr aufmerksam. Unseres Erachtens geht es weniger um Terrorschutz, die Bekämpfung von Schwarzarbeit oder gar die Effizienz beim Einkaufen – das ist vorgeschoben. Wichtiger erscheinen uns die zuletzt genannten Gründe.  

Wir hoffen, dass sich in den Regierungen und Notenbanken genügend liberale Kräfte finden, die derlei Plänen Einhalt gebieten. Bargeld nichts anderes als geprägte Freiheit – und die ginge verloren.

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