Konsequent unabhängig
07.08.2017 - Autor: Kurt von Storch

It’s the cen­tral bank, stu­pid!

Geldanlage

Trump, Russland und der Streit um den Brexit beherrschen die Schlagzeilen. Doch die Notenbanken sind und bleiben der wichtigste Einflussfaktor an den Börsen. Jedes Wort des EZB-Präsidenten Mario Draghi wird aufmerksam verfolgt.

Was macht Anleger eigentlich nervös? Donald Trump nicht mehr. Die Wahl in Frankreich? Auch nicht. Die wurde zur Kenntnis genommen, genau wie das anhaltende Gezerre um die Brexit-Bedingungen. Alles Themen, die sehr bedeutsam sind für die Welt und die Medien, aber die Börsen in den vergangenen Monaten kaum beeinflussten. Also wer oder was bitteschön vermag die Börsen in Aufregung zu versetzen?

Die Antwort lautet: Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB). Ein jüngst gesagter kurzer Satz reichte aus, um Investoren maximal zu verunsichern - weltweit. Die Geldpolitik beginne, Inflationsdruck zu erzeugen, hatte Draghi gesagt. Darauf rutschten die Aktien- und Anleihekurse ab; der Euro legte gegenüber anderen Währungen kräftig zu. Zumindest für kurze Zeit.

Die Investoren hatten aus Draghis Worten geschlossen, die EZB könnte langsam die Zinswende einleiten. Ein höheres Zinsniveau würde Aktien, insbesondere aber bereits begebene Anleihen unattraktiver machen. Aber ist ein nachhaltiger, deutlicherer Anstieg der Zinsen in der Eurozone überhaupt realistisch?

Nein, das ist er nicht. Die EZB ist Gefangene ihrer eigenen Zins- und Rettungspolitik. Ohne den niedrigen Zins wären die hoch verschuldeten Euro-Länder pleite, würden viele angeschlagene Banken in Südeuropa zusammenbrechen und die Statik des Finanzsystems gefährden. Dem Euro drohte das Aus.

Draghis Versprechen, die Gemeinschaftswährung um jeden Preis retten zu wollen, wäre gebrochen. Das wird der EZB-Chef nicht zulassen. Seine Amtszeit endet 2019. So lange wird er weitermachen wie bisher. Sein Nachfolger wird es vermutlich auch tun. Eine Umkehr der Geldpolitik ist ohne größere Kollateralschäden kaum mehr möglich. Das macht es so schwer, ja geradezu unmöglich für die Zentralbank.

Investoren wissen um die möglichen Schäden, die eine echte „Zinswende“ nach sich zöge - einerseits. Andererseits erscheint es vielen geradezu unglaublich und damit unmöglich, dass der Zins noch sehr viel länger niedrig bleibt. So etwas hat es bislang schließlich nicht gegeben. Irgendwann, so die weit verbreite Haltung, werde der „Spuk“ schon vorbei sein.

Das führt dazu, dass jede Regung, jeder Halbsatz eines prominenten EZB-Vertreters auf ihre geldpolitischen Auswirkungen hin abgeklopft wird. Jeder Satz von Mario Draghi wird auf die Goldwaage gelegt und in Erwartung einer bevorstehenden Zinswende womöglich überinterpretiert. An den Börsen dürfte das in Zukunft immer wieder für Nervosität sorgen - und die Kurse durcheinander wirbeln. Die Geldpolitik ist und bleibt der entscheidende Einflussfaktor auf die Börsen. Der frühere US-Präsident Bill Clinton würde vermutlich sagen: „It’s the central bank, stupid!”

Ich kann Anlegern nur raten, Ruhe zu bewahren. Seien Sie sich der Zwänge, denen die Europäische Zentralbank unterworfen ist, bewusst. Der Zins wird noch lange vergleichsweise niedrig bleiben - und der Euro daher schwach. Die Sparer in Deutschland sind gleich doppelt gekniffen: Ihre Zinsanlagen werfen nicht genügend Rendite ab, um die Inflation ausgleichen zu können. Und außerhalb der Eurozone ist der Euro weniger wert.

Anleger sollten ihr Vermögen deshalb breiter aufstellen. Ein erster Schritt raus aus der reinen Euro-Festzinsanlage wäre ein Anfang. Die Kursschwankungen, die Mario Draghi auslösen dürfte, könnten dabei helfen. Sie bieten womöglich das ein oder andere Sonderangebot am Aktienmarkt.

Der Artikel ist als Gastbeitrag in der Rheinischen Post erschienen.

 

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