Konsequent unabhängig
04.10.2017 - Autor: Kurt von Storch

Schwa­che Wäh­rung, gu­te Wäh­rung

Währungskrise

Die Europäische Zentralbank wird nicht zulassen, dass der Euro deutlich aufwertet.

Lassen Sie uns über das wichtigste Börsenthema der vergangenen Wochen sprechen – den Euro. Rund 1,20 US-Dollar ist die Gemeinschaftswährung zeitweise wert gewesen, so viel wie schon lange nicht mehr.  Eine starke Währung ist gewöhnlich Ausdruck einer starken, robust wachsenden Volkswirtschaft. Ein besonders Gütesiegel, wenn man so will. Etwas, worauf wir früher durchaus stolz gewesen sind. Nehmen wir die D-Mark; gut 50 Jahre war sie unser Begleiter, ein Fixpunkt unseres Wohlstandes. Die Mark hatte etwas Beständiges und Verlässliches. 

Heute ist das anders. Eine starke Währung, ein starker Euro,  ist nichts, worauf wir besonders stolz wären. Sondern vielmehr etwas, wovor wir uns fürchten; zumindest viele Politiker und Notenbanker. Denn ihre Perspektive ist eine gänzlich andere: Eine starke Währung verteuert die Produkte der heimischen Unternehmen auf dem Weltmarkt, macht sie weniger konkurrenzfähig im Vergleich zu den Mitbewerbern aus Asien und Amerika. Langfristig leide die heimische Wirtschaft, so die Sorge. Nicht umsonst hat EZB-Chef Draghi nach der jüngsten Sitzung der EZB mehrfach auf das Risiko eines (zu) starken Euro hingewiesen.

Die Währung zu schwächen ist ein vergleichsweise einfaches Mittel, um die Wirtschaft anzuschieben – man könnte es auch ein kostenloses Konjunkturprogramm nennen (dass am Ende die Steuerzahler und Sparer dafür zahlen, lassen wir der Einfachheit halber beiseite). Kein Notenbanker dieser Welt würde das zugeben. Stattdessen würde er darauf verweisen, dass die gewaltigen Anstrengungen der Notenbanken – der historisch niedrige Zins und die großdimensionierten Anleihekäufe – allein der Erfüllung der ureigensten aller Aufgaben einer Notenbank entspricht, nämlich für Preisstabilität zu sorgen.

Preisstabilität definiert die EZB mit einem Inflationsziel von zwei Prozent. Ein guter Witz – warum sollte ein Preis „stabil“ sein, wenn er jährlich um zwei Prozent steigt? Denken wir besser nicht allzu lange darüber nach.

Die EZB ist in guter Gesellschaft. Weltweit gilt die Gleichung „schwache Währung = gute Währung“. Nehmen wir die USA als Beispiel. Im Wahlkampf des vergangenen Jahres noch hatte Donald Trump kein gutes Wort über die US Notenbank Federal Reserve und deren Präsidentin, Janet Yellen, verloren. Kaum in Amt und Würden lobte er die Geldpolitik der Fed-Chefin: ein schwacher Dollar sei langfristig gut für die US-Wirtschaft.

Problematisch ist, dass scheinbar alle bei diesem Abwertungswettlauf mitzumachen scheinen: Europäer, Amerikaner, Asiaten. Aber wenn alle Währungen schwach sein sollen, welche ist dann stark? Vermutlich die, die für den Moment nicht ganz so schwach erscheint. Stark vereinfacht ausgedrückt.

So zumindest ließe sich die eingangs beschriebene Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar auf 1,20 US-Dollar erklären. Im Grunde genommen gibt es keine handfeste Begründung für die deutliche Aufwertung innerhalb so kurzer Zeit. Die Probleme der Eurozone sind nicht verschwunden. Die Währungsgemeinschaft ist und bleibt ein sehr heterogenes und damit anfälliges Gebilde, das allein von der ultralockeren Geldpolitik der EZB zusammengehalten wird. Gut möglich, das schon bald wieder der US-Dollar als die stärkere zweier schwacher Währungen gilt.

Aber was bedeutet der Abwertungslauf für Anleger? Ich kann sie nur ermutigen, einen Teil ihres Geldes auch in Fremdwährungen zu investieren; in Währungen, deren Volkswirtschaften vergleichsweise robust wachsen und wenig verschuldet sind. Norwegische Krone, Schweizer Franken oder Australischer Dollar beispielsweise.

Gold nicht zu vergessen – die Währung der letzten Instanz. Als Versicherung für den Fall, dass der Abwertungslauf irgendwann außer Kontrolle gerät.

Dieser Beitrag ist jüngst als Kolumne in der Rheinischen Post erschienen.

 

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