28.05.2019 - Flossbach von Storch

„Dann kann man auch gleich die Aktie kaufen“


Wandelanleihen führen ein Nischendasein. Im Interview erklärt Thorsten Vetter, warum sie im aktuellen Marktumfeld ein gutes Instrument sein könnten.

Sind Wandelanleihen nicht nur etwas für Profis?
Thorsten Vetter:
  Nein, wie kommen Sie darauf?

Ich kenne niemanden in meinem Umfeld, der Wandelanleihen im Depot hat.
Der Markt für Wandelanleihen ist sehr viel kleiner als der für Aktien oder Anleihen, ein Nischenmarkt, wenn Sie so wollen. Die Zahl der Aktionäre oder Anleihe-Gläubiger ist also per se viel größer als die der Wandelanleihe-Investoren. Die Argumente für „Wandler“ gelten aber genauso für Privatanleger wie für Profis. Vielleicht sogar noch mehr.

Was sind denn die Argumente?
Wandelanleihen verbinden die Eigenschaften von Aktien und Anleihen in nur einer Anlage. Klettert die unterliegende Aktie, profitiert auch der Kurs des Wandlers. Fällt die Aktie, kommen die Anleiheeigenschaften zum Tragen – der sogenannte Bondfloor bietet einen natürlich Puffer nach unten.

Oben dabei, unten nicht – quasi Alleskönner …
So liest sich das vielleicht in einer bunten Werbebroschüre. Ganz so einfach ist es aber nicht! Wandelanleihen haben sehr unterschiedliche Profile. Es gibt Papiere, die verhalten sich so wie die unterliegende Aktie, haben also ein sehr aktiennahes Profil. Steigt die Aktie, zieht der Wandler mehr oder weniger eins zu eins mit, fällt sie, fällt auch der Wandler. Andere dagegen ähneln stärker der Anleihe, profitieren also weniger, wenn die Aktie zulegt. Das sogenannte Delta zeigt an, wie sich eine Wandelanleihe zur unterliegenden Aktie verhält.

Das müssen Sie erklären.
Ein Delta von 0,5 etwa sagt aus, dass der Kurs der Wandelanleihe um fünf Prozent steigt, wenn die unterliegende Aktie zehn Prozent zulegt.

Nach welchen Profilen schauen Sie?
Nach denen, die „irgendwo“ in der Mitte liegen, gerne auch etwas darunter, stark vereinfacht ausgedrückt – nach Wandlern also, die die Eigenschaften beider Anlageklassen vereinen. Wenn ich mir einen Wandler mit einem Delta von 0,9 aussuche, dann könnte ich theoretisch auch gleich die Aktie nehmen. Im Moment sind wir etwas defensiver positioniert.

Warum?
Das Marktumfeld ist unübersichtlich. Wir sehen einige Risiken, die uns noch eine ganze Weile beschäftigen werden. Der Handelsstreit zwischen den USA und China beispielsweise. Oder der Iran-Konflikt. All das wird nicht über Nacht verschwunden sein. An den Börsen wird das unseres Erachtens immer wieder zu Verunsicherung führen – und die Kurse kräftig bewegen. In einem solchen Umfeld spielen Wandelanleihen ihre Stärken aus. Und um nochmal auf Ihre Eingangsfrage zurückzukommen: Das ist ein Argument, das sehr wohl für den Privatanleger gilt! 

In welcher Region ist Ihre Strategie derzeit besonders stark investiert?
Grundsätzlich ist es bei uns so, dass wir keine Regionen-Allokation der Region wegen machen, sondern die sich schlicht aus den Profilen ergibt, die wir als interessant erachten. Und da ist es im Moment einfach so, dass wir – anders als andere Strategien – ein deutliches Übergewicht an europäischen Titeln haben, obwohl der US-Markt der mit Abstand größte ist. 

Warum ist das so?
Der US-Aktienmarkt ist in den vergangenen Monaten und Jahren deutlich besser gelaufen als der europäische, was auch die Bewertungen von Wandelanleihen in die Höhe getrieben und deren Profile immer weiter in Richtung Aktie verschoben hat. Das passt dann einfach nicht mehr zu unserem Anlageansatz.

Das hat in der Vergangenheit dann aber auch zeitweise dazu geführt, dass Ihre Strategie hinter den einschlägigen Indizes zurückgeblieben ist …
Das nehmen wir in Kauf. Wir orientieren uns an keinem Referenzindex. Keine einzige Strategie des Unternehmens tut das. Wir versuchen, robuste Portfolios zu bauen. Robust heißt, dass wir zwar langfristig ordentliche Renditen erzielen wollen, aber immer auch darauf bedacht sind, Risiken für unsere Anleger zu begrenzen. Gut dabei sein, wenn es nach oben läuft, aber nicht jeden Prozentpunkt noch herausquetschen wollen. Anders ausgedrückt: Die Qualität des Fonds sollte sich nicht zuletzt in Phasen zeigen, in denen es etwas ruppiger zugeht am Markt.

20 Jahre wird die Strategie in diesem Jahr, da ging es häufiger ruppig zu …
Das ist richtig.

Was ist Ihnen aus dieser Zeit besonders in Erinnerung geblieben?
Da gibt es sicherlich einiges, insbesondere natürlich die Finanzkrise. 

Warum war die so besonders?
Weil sie weit über die vorangegangen Krisen hinausgegangen ist. Eine Systemkrise, deren Wucht durchaus taugte, das gesamte Finanzsystem zum Einsturz zu bringen.

Wie haben Sie damals reagiert?
Bezeichnenderweise waren damals Wandelanleihen ein ganz wichtiger Bestandteil unserer Investments, also nicht nur in der dafür vorgesehenen Strategie, sondern beispielsweise auch in der Multiple Opportunities-Strategie. Die Kurse der Wandler waren mit den Aktienkursen in die Tiefe gerauscht. Wir haben dann irgendwann, als uns die Bewertungen aberwitzig tief erschienen, angefangen Positionen in Wandelanleihen aufzubauen. Weil wir zwar glaubten, der Boden sei bald erreicht, aber im damaligen Umfeld nicht ausschließen konnten, dass es nicht doch nochmal kracht. Das hat sich damals ausgezahlt.

Vielen Dank für das Gespräch.

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