12.04.2022 - Bert Flossbach

Der Krieg und die Börse


Der Krieg und die Börse

Der brutale Angriff Putins auf die Ukraine, die Inflation so hoch wie seit Dekaden nicht, und ein Lockdown in China – das erste Quartal brachte Bewegungen an den Märkten.

Die hohe Inflation und die Erwartung steigender Zinsen haben vor allem am Rentenmarkt Spuren hinter­lassen. So sind die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen in Deutschland und den USA seit Jahresbeginn bis zum Ende des ersten Quartals um 0,7 beziehungsweise 0,8 Prozentpunkte gestiegen. Die damit einhergehenden Kursverluste von rund sieben (beziehungsweise acht Prozent) sind bei kaum oder nicht vorhandenen Kupons äußerst schmerzhaft. Bei 30-jährigen US-Papieren belief sich das Minus sogar auf fast zwölf Prozent.

Dies ist eine ernüchternde Bilanz für Anlagen, die eigentlich als sichere Häfen in Krisenzeiten gelten, was angesichts kaum vorhandener Zinserträge für viele Anleger der einzige Grund ist, diese Papiere überhaupt noch zu halten.

Dagegen konnte Gold seiner Rolle als Risikopuffer gerecht werden. Der Goldpreis stieg bis zum Ende des ersten Quartals um knapp sechs Prozent auf 1.935 US-Dollar je Feinunze. In Euro gerechnet betrug das Plus knapp neun Prozent. Zwischenzeitlich erreichte der Goldpreis sogar einen historischen Höchststand von 1.881 Euro.

Aktien besser als Anleihen

Ironischerweise sind die Aktienkurse trotz der geopolitischen und wirtschaftlichen Risiken weniger stark gefallen als die Kurse vermeintlich sicherer Staatsanleihen. Der globale Aktienindex MSCI World verlor im ersten Quartal 5,2 Prozent, was aufgrund des festen Dollar in Euro gerechnet ein überschaubares Minus von 3,1 Prozent bedeutet. Etwas größere Verluste verzeichnete der deutsche „Leitindex“ DAX mit einem Minus von 9,3 Prozent. Hierzu beigetragen hat auch die Abhängigkeit Deutschlands von russi­schem Gas und die Exponiertheit deutscher Unter­nehmen gegenüber geopolitischen Risiken.

Die größten Kursrückschläge gab es aber bei kleine­ren und mittelgroßen Technologieaktien. Die Spekulationsblase, die wir bereits im Jahresbericht beschrieben hatten, ist geplatzt. Die fantasie-getriebenen Bewertungen dieser Aktien sind damit einer neuen Realität gewichen, die auch sichtbare Geschäftserfolge verlangt. Kursverluste von 30 bis 50 Prozent waren hier im ersten Quartal eher die Regel denn die Ausnahme. Stellvertretend für dieses Genre, das sich aus stark wachsenden, aber zeitweise exzessiv hoch bewerteten Unternehmen zusammensetzt, steht der wohl bekannteste US-Technologiefonds ARK Innovation ETF (vgl. Grafik).

Der als ETF handelbare Fonds verwaltete zwischen­zeitlich ein Vermögen von 28 Milliarden US-Dollar und gilt in den USA als Synonym für spekulative Investments in noch nicht profitable Technologieunternehmen. In Anlehnung an den Namen der Fondsmanagerin Catherine Wood werden die Titel des Fonds auch als „Wood Stocks“ bezeichnet. Von Anfang 2020 bis Februar 2021 hatte sich der Fondspreis innerhalb von nur 14 Monaten verdreifacht und der Fonds viel Geld von Anlegern eingesammelt. Seitdem ist der Preis bis zu seinem Tiefstand am 14. März um 65 Prozent gefallen und damit fast wieder auf dem Niveau von Anfang 2020 angelangt.

Obwohl es sich bei den betroffenen Titeln keines­wegs um kleine Nebenwerte handelt, spiegelt sich ihre Entwicklung kaum im weltgrößten Technolo­giebarometer, dem Nasdaq Composite Index, wider, der seit seinem Höchststand im November nur um 11,2 Prozent gefallen ist. Hier wirkt sich, wie im MSCI World-Index, die Dominanz der Technologie­schwergewichte Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Tesla und Nvidia aus, die sich vergleichsweise gut halten konnten. Nur die Meta-Aktie (ehemals Facebook) verlor im ersten Quartal mit 34 Prozent überdurchschnittlich stark, nachdem CEO Marc Zuckerberg einen betont verhaltenen Ausblick für das laufende Geschäftsjahr gab.

Die Gewinner des ersten Quartals waren Aktien von Öl- und Rohstoffunternehmen sowie die Titel der großen Goldproduzenten mit Kursgewinnen von bis zu 30 Prozent. Bemerkenswert ist die positive Entwicklung der Berkshire Hathaway-Aktie. Die Invest­mentholding von Warren Buffett beendete das Quartal mit einem Plus von 18 Prozent. Sie ist mit einem Börsenwert von 780 Milliarden US-Dollar der einzige Nichttechnologiewert unter den acht wertvollsten Unternehmen der USA.

Als krisenresistent erwiesen sich auch die Aktien großer Pharmaunternehmen wie Roche, Novartis, Johnson & Johnson oder Novo Nordisk. Dagegen haben Bankaktien, die naturgemäß sehr sensibel auf Krisen reagieren, nach dem Beginn des Kriegs in der Ukraine deutlich an Wert verloren.

 

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