18.02.2022 - Flossbach von Storch

Der Realitätscheck


Der Realitätscheck
Arbeitssituation

Inflation, Zinsanstieg, Ukraine-Krise – an den Börsen wird es ungemütlich. Auf was sich Anleger in den kommenden Monaten einstellen müssen.

Die Sorgen vieler Anleger sind zuletzt gewachsen. Das spiegeln die Kursrücksetzer an den Börsen wider. Im Fokus stehen dabei allen voran die Inflationsentwicklung und mögliche Reaktionen der Notenbanken darauf, dazu der Ukraine-Konflikt.

Die Preisentwicklung ist jedenfalls kein temporäres Phänomen mehr. Sie hat die Pandemie als wichtigstes Thema an den Finanzmärkten abgelöst, denn sie setzt die Notenbanken unter Druck, den Geldwert entschlossener zu verteidigen.

Machen die Notenbanken ernst?

Und fast alle Notenbanken in den entwickelten Volkswirtschaften haben in den vergangenen Wochen auch signalisiert, auf den Anstieg der Inflation zu reagieren. Die US-Notenbank Fed beispielsweise wird das Volumen der Nettoanleihekäufe in den kommenden Wochen auf null reduzieren und hat frühere und schnellere Zinsschritte in Aussicht gestellt. Selbst bei der Europäischen Zentralbank (EZB) reift die Erkenntnis, dass eine Erhöhung des negativen Einlagensatzes noch im laufenden Jahr nicht mehr ausgeschlossen werden kann.

Die alles entscheidende Frage lautet: Wie weit können die Notenbanken bei der Bekämpfung der Inflation im Zweifel gehen?

Unseres Erachtens ist und bleibt ihr Spielraum begrenzt, insbesondere der der EZB. Eine echte Zinswende würde die Eurozone vor große Probleme stellen. Und auch die US-Notenbank agiert nicht im luftleeren Raum. Treibt sie die Zinsen zu schnell und zu stark in die Höhe, würde dies nicht nur die US-Wirtschaft lähmen, sondern auch die Wirtschaftserholung im Rest der Welt gefährden.

Gute Unternehmen geben Inflation weiter

Eine Anhebung der Zinsen auf das Niveau der Inflation oder gar darüber ist selbst dann nicht zu erwarten, wenn die US-Konjunktur brummt. Der Realzins wird also negativ bleiben, was Anleihen im Allgemeinen im Vergleich zu Aktien auch bei etwas höheren Renditeniveaus wenig attraktiv erscheinen lässt – einerseits. Andererseits könnten sich in den kommenden Wochen, sollten die Renditen temporär deutlicher zulegen, auch wieder attraktive Anlagegelegenheiten bei einzelnen Anleihen bieten.

Für Aktien gilt: Solide finanzierte Unternehmen, die von einer guten Konjunkturentwicklung profitieren und in der Lage sind, höhere Preise an die Kunden weiterzureichen, werden einen leichten Zinsanstieg verschmerzen können.

Aber: Die Sorge vor einer schärferen Gangart der Notenbanken dürfte ein ständiger Begleiter an den Börsen sein und häufiger zu größeren Rücksetzern an den Aktienmärkten führen als im vergangenen Jahr – ein Realitätscheck. Angesichts dauerhaft höherer Inflation ist dies für langfristig orientierte Investoren aber kein Grund, eine auf Sachwerte und damit reale Vermögensmehrung ausgerichtete Strategie aus Angst vor temporären Schwankungen über den Haufen zu werfen.

Genauso wenig sollte das der Ukraine-Konflikt tun. Dessen Ausgang, seine Wendungen und potenziellen Folgen für den Gesamtmarkt, einzelne Branchen und Unternehmen lassen sich aus Investorensicht kaum antizipieren; wenngleich sie natürlich immens wichtig sind für die künftige Sicherheitsarchitektur in Europa und deshalb weiterhin für Verunsicherung an den Börsen sorgen dürften.

Die langfristigen Auswirkungen des Konflikts auf die Weltwirtschaft dürften sich unseres Erachtens aber in Grenzen halten.

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