21.06.2022 - Flossbach von Storch

„Die Börse ist kein Sparbuch“


„Die Börse ist kein Sparbuch“

Immer mehr Anleger und Anlegerinnen überlegen, angesichts der Inflation Aktien zu kaufen. Das wirft Fragen auf, die wir an Thomas Lehr weitergeben.

Herr Lehr, in Zeiten hoher Inflation und tiefer Zinsen suchen viele ein Äquivalent zum Sparbuch. Was würden Sie Ihnen empfehlen?

Das Sparbuch erfüllt heute in unseren Augen genau den gleichen Zweck, den es schon immer hatte. Hier lege ich Beträge zurück, die ich nicht anlege, sondern die meine Liquiditätsreserve sind. Auf dieses Geld kann ich bei einer größeren Autoreparatur zurückgreifen oder wenn die Waschmaschine kaputtgeht. Auch Tagesgeld gehört in diese Kategorie, letztlich auch das Girokonto. Das Geld liegt dort sicher, in dem Sinne, dass es seinen Nominalwert behält, nicht schwankt und kurzfristig verfügbar ist. Über lange Zeit verliert es aber ebenso „sicher“ seine Kaufkraft. Das ist der Preis, den man in Zeiten, in denen die Zinsen weit unterhalb der Inflation liegen, für finanzielle Flexibilität bezahlen muss. Mit langfristiger Geldanlage haben Sparbuch und Tagesgeldkonto aber nichts zu tun.    

Wie funktioniert das mit dem Geldanlegen denn genau? Wie finde ich ein Portfolio, das für mich geeignet ist?

Die erste Frage, die Sie sich selbst beantworten müssen, ist die Frage nach ihrem Renditeziel. Und bevor Sie mir jetzt vorschnell sagen „Mein Ziel ist eine möglichst hohe Rendite“, sollten Sie gleich die zweite Frage im Hinterkopf haben. Sind Sie emotional in der Lage, die höheren Schwankungen zu akzeptieren, die mit einem höheren Renditeziel einhergehen?

Geht das etwas konkreter?

Nehmen wir meine beiden Geschwister und mich. Mein Renditeziel liegt bei 6 bis 7 Prozent. Mir ist bewusst, dass ich mein liquides Vermögen dafür nahezu vollständig in Aktien anlegen und Geduld haben muss. Schwankungen, wie wir sie aktuell erleben, machen mir nichts aus. Meiner Schwester will und kann diese Schwankungen aber nicht hinnehmen, weil ihr wichtig ist, dass sie jederzeit Zugriff auf ihr Erspartes hat – und zwar möglichst auf den kompletten Betrag. Das Renditepotenzial ihres Festgelds von Null „hübscht“ sie allenfalls mit Anleihen und einer minimalen Aktienquote auf 1, maximal 2 Prozent auf. Mein Bruder wiederum liegt dazwischen. Die langfristige Rendite eines reinen Aktienportfolios findet er toll, aber die Schwankungen sind ihm zu hoch. Also legt er etwa die Hälfte seines Vermögens in Aktien an – den Rest füllt er mit etwas Cash und einer substanziellen Anleihequote auf. Damit ist ihm aber auch klar, dass er über die Jahre höchsten 3 bis 4 Prozent erwirtschaften kann.

Aber finden Sie es nicht nachvollziehbar, dass das Auf und Ab an den Börsen abschreckt? Was sagen Sie jemandem, der Aktienanlagen als reine Spekulation sieht oder, böse formuliert, die Börse mit einem Casino vergleicht?

Kurzfristig mag es einem manchmal so vorkommen. Fallende Kurse müssen allerdings nicht per se etwas Schlechtes sein. Im Gegenteil, es gibt genügend Bereiche, in denen wir fallende Preise großartig finden. Warum? Weil wir den Preis ins Verhältnis zu einem Wert setzen und damit „Schnäppchen“ ausmachen können. Wo ich mich auf der Skala zwischen Spekulation und Investition befinde, hängt also davon ab, wie konkret und fundiert ich glaube, den Wert eines an der Börse gehandelten Investments bestimmen zu können. Wenn nun ich, Thomas Lehr, eine einzelne Aktie kaufen würde, wäre das wahrscheinlich nahe an der Spekulation. Mir fehlt die Zeit und nicht selten das Wissen für eine ausführliche Unternehmensanalyse. Deswegen überlasse ich das Kolleginnen und Kollegen, die sich damit auskennen und den ganzen Tag nichts anders tun. Im richtigen Leben ist das bei mir nicht anders. Da, wo ich mich gut auskenne, kann ich selbst beurteilen, ob Preise attraktiv sind. In anderen Bereichen brauche ich den Rat von jemandem, dem ich hier ein Urteil zutraue.

Ein Freund von mir hat in Aktien investiert, die zu den überdurchschnittlichen Gewinnern zählen sollen, sobald die Konjunktur anzieht. Sie waren angeblich besonders günstig bewertet. Ist sowas nicht gefährlich?

Konjunkturabhängige Unternehmen unterliegen in der Regel sehr viel stärkeren Schwankungen als solche, die über den Konjunkturzyklus hinweg vergleichsweise stabile(re) Erträge erzielen. Weil die wenig prognostizierbaren Schwankungen am Aktienmarkt oft das Argument gegen eine Aktienanlage sind, liegt es auf der Hand, dass die Investition in weniger konjunkturabhängige Unternehmen ein kluger Schritt sein kann. Daher haben solche Unternehmen ihren Preis, so wie auch Immobilien in bester Lage teurer sind.

Ist es nicht besser in Aktien deutscher oder zumindest europäischer Unternehmen zu investieren – weil da kein Währungsrisiko besteht?

Die Frage nach dem Währungsrisiko ist interessant, weil sie vor allem eine „deutsche Frage“ ist. Die Deutschen sind es aus der Zeit der D-Mark gewohnt, fremde Währungen als „Risiko“ zu sehen. Fragen Sie mal in Italien. Da gelten Fremdwährungen eher als Chance, weil die Lira oft zur Abwertung neigte. Heute denken, rechnen und zahlen sowohl die Deutschen als auch die Italiener in Euro. Fragen Sie sich selbst, ob der Euro eher D-Mark oder eher Lira ist? Dann haben Sie damit die Antwort auf die Frage, ob Sie bei einem global aufgestellten mehr Währungschancen als -risiken haben. Damit fremde Währungen für ein globales Portfolio zum „Risiko“ werden, muss sich in Europa einiges verbessern. Verbessern sich die Dinge nicht, kann es dagegen helfen, nicht all sein Vermögen im Euro investiert zu haben.

Sollte man am Ende nicht doch lieber eine Immobilie kaufen statt Aktien?

Die eigengenutzte Immobilie ist unseres Erachtens auf jeden Fall eine sinnvolle Investition. Immobilien als Anlageobjekt erscheinen uns aber wenig attraktiv. Zunächst einmal sind die Renditen schlichtweg niedrig und der Arbeitsaufwand nicht unerheblich. Um das Risiko, dass es auch beim Kauf einer Immobilie gibt, ausreichend zu verteilen, bräuchte es darüber hinaus mehrere Immobilien, was wiederum den Aufwand erhöht. Mein Kollege Philipp Vorndran und ich finden, dass wir mit sehr viel geringerem Aufwand gute, ertragreiche Investitionen am Aktienmarkt finden können. Wir beide können aber auch mit den Schwankungen gut umgehen.

 

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