06.03.2019 - Philipp Vorndran

Die globale Rezession – (k)ein Thema


Irgendwann muss sie kommen – die globale Rezession. Aber: Woher soll sie kommen? Ein Blick auf die wichtigsten Wirtschaftsräume.

Was mich immer wieder erstaunt, ist das kurze Gedächtnis vieler Marktteilnehmer. Im vergangenen Jahr trieb sie die Sorge vor der weltweiten Rezession um. Und heute? Nachdem sich die Märkte seit Jahresbeginn sehr erfreulich entwickeln, scheint die Angst vor der Rezession wie weggeweht. Sie kennen uns: Bei Flossbach von Storch bürsten wir die aktuellen Themen gerne gegen den Strich. Deshalb stellen wir uns gerade jetzt einmal die Frage, ob und woher eine globale Rezession kommen könnte.

Unter uns Europäern herrscht gerne die Haltung vor, dass wirtschaftliche Risiken vor allem in anderen Teilen der Welt entstehen. Wenn die Rezession kommt, dann muss sie von woanders kommen. Die üblichen Verdächtigen sind dabei schnell ausgemacht: die USA und China. Werfen wir also zuerst einen Blick auf diese beiden Kandidaten, bevor wir auf Europa schauen.

Doping für die Wirtschaft

Aus China wird die Rezession wohl nicht kommen. Denn die chinesische Volkswirtschaft verfügt global nicht nur über das mit Abstand größte Arsenal für die Bekämpfung eines wirtschaftlichen Abschwungs, sondern ist auch bereit, dieses Arsenal für diesen Zweck einzusetzen.

Das belegt eindrucksvoll die Neukreditvergabe im gesamten chinesischen Kreditmarkt – inklusive der Schattenbanken. Die neu vergebenen Bankkredite – das Feld, auf dem die chinesische Regierung am deutlichsten die Wirtschaft stimulieren kann – erreichten im Januar ein neues Rekordhoch (vgl. Grafik 1).

Dieses Gegensteuern hat natürlich einen Preis: Die Gesamtverschuldung Chinas in Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) ist mittlerweile auf ein Niveau gestiegen, das dem der Eurozone und der USA entspricht. Damit zeigt sich, dass das Arsenal der Chinesen zwar verfügbar, allerdings nicht unendlich groß ist. Vielleicht müssen wir in drei oder vier Jahren einen anderen Blick auf dieses Arsenal werfen – aber zurzeit funktioniert es einwandfrei. Eine rezessive Entwicklung ist hier unseres Erachtens nicht erkennbar (vgl. Grafik 2).

Und wie sieht es in den USA aus, dem anderen Verdächtigen? Gibt es hier Anzeichen für eine Rezession? Unseres Erachtens spricht folgendes dagegen: Der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ist es in den vergangenen drei Jahren gelungen, durch moderate Zinserhöhungen wieder etwas Wasser unter den Kiel zu bekommen. Und zusätzlich unterstützte Fed-Chairman Jerome Powell jüngst mit seiner Aussage, mit weiteren Zinsschritten auch warten zu können, die Märkte.

Unseres Erachtens besteht kein Zweifel daran, dass sowohl die Fed als auch die ganze US-Nation – so zerstritten sie auch aktuell scheint – im Falle einer wirtschaftlichen Krise gegensteuern würden.

Das europäische Problem

Etwas größere Sorgen bereitet uns hingegen die Eurozone: Hier lässt die Wachstumsdynamik nach, allerdings ist – anders als in den USA – der Handlungsspielraum der EZB durch die andauernde Niedrigzinspolitik und angesichts der relativ hohen Schuldenlast innerhalb der Eurozone extrem eng. Zwar konnten Deutschland und Spanien ihre Schuldenlast zurückfahren, gleichzeitig wuchs der Schuldenstand aber gerade in Frankreich massiv an. Das Land macht uns langfristig mehr Sorgen als Italien (vgl. Grafik 3).

Unseres Erachtens verweist das Beispiel Frankreichs – aber auch das Italiens – auf ein von vielen noch unterschätztes, aber für die weitere Entwicklung der Verschuldung relevantes Thema: die Kosten des Populismus. Die Erfahrung zeigt, dass die Maßnahmen zur Beruhigung populistischer Tendenzen die Haushalte stark belasten. Und so dürften die Haushaltsdefizite in Frankreich und Italien auf unverändert hohen Niveaus verharren (vgl. Grafik 4).

Aber nicht nur in Frankreich und Italien – ähnliche Entwicklungen sehen wir auch in den USA, vielleicht demnächst auch in Deutschland. Angesichts dieser Entwicklung ist für uns nicht erkennbar, wie es in den kommenden Jahren zu einer echten Trendwende bei der Staatsverschuldung kommen kann. Was wiederum den Handlungsspielraum für die Notenbanken mit Blick auf höhere Zinsen oder eine straffere Geldpolitik einschränkt.

Festzuhalten bleibt: Auch wenn die Wachstumsdynamik der Weltwirtschaft nachlassen sollte – eine globale Rezession ist unseres Erachtens im Jahr 2019 nicht in Sicht. Die Chinesen können sich aus einem gut gefüllten Arsenal zur Stimulierung der Wirtschaft bedienen, auch die USA haben wieder Wasser unter dem Kiel für wirtschaftliche Impulse. In der Eurozone hat die EZB jedoch einen wesentlich geringeren Handlungsspielraum. Das müssen wir genau beobachten – vor allem vor dem Hintergrund der Kosten, die ein aufziehender Populismus in Europa verursacht.

 

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