29.03.2022 - Philipp Vorndran

Wie ein Brandbeschleuniger


Wie ein Brandbeschleuniger

Mehr Inflation, höhere Staatsschulden, ein noch tieferes Minus bei den Realzinsen – die geopolitischen Verwerfungen haben Auswirkungen für Anleger und Anlegerinnen.

Mit dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine hat sich die Welt verändert, nicht nur politisch. Auch die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts sind, angesichts der verhängten Sanktionen, nicht zu unterschätzen.

Viele von Ihnen kennen bereits unser anlagestrategisches Weltbild. Für Anleger, die langfristig Vermögen aufbauen wollen, haben wir hier die aus unserer Sicht wirklich relevanten, wirtschaftlichen Entwicklungen zusammengefasst. Hohe Staatsschulden und ein voraussichtlich anhaltend niedriges Wachstum der Weltwirtschaft zählen ebenso dazu wie anhaltend niedrige Zinsen und die seit einiger Zeit deutlich gestiegene Inflation.

In einem solchen Umfeld ist allein der reale Werterhalt des Vermögens alles andere als profan; es braucht unseres Erachtens ein robustes Portfolio mit starken, widerstandsfähigen Unternehmen. Nun zeigt sich: Die aktuellen Entwicklungen beschleunigen Trends, von denen wir hierbei ausgehen.

Einerseits dürfte der Krieg die Staatsschulden in vielen Ländern weiter erhöhen. Andererseits wirkt der Krieg wie ein Brandbeschleuniger auf die Inflation, was verschiedene Regionen unterschiedlich treffen dürfte. Während sich Europa vor allem für höhere Energiepreise wappnet, werden in vielen Schwellenländer wohl die steigenden Weizenpreise zum Problem. Vor allem im arabisch geprägten Raum, wohin ein Gutteil des Exportweizens aus der Ukraine bisher geliefert wurde, ist der Brotpreis ein sehr sensibles Thema. Ägypten hat daher angekündigt, diesen Preis einzufrieren. Denn ist er zu hoch, kann das die politische Stabilität in manchen politisch ohnehin fragilen Ländern gefährden.

Zweitrundeneffekte drohen

In Europa und den USA haben die Energiepreise bereits vor dem Angriff von Putins Truppen deutlich zugelegt und die Inflation in die Höhe getrieben. Mit den mit diesem Krieg verbundenen Wirtschaftssanktionen dürfte der Preisdruck vor allem in Europa noch einmal deutlich steigen. Auch den Gewerkschaften ist damit klar: Die Inflation ist gekommen, um zu bleiben. Höhere Tarifabschlüsse und Zweitrundeneffekte rücken in den Fokus. Und diese wiederum sorgen dann dafür, dass sich das hohe Inflationsniveau weiter verfestigt.

In den USA ist die Macht der Gewerkschaften deutlich kleiner als in Europa; Löhne und Gehälter sind meist individuell zu vereinbaren. Hier zeigt die hohe Zahl der Kündigungen von Angestellten, die sich dann einen neuen (oft besser bezahlten) Job suchen, dass die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer und damit auch der Lohndruck steigt. Die US-Notenbank hat bereits mehrere Zinserhöhungen angekündigt, um die Teuerung einzudämmen. Der Zins steigt, zumindest nominal. Die Differenz zwischen Inflation und Zins bleibt aber auch in den USA hoch, der Realzins entsprechend negativ.

 

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält sich in punkto Zinserhöhungen ohnehin zurück, wenngleich auch in der Eurozone die Inflationsraten zuletzt stark gestiegen sind. Unlängst hat die EZB ihre Inflationsprognosen angepasst, die allerdings wie aus der Zeit gefallen scheinen. Für 2023 werden 2,1 Prozent Inflation erwartet, für 2024 sind es gar nur 1,9 Prozent.

Stagflation oder „Schrumpflation“?

In dieser kritischen Situation werden die europäischen Staaten nicht aufhören, die Wirtschaft zu unterstützen. Die Exportindustrie zum Beispiel. Zudem werden irgendwann Aufbauhilfen für die kriegsbedingten Zerstörungen in der Ukraine gebraucht. Es gibt also wenig Hoffnung, dass sich an der expansiven Ausgabenpolitik in der Eurozone etwas verändert. Trotz der voraussichtlich also höheren Inflation werden die Realzinsen daher unseres Erachtens auch auf Dauer niedrig bleiben müssen.

Angesichts von Krieg, Sanktionen und anhaltend hoher Inflation sind Abstriche auch beim globalen Wachstum zu erwarten. Viel ist derzeit von Stagflation oder gar „Schrumpflation“ zu lesen; also davon, dass die Wirtschaft trotz hoher Inflation wie in den 1970er Jahren nicht mehr wächst oder womöglich sogar schrumpft. Das Heilmittel lag damals in einem Zins, der die Inflation überstieg. Doch damit ist jetzt aus den genannten Gründen nicht zu rechnen.

Was bedeuten diese Veränderungen nun für Anleger? Angesichts der (erheblichen) negativen Realzinsen ist es keine gute Idee, Geld einfach nur „zu parken“ oder in klassische Anleihen zu investieren, die bis zum Ende der Laufzeit gehalten werden sollen. Damit würden Anleger derzeit oft nicht nur real gesehen, Geld verlieren. Oder wie Warren Buffett es mal formuliert hat: „Das größte Risiko (für Anleger) ist, nicht investiert zu sein.“ 

Aber auch der breite Aktienmarkt ist unseres Erachtens derzeit nicht die Lösung. Nur sorgfältig ausgewählte Titel von Unternehmen, die über Preissetzungsmacht verfügen, bieten bei einer drohenden Stagflation langfristig noch Chancen. Solvenz, Flexibilität, ein integres Management und attraktive Geschäftsmodelle, darauf kommt es an. Von Unternehmen, bei denen die Entwicklung stark von der Konjunktur abhängig ist, raten wir dagegen eher ab. Hier drohen (nicht nur im aktuellen Umfeld) immer wieder veritable Kursausschläge. 

 

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