01.12.2022 - Thomas Lehr

Rezession + Inflation = ?


Rezession + Inflation = ?

Ökonomen erwarten eine Phase mit negativem Wirtschaftswachstum und (weiter) steigenden Preisen. Was bedeutet das für Anlegerinnen und Anleger?

Eine Frage, die die Märkte derzeit bewegt, ist, ob wir den Höhepunkt bei der Inflation bereits gesehen haben, uns jetzt aber womöglich in Richtung Rezession bewegen. Was ist davon zu halten?

2022 war ein Jahr mit einer Inflation, die im Euroraum und in den USA immer neue Rekorde erreicht hat. Doch im Oktober ist sie in den USA von 8,2 auf 7,7 Prozent gefallen. Im Sommer waren noch 9,1 Prozent erreicht worden. Nun liegt die Steigerung der Verbraucherpreise wieder auf dem Niveau vom Februar. Ist die Inflation also auf dem Rückzug?

Die US-Notenbank hat den Kampf längst aufgenommen und die Zinsen von einer Bandbreite in Höhe von 0,00 bis 0,25 Prozent zu Jahresbeginn auf zuletzt 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Geldpolitik wirkt aber oft mit Zeitverzögerung. Daher hegt so mancher Investor nun die Hoffnung, dass der US-Notenbank-Chef Jerome Powell Dynamik bei den Zinsanhebungen rausnehmen könnte. Denn rasant steigende Zinsen sind Gift fürs Depot, drücken sie doch auf die Bewertungen von Aktien – und schicken auch die Kurse von bereits emittierten Anleihen in den Keller.

Eine mustergültige Prognose

Die Bank of England prognostiziert regelmäßig nicht nur ihre Erwartungen für die Inflation, sondern auch für die Entwicklung des realen Wirtschaftswachstums.  Sie geht davon aus, dass mit dem Ende des vierten Quartals 2022 die Inflation in Großbritannien sinken sollte. So werden für das vierte Quartal 2022 noch elf Prozent, für das vierte Quartal 2023 aber nur noch sechs Prozent vorhergesagt. Im vierten Quartal 2024 sollen es sogar nur noch 2,6 Prozent sein (siehe Grafik).

 

Natürlich sind derartige Schätzungen mit einer hohen Unsicherheit behaftet. Dennoch spricht einiges dafür, dass die Inflationsdynamik in den kommenden Quartalen abnimmt. Dafür sorgen einige Basiseffekte , etwa bei den Energiepreisen, die nun fast ein Jahr lang stark gestiegen sind. Auch sind die Produzentenpreise zuletzt etwas zurückgegangen. Ob diese Effekte aber ausreichen, um die Inflation mittelfristig oder sogar bereits im Jahr 2024 wieder nah an die Zielmarke der Notenbanken von zwei Prozent heranzuführen, muss sich erst zeigen.

Vorerst dürften Nachholeffekte, etwa bei den Lohnabschlüssen, für ein erhöhtes Grundrauschen bei der Inflation sorgen. Aber auch der Wunsch vieler Unternehmen, ihre Lieferketten widerstandsfähiger aufzustellen, könnte für einen anhaltenden Preisauftrieb (bei den Produktionskosten) sorgen. Daneben verursacht der Übergang hin zu einem klimaneutralem Wirtschaften kurz- bis mittelfristige Kosten, die inflationssteigernd wirken. Noch ist die Inflation also nicht besiegt, auch wenn die mehrjährigen Prognosemodelle von Notenbanken den Erfolg ihrer Geldpolitik projizieren.

Steigende Preise, sinkendes Wachstum           

Zu den Inflationssorgen kommen Rezessionssorgen hinzu. Für Großbritannien sagt die Bank of England einen Rückgang der realen Wirtschaftsleistung vorher. So ist die Wirtschaft bis zum zweiten Quartal 2022 noch gewachsen, bevor es bis 2024 bergab gehen könnte (siehe Grafik).

Nominal sieht es jedoch anders aus. Hier ist in vielen Ländern mit ordentlichem Wachstum zu rechnen. Trieben doch die Steigerungen der Verbraucherpreise in diesem Jahr die Umsätze bei vielen Unternehmen nach oben. Allein bei den im weltweiten AktienindexMSCI World gelisteten Unternehmen lagen die Schätzungen der Analysten im Zwölf-Monats-Vergleich im Oktober um 10,1 Prozent höher als im Jahr davor.

Für das Jahr 2023 fallen die Gewinnschätzungen allerdings mit 3,4 Prozent wieder moderater aus.  Wenn wir hier zudem von einem normalen Jahr ausgehen, in dem die Unternehmen ihre Prognosen später im Jahr oft nach unten korrigieren, wird man wohl froh sein können, wenn man im Durchschnitt eine schwarze Null erreichen dürfte.

Und letztlich kann niemand die Entwicklung genau vorhersehen. Daher sollte ein Portfolio aus unserer Sicht damit zurechtkommen, wenn die Inflation tendenziell hoch bleibt – aber auch, sollte es zu einer merklichen Rezession kommen. In beiden Fällen geht es darum, Unternehmen zu finden, die trotz alledem verlässliche Gewinne schreiben.

 

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