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Wer Geld anlegen will, hat Fragen. Welche Anlageklasse ist derzeit die attraktivste? Wann steigen die Zinsen? In unserer Rubrik Finanzwissen werden Sie Antworten darauf finden.

Sollten Sie darüber hinaus Fragen haben, geben Sie uns bitte Bescheid. Sie fragen, Vorndran antwortet.

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Allgemein

Investieren Sie nur in Anlageprodukte, die sie auch verstehen. Prüfen Sie, ob die Anlage zu ihren Anlagezielen und ihrem persönlichem Risikoempfinden passt. Und: Haben Sie realistische Erwartungen. Hohe Renditen bei minimalem Risiko – eine solche Anlage gibt es leider nicht. Vor allem: Seien Sie geduldig, bleiben Sie am Ball! Wer erfolgreich Geld anlegen will, braucht Durchhaltevermögen. Die Zeit ist Ihr mächtiger Verbündeter. Wertpapier- oder Fondssparpläne sind deshalb mittel- bis langfristig eine sehr gute Möglichkeit, die eigene Geldanlage zu verstetigen.

Die zwei größten Risiken eines Anlegers sind a) dauerhaft Geld zu verlieren. Und b) seine Anlageziele zu verfehlen. Ein Beispiel dafür wäre etwa der Vorsorgesparer, der Jahrzehnte für den Ruhestand gespart hat, zu dessen Beginn aber enttäuscht feststellen muss, dass er auf die  falschen, weil wenig rentierlichen Anlagen gesetzt hat.
Kursschwankungen, in der Fachsprache Volatilität, sind dagegen nicht zwingend ein Risiko. Dazu ein Beispiel: Fällt der Kurs einer Aktie deutlich zurück, steigt die Volatilität. Aus Sicht vieler Profis steigt damit auch das Risiko, obwohl der Preis nun viel niedriger ist. Für den kaufmännisch denkenden Anleger dagegen ist es genau umgekehrt: Ein tieferer Einstiegskurs bedeutet ein geringeres Risiko, weil es das Renditepotenzial erhöht – vorausgesetzt, an der Substanz, der Qualität des Unternehmens hat sich nichts verändert. Kursschwankungen (Volatilität) sind aus seiner Sicht nichts Böses, im Gegenteil, sie bescheren ihm von Zeit zu Zeit Sonderangebote. Der Gewinn liegt bekanntlich (auch) im Einkauf.

Das kommt auf den Anleger an. Indexfonds sind unseres Erachtens vor allem für erfahrene Anleger geeignet, die bestimmte Märkte oder Themen abbilden wollen und damit eine konkrete Markterwartung verbinden. Also für Anleger, die taktisch vorgehen und sich der Risiken bewusst sind. Wer davon ausgeht, dass der deutsche Aktienmarkt kräftig zulegt, für den ist ein ETF, der den Dax abbildet, sicher ein gutes, obendrein kostengünstiges Instrument.
Allerdings braucht er starke Nerven. Denn wenn es an der Börse kracht, bekommt er das bei einem Aktienindexfonds mit voller Wucht zu spüren. So wie 2008/2009, zum Höhepunkt der Finanzkrise, als die Kurse von Bankaktien einbrachen und sich viele Aktienindizes halbierten. Ein Index bildet eben nicht nur die guten Unternehmen ab, sondern auch die weniger guten, die krisenanfälligen. In ruppigen Börsenzeiten kann das schnell zu einem Problem werden.
Die meisten Anleger haben jedoch keine allzu guten Nerven. Sie wollen zwar möglichst attraktive Renditen erzielen, aber eben nicht um jeden Preis; die Kursschwankungen sollten sich also im Rahmen halten. Anders ausgedrückt: Viele Anleger wollen ruhig schlafen können. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das ist sehr gut nachvollziehbar.
Hier können aktiv gemanagte Fonds, insbesondere Multi-Asset-Fonds eine sinnvolle Alternative sein – zumindest die guten und sehr guten ihres Faches. Entscheidend für den Fondsmanager ist ein tiefes Verständnis der Anlagen, in die er investiert. Chancen und Risiken jedes Investments wägt er ab – immer wieder; je besser er die künftigen Erträge einer Anlage kalkulieren kann, desto geringer ist das Risiko, nachhaltig Geld zu verlieren. Bei Aktien könnte das bedeuten, sich konsequent auf Qualitätstitel zu fokussieren – und die weniger guten Unternehmen schlicht links liegen zu lassen.

Es gibt Situationen, in denen es sinnvoll sein kann, ja. Auch wir nutzen Absicherungsinstrumente. Aber: Diese Instrumente sollten niemals zum Selbstzweck werden. Sie kosten Geld und schmälern deshalb langfristig die Rendite. Außerdem ist es extrem schwierig, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Wann ist die Korrektur, gegen die man sich abzusichern versucht, wieder vorbei? Wer beim ersten Mal richtig liegt, kann beim zweiten oder dritten Versuch völlig danebengreifen. Im Grunde ist es wie bei einem Fußballspiel: Nur weil eine Mannschaft das 1:0 geschossen hat, bedeutet das noch lange nicht, dass sie am Ende auch gewinnt.
Die Kernkompetenz eines Investors sollte vielmehr darin bestehen, permanent Chancen und Risiken potenzieller und bereits bestehender Anlagen abzuwägen.

Eine Anlagestrategie sollte unseres Erachtens klaren Regeln folgen. Bei Flossbach von Storch sind es fünf – fünf Grundsätze, an denen all unsere Anlageentscheidungen gemessen werden. Sie schützen unsere Kunden und uns vor der eigenen Fehlbarkeit.

Der wohl wichtigste Punkt ist der Begriff „Diversifikation“: Wer sein Vermögen langfristig schützen und vermehren will, kommt nicht umhin, es sinnvoll auf verschiedene Anlageklassen, Wertpapiere und Währungen aufzuteilen. Auf diese Weise reduzieren Anleger ihre Risiken.

„Flexibilität“ bedeutet Manövrierfähigkeit: Wer sein Geld langfristig bindet, etwa in Form eines mehrjährigen Festzinsangebotes, setzt ein Vermögen schutzlos der schleichenden Enteignung aus. Er verpasst außerdem, Chancen zu nutzen, die sich in anderen Bereichen zwangsläufig bieten. Bedeutsam ist nicht zuletzt die „Qualität“ einer Anlage: Gerade in Zeiten großer Unwägbarkeiten sollten Investoren auf die Substanz einer Anlage schauen, die Höhe der Erträge, die sie langfristig abwirft und vor allem deren Vorhersehbarkeit. Wetten auf kurzfristige Modetrends dagegen sind wenig erfolgversprechend.
Auch wenn es banal klingt: Zu hohe Schulden sind die häufigste Ursache für den Konkurs von Unternehmen, Staaten und  nicht zuletzt von Privatpersonen. Anleger sollten deshalb stets die eigene „Solvenz“, aber auch die Solvenz desjenigen im Blick haben, dessen Aktien oder Anleihen sie kaufen.  Eine eigene Bonitätseinschätzung – jenseits des Urteils von Ratingagenturen – ist deshalb zwingend erforderlich.
Der fünfte Punkt ist der Begriff „Wert“. Warren Buffett hat einmal gesagt, der Preis sei das, was man zahle – der Wert, was man dafür bekomme. Kurzum: Aktien von Qualitätsunternehmen rechtfertigen eine höhere Bewertung als Aktien durchschnittlicher Unternehmen.

Die Geschichte lehrt uns, dass Währungen nicht für die Ewigkeit gemacht sind. Das gilt im Besonderen für Gemeinschaftswährungen. Die Lateinische Münzunion aus dem Jahr 1865 (faktisch beendet 1914) ist ein historisches, ein gutes Beispiel dafür. Gut möglich, dass der Euro ähnlich enden wird. Seine Geburtsfehler – keine einheitliche Finanz- und Wirtschaftspolitik seiner Mitglieder und auch kein geordnetes Austrittsverfahren – sind jedenfalls immer noch nicht behoben. Allein die großzügige Zinspolitik der EZB hält unseres Erachtens die Eurozone zusammen. Ohne den Nullzins wären einige hochverschuldeten Mitgliedsstaaten längst pleite. Ist das ein zukunftstaugliches Konzept? Nein, ist es nicht. In seiner jetzigen Form wird der Euro unseres Erachtens nicht überleben. Die derzeitigen Versuche, die Eurozone zu einer Haftungsunion umzufunktionieren, in der die wirtschaftlich stärkeren Mitglieder dauerhaft die schwächeren bezuschussen, werden langfristig niemandem helfen, sondern für wachsenden Unmut bei den Menschen innerhalb der Währungsgemeinschaft sorgen.

Aus Sicht von Investoren gibt es – wenn man das Emotionale mal beiseitelässt – im Wesentlichen zwei Gründe, Gold zu kaufen. Der erste hängt mit einer ganz wichtigen Eigenschaft zusammen: Gold ist eine Versicherung gegen die bekannten und unbekannten Risiken des Finanzsystems. Gold, das aus diesem Grund erworben wird, könnte man auch als „Sicherheitsgold“ bezeichnen. Dessen Inhaber bemisst den Wert in Unzen und Barren, nicht in Euro oder Dollar. Preisschwankungen sind ihm egal. Der Anteil dieses Sicherheitsgoldes sollte unseres Erachtens in etwa fünf bis zehn Prozent des liquiden Vermögens betragen.
Der zweite Grund, Gold zu kaufen, ist der mögliche Gewinn, der sich in absehbarer Zeit mit dem Edelmetall erzielen lässt. Man könnte diese Form des Goldes auch „Spekulationsgold“ nennen. Dessen Eigentümer kaufen keine Unzen oder Barren, sondern vorzugsweise börsengehandelte Goldfonds (ETFs). Das geht schnell und unkompliziert, weil die Anleger das  Edelmetall nicht verwahren müssen. Spekulationsgold ist vor allem dann beliebt, wenn die Renditeerwartungen bei anderen Anlageklassen nicht allzu hoch sind.
Beide Motive, Absicherungs- und Spekulations-Motiv, sind legitim. Das erstere ist aus unserer Sicht jedoch das wichtigere von beiden. Sicherheitsgold gehört unseres Erachtens in jedes breit aufgestellte Depot.

Es handelt sich hier um virtuelle Münzen, deren Weitergabe nicht von Hand zu Hand erfolgt, sondern mit Computerkryptografie erfasst wird. Die bekannteste Technik dafür ist die „Blockchain“, ein virtuelles Verzeichnis, in dem Vermögensübertragungen festgehalten werden (sehr stark vereinfacht ausgedrückt). Grundsätzlich lässt sich das auf vieles anwenden. So könnte man beispielsweise Grundbücher für Immobilien oder Abwicklungssysteme für Wertpapiere erstellen und in einer Blockchain festhalten, wenn Eigentumsrechte von A nach B transferiert werden. Ursprünglich wurde die Blockchain aber zur Erfassung von Transaktionen mit der ältesten, größten und bekanntesten Kryptowährung entwickelt, nämlich Bitcoin. Hinter dem heutigen Hype um Kryptowährungen steckt die Suche nach Alternativen zu unserem Papiergeldsystem, das spätestens seit dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise angeschlagen ist. Auch wenn der Eindruck heute möglicherweise ein anderer ist – gelöst sind die unserem Geldsystem innewohnenden Probleme nicht, im Gegenteil. Die ultralockere Geldpolitik der Notenbanken trägt bereits den Keim der nächsten Krise in sich. Gut möglich also, dass aus der Finanzkrise irgendwann eine Krise unseres Geldes erwächst. Vielleicht sind  Kryptowährungen dann die beste Alternative. Welche der Kryprowährungen dann die wichtigste sein könnte, ist jedoch völlig ungewiss.

Grundsätzlich ist ein Multi-Asset-Fonds ein Fonds, der die ihm anvertrauten Gelder auf verschiedene Anlageklassen – auf Aktien etwa, Anleihen, Edelmetalle und Währungen verteilt. Auf diese Weise sollen die Renditepotenziale der verschiedenen Anlageklassen gehoben und langfristig die Risiken reduziert werden.

Gut gemanagte Multi-Asset-Fonds können unseres Erachtens ein erster Schritt sein für viele Anleger heraus aus der reinen Festgeldanlage hin zu einem breiter aufgestellten Vermögen. Allein mit verzinslichen Anlagen dürfte sich ein Vermögen langfristig jedenfalls kaum erhalten lassen. Und: Anleger profitieren bereits mit kleineren Beträgen von einer umfassenden integrierten Vermögensverwaltung – Fondssparer etwa, die regelmäßig etwas für ihre Altersvorsorge zurücklegen möchten.

AKTUELLE FRAGEN

Gute Investoren denken immer in Risiken. Gefährlich wird es erst, wenn sie keine mehr sehen, so viel vorab. Die rasant wachsenden Schulden in China beispielsweise sind ein möglicher Risikofaktor. Wir gehen aber davon aus, dass der chinesische Staat, der selbst vergleichsweise wenig verschuldet ist, noch genügend Feuerkraft hat, um bei Bedarf einzugreifen. China ist ein ‚Grauer Schwan‘, also ein Risiko, das den meisten Marktteilnehmern zwar bekannt und deshalb an den Börsen eingepreist bzw. berücksichtigt ist, aber niemand genau weiß, ob es irgendwann Realität wird. Viel gefährlicher sind aus Anlegersicht die ‚Schwarzen Schwäne‘ – also Risiken, die niemand auf dem Schirm hat.
Eines ist uns dabei aber ganz wichtig: Der Crash ist die Ausnahme, nicht die Regel. Ein Depot sollte deshalb unseres Erachtens nicht allein und dauerhaft auf mögliche Extremszenarien ausgerichtet sein. Wer das tut, läuft Gefahr, viel Geld zu verlieren, noch bevor der erwartete Crash eintritt. Viel wichtiger ist, sein Vermögen möglichst robust aufzustellen, um Krisen weitgehend unbeschadet überstehen zu können, ohne dabei sämtliche Renditepotenziale aufzugeben. Anders ausgedrückt: Eine ausgewogene Geldanlage darf niemals zu einer Wette auf bestimmte Szenarien verkommen.

Ein Blick auf die historischen Bewertungen zeigt, dass Aktien zwar überdurchschnittlich hoch bewertet, aber noch immer weit entfernt von den Höchstwerten sind. Aktien wirken umso attraktiver, wenn man sich angesichts des Niedrigzinsumfeldes die Anlagealternativen anschaut – Anleihen und Immobilien beispielsweise. Deren „Bewertungen“ sind in den vergangenen Jahren deutlich stärker gestiegen als die von Aktien. Anders ausgedrückt: Aktien sind derzeit die Anlageklasse mit dem besten Chance-Risiko-Verhältnis, was deutliche Kursrücksetzer allerdings nicht ausschließt.

Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. Zwar sind die durchschnittlichen Unternehmensbewertungen gemessen an den bedeutenden Indizes etwas höher. In den USA werden die Bewertungen aber durch Unternehmen wie Facebook oder Alphabet nach oben geschoben und damit verzerrt. Zu diesen Unternehmen gibt es schlicht keine Pendants in Europa. Schauen wir uns dagegen die US-Unternehmen an, die mit ihren internationalen Mitbewerbern vergleichbar sind, werden wir feststellen, dass die Bewertungen gar nicht so weit auseinanderliegen. Andersherum: Stellen wir uns vor, Facebook und Alphabet würden ihren Firmensitz nach Deutschland verlegen und künftig im Dax notieren. Wären deutsche Aktien dann teurer als US-Titel? Nein, wären sie nicht. Lesen Sie hierzu auch eine Studie des Flossbach von Storch Research Institute.

Wir gehen davon aus, dass das globale Zinsniveau langfristig vergleichsweise niedrig bleiben wird, was einen vorübergehenden, moderaten Anstieg der Zinsen aber nicht ausschließt. Eine Zinswende – auf Zinsniveaus von vor der Finanzkrise und darüber hinaus – wird es unseres Erachtens nicht geben.  Zumindest keine, die den Namen verdient. Das gilt insbesondere für die Eurozone und Japan. Deren Staatsschuldenberge lassen sich dauerhaft nur mithilfe niedriger Zinsen finanzieren.
Die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und der Bank of Japan schränkt gleichzeitig den Spielraum der US-Notenbank ein. Denn je größer der Zinsunterschied, umso attraktiver sind US-Anleihen aus Sicht internationaler Investoren, aus Europa und Japan beispielsweise. Deren wachsende Nachfrage treibt die Anleihekurse in die Höhe und drückt im Umkehrschluss die Anleihe-Renditen, also das Zinsniveau in den USA. Und noch eines ist in diesem Zusammenhang wichtig: Investoren, die US-Anleihen kaufen, kaufen auch den US-Dollar, was dazu führt, dass die US-Währung gegenüber anderen Währungen an Wert gewinnt. Ein deutlicher Anstieg des US-Dollar dürfte kaum im Interesse der US-Unternehmen und damit der US-Wirtschaft sein. Je teurer US-Produkte gegenüber Produkten aus anderen Volkswirtschaften sind, umso unattraktiver werden sie für Konsumenten. Das wird die US-Notenbank bei ihren Überlegungen berücksichtigen. Der US-Dollar wirkt unseres Erachtens wie eine Art „Barriere“ für den Zins.

Inflationsprognosen sind eine äußerst schwierige Angelegenheit. Zu viele Faktoren spielen eine Rolle. Grundsätzlich ist die lockere Geldpolitik der Notenbanken ein guter Nährboden für Inflation, was nicht zuletzt die Entwicklung der Vermögenspreise dokumentiert. Das Risiko, dass eine allzu großzügige Notenbankpolitik auch zu einem deutlichen Anstieg der Verbraucherpreise führt, sollte nicht unterschätzt werden. Im schlimmsten Fall verlieren die Menschen irgendwann das Vertrauen in das Papier- bzw. Schuldgeldsystem. Wann das der Fall sein könnte, lässt sich allerdings nicht seriös vorhersagen. Bislang dämpfen die massive Verschuldung weltweit sowie die Bevölkerungsalterung in den Industriestaaten den Anstieg der Teuerungsraten.
Aber selbst ein moderater Anstieg der Inflationsraten hat für Anleger, die einen Großteil ihres Geldes in Zinsanlagen gepackt haben, gravierende Folgen: Die Zinserträge reichen bei weitem nicht aus, um die Inflation auszugleichen. Sparer werden also langsam, aber sicher enteignet. Die Kaufkraft ihres Ersparten schwindet. Vielen ist dieses Risiko nicht bewusst – leider. Sie glauben, ihr Geld auf dem Tagesgeldkonto oder dem Sparbuch sei sicher. Auch wenn es so gut wie keine Zinsen gibt, bleiben 1000 Euro schließlich 1000 Euro, so die Überlegung. Dass sich mit 1000 Euro in einigen Jahren aber deutlich weniger Güter kaufen lassen als heute, wird dabei in der Regel nicht berücksichtigt.

LESERFRAGEN

Nein, ist es nicht. Das Beispiel Japans kann bei der Einordnung helfen. Es zeigt, dass die Notenbank nicht zwingend Anleihen kaufen muss, um den Zins nahe die Nulllinie zu drücken beziehungsweise dort zu halten. So hatte die Bank of Japan angekündigt, dass sie nicht zulassen werde, dass die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen deutlich über die Nullprozentmarke steigen werde. Eine Niedrigzinsgarantie per Erlass! Auch die EZB könnte eine Zinsobergrenze für die Eurozone definieren. Diese Obergrenze  müsste sich zwangsläufig daran orientieren, welcher Zins für die hochverschuldeten Mitgliedstaaten, für Italien beispielsweise, langfristig tragbar wäre. Dass Worte oftmals mächtiger als Taten sind, hat Mario Draghi bereits im Sommer 2012 mit seinem Versprechen, den Euro um jeden Preis retten zu wollen, eindrucksvoll bewiesen. Es spricht daher vieles dafür, dass die Investoren eine von der EZB definierte Zinsobergrenze als gesetzt akzeptieren würden.

Eine der ureigenen Aufgaben einer Notenbank ist es, für stabiles Geld zu sorgen. Aus Sicht der EZB sind die Preise stabil, wenn sie im Schnitt um rund zwei Prozent pro Jahr zulegen. Warum ein solcher Preisanstieg stabil sein soll, leuchtet uns zwar nicht ein, ändert aber nichts an der Haltung der EZB. Sollten die Preise über die definierte Marke hinausklettern, müsste die Notenbank eigentlich eingreifen und den Zins anheben (also Geld verteuern), um ein „Überschießen“ der Inflation zu verhindern. Soweit die Theorie. In der Praxis könnten es anders laufen, zumindest innerhalb der Eurozone. So hat die EZB bereits angedeutet, dass sie einen deutlichen Anstieg der Inflation zeitweise tolerieren könnte, ohne den Zins ebenso deutlich anzupassen. Auch wenn es kein Notenbanker zugeben würde (Staatenfinanzierung ist der EZB schließlich verboten), steckt dahinter die Sorge, dass ein deutlicher Zinsanstieg gleich mehrere Eurostaaten überfordern und damit letztlich den Euro als Ganzes gefährden könnte.
Auch die Bank of Japan hat bereits angekündigt, dass ein deutlicher Inflationsanstieg nicht zwingend eine deutliche Zinsanpassung zur Folge haben müsse. Für die hochverschuldeten Staaten wäre das eine relativ gute Möglichkeit, ihre Schulden langfristig weg zu inflationieren.

Das lässt sich pauschal leider nicht beantworten. Anleger tun jedoch gut daran, nicht in Regionen oder Märkten zu denken, sondern in guten Unternehmen. Möglicherweise ist ein Konzern, der seinen Stammsitz zwar in der „alten Welt“ hat, aber den Großteil seiner Umsätze in der „neuen Welt erzielt“, das viel bessere Schwellenländer-Investment. Anders ausgedrückt: Nicht das Herkunftsland eines Unternehmens ist entscheidend, sondern dessen Qualität.

Das kommt auf das Anlageziel an. Goldförderer und Goldexplorer sind Unternehmen, die zwar im Wesentlichen von der Entwicklung des Goldpreises abhängen, ansonsten aber den gewöhnlichen Unternehmensrisiken unterliegen. Wie gut ist die Bilanz finanziert, was ist vom Management zu halten? Goldaktien sind nicht zuletzt ein Instrument für Anleger, die eine sehr klare Meinung dazu haben, wie sich der Goldpreis in Zukunft verhalten wird – die also davon ausgehen, dass die Notierungen steigen. Sie sind kein Ersatz für Sicherheitsgold!

Die Angst vor der Zinswende ist unseres Erachtens das überliegende Thema. Aktien von Unternehmen aus dem traditionell defensiven Konsumgüterbereich haben in den vergangenen Jahren vielen Investoren als „natürlicher“ Anleiheersatz gedient. Stabiles Geschäftsmodell, relativ verlässliche Dividendenzahlungen. Diese Aktien leiden besonders, wenn das (gefühlte) Zinsänderungsrisiko steigt. Es ist aber aus unserer Sicht nicht der alleinige Grund für die zum Teil deutliche Korrektur der vergangenen Wochen.
Hinzu kommen branchenspezifische Probleme. So scheint sich die Marktmacht zwischen Produzent hin zum Abnehmer zu verschieben. In den USA beispielsweise fordert Walmart pauschale Preissenkungen von den Produktproduzenten. In Deutschland ist der Streit zwischen Edeka und Nestlé ein Beispiel dafür, dass der Preisdruck auf die Nahrungsmittelproduzenten steigt.
Darüber hinaus fehlt es unseres Erachtens an Produktinnovationen, die den Verbraucher nachhaltig beeindrucken. Stattdessen sind viele Unternehmen im Laufe der vergangenen Jahre träge geworden. Die Managementebenen sind gewachsen – und mit ihnen die Boni. Hinzu kommen unternehmensspezifische Probleme, etwa plötzliche Vorstandswechsel.
Eine allgemeine Trendwende am Aktienmarkt würden wir aus der Entwicklung bei den Konsumgüterherstellern nicht ableiten, was nicht bedeutet, dass es in den kommenden Monaten nicht zu weiteren, deutlichen Rücksetzern kommen kann – im Gegenteil. Wir gehen davon aus, dass die Höchststände so bald nicht wieder erreicht werden, sondern die Volatilität (Kursschwankungen) uns erhalten bleibt.