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Multi Asset | Märkte
9 Minuten

2025 – Rückblick auf ein turbulentes Jahr

- Dr. Bert Flossbach

Donald Trump, künstliche Intelligenz, der schwache Dollar und ein starkes Edelmetall – das vergangene Jahr brachte Anlegern einige Überraschungen. Nun ist Disziplin gefragt.  

2025 war ein turbulentes Jahr an den Kapitalmärkten, das von zwei Seiten bestimmt wurde, die kaum gegensätzlicher sein könnten – Donald Trump und Künstliche Intelligenz (KI). Keine zwei Wochen nach der Vereidigung zum 47. Präsidenten der USA kündigte Donald Trump am 1. Februar eine erste Welle neuer Zölle auf Importe aus Kanada, Mexiko und China an.

Nach einer kurzen Irritation setzten die Aktienmärkte ihren Anstieg bald wieder fort. Mitte Februar erreichte der amerikanische Leitindex S&P 500 ein vorläufiges Allzeithoch von 6.144 Punkten, ein Plus von 4,5 Prozent in nur sechs Wochen. Dann ging es bergab.

Die Sorge, dass sich die gigantischen Investitionen in die Künstliche Intelligenz nicht ausreichend amortisieren, wenn es Startups wie dem chinesischen DeepSeek gelingen könnte, mit weniger Aufwand genauso leistungsfähig zu sein wie die rechenintensiven US-Modelle, ließ die Kurse der acht größten Technologieaktien bis Mitte März um gut 16 Prozent fallen und zog den gesamten US-Aktienmarkt mit in die Tiefe.

Hiervon unbeeindruckt zeigten sich die europäischen Aktienmärkte. Die Ankündigung der neuen deutschen Bundesregierung, ein 500 Milliarden Euro schweres Investitionsprogramm aufzulegen, schürte Hoffnungen auf eine Wiederbelebung der deutschen und europäischen Wirtschaft, was auch die Aktienkurse beflügelte. Mitte März betrug der Performancevorsprung europäischer Aktien gegenüber US-Titeln fast 20 Prozent. Der deutsche Aktienindex Dax lag zu diesem Zeitpunkt sogar 27 Prozent vor dem S&P 500, was auch an der aufkommenden Schwäche des US-Dollars lag.

Trumps Zoll-Zickzack-Kurs

Dann wurde es turbulent. Am 2. April schockte Donald Trump die Kapitalmärkte mit der Ankündigung exorbitanter Zölle, die sich am Handelsdefizit der USA gegenüber einzelnen Handelspartnern orientierten. Es sollte der Beginn einer erratischen Zoll- und Außenpolitik sein, die weltweit zu maximaler Unsicherheit bei Regierungen, Unternehmen und Investoren führte.

Alles war möglich, nichts mehr sicher. In den Folgetagen stürzten die Aktienmärkte weltweit ab. Am 8. April schloss der S&P 500 unter der Marke von 5.000 Punkten, fast 20 Prozent tiefer als der Höchststand von Mitte Februar, und zog auch den US-lastigen Aktienindex MSCI World mit in die Tiefe.

Der Unmut der stark am Aktienmarkt engagierten US-Bevölkerung und die Sorgen vor Kollateralschäden im gesamten Finanzsystem wuchsen, was Donald Trump zu einer ersten Kehrtwende bewog. Als der Aktienmarkt am 9. April erneut im Minus eröffnete, kündigte Trump eine temporäre Aussetzung der Zollerhöhungen an, um bilaterale Deals mit den einzelnen Handelspartnern abzuschließen. Die Kurse erholten sich wieder. Zum Handelsschluss lagen die Notierungen zehn Prozent über den Eröffnungskursen.

Im Verlauf der Folgemonate hangelte sich der US-Präsident von einem Deal zum nächsten und kombinierte Zoll-, Handels-, Außen- und Sicherheitspolitik in einer nie dagewesenen Form. Die Finanzmärkte begannen, sich mit Trumps flatterhaftem Regierungsstil zu arrangieren, der von Investoren mit dem Begriff „TACO“ bezeichnet wurde: Trump always chickens out – Trump kneift, wenn es eng wird.

 Mit anderen Worten: Cool bleiben, denn die Suppe wird nicht so heiß gegessen, wie sie gekocht wird. Die Lage an der Zollfront beruhigte sich und die Aktienmärkte setzten ihre Erholung fort. Der US-Präsident konzentrierte sich zunehmend auf die Außenpolitik, mit dem Ziel, ein Image als globaler Friedensstifteraufzubauen oder der Europäischen Union (EU) und NATO zu zeigen, wer die Hosen anhat.

Der schwache Dollar dämpft die Euphorie um KI

Mit der Zeit rückte ein anderes Thema wieder in den Vordergrund: Die Künstliche Intelligenz. Ein gigantischer Investitionsboom stützte die vom Zollchaos bedrohte US-Wirtschaft und weckte die Lebensgeister an der US-Börse. Diese nahm wieder Fahrt auf und erreichte Ende Juni erneut die Höchststände aus dem Februar, um dann nahezu unterbrechungsfrei ein neues Hoch nach dem anderen zu erklimmen.

Europäische Anleger bekamen davon allerdings wenig mit. Zum einen, weil der schwache US-Dollar die Kursgewinne von US-Aktien weitgehend aufwog, zum anderen, weil die Aufwärtsdynamik bei europäischen Aktien erlahmte.

Fragt man Anleger, wo 2025 das meiste Geld zu verdienen war, werden fast immer die schlagzeilenträchtigen Aktien der großen Technologieunternehmen, insbesondere Nvidia, genannt. Die Realität sieht allerdings anders aus. Abgesehen von wenigen Ausnahmen war die Entwicklung bei den großen Technologiewerten eher enttäuschend, vor allem, wenn man sie durch die Brille eines Euro-Investors betrachtet.

Wie sehr die Performance von US-Aktien beim Blick durch die Euro-Brille leidet, verdeutlicht auch ein Blick auf die Performanceentwicklung des S&P 500 Index. Während die Anlage in US-Dollar eine stolze Rendite von 17,4 Prozent erzielte, schrumpfte dieser Gewinn für Euro-Anleger aufgrund der Währungsverluste auf 3,5 Prozent zusammen. Beim gleichgewichteten S&P 500 Index stand unterm Strich in Euro sogar ein Minus von gut zwei Prozent.

Die Gewinnerbranchen des Jahres 2025

Die eigentlichen Performance-Stars des Jahres 2025 waren Bank- und Rüstungsaktien, genauer gesagt europäische Bank- und Rüstungsaktien. Mit einem Plus von 91 Prozent konnten Bankaktien (Euro Stoxx 50 Banken-Index inklusive Brutto-Dividenden) ein historisch einzigartiges Anlagejahr verbuchen.

Die Gewinne der Banken sind 2025 aber nur um circa acht Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Die extreme Kursentwicklung ist also in erster Linie auf die deutlich gestiegene Bewertung der Bankaktien zurückzuführen, die ein gestiegenes Vertrauen in die Qualität der Bankbilanzen reflektiert. So ist das Verhältnis von Börsenwert zu bilanziellem Eigenkapital im Jahresverlauf von 0,8 auf 1,36 gestiegen und hat damit das höchste Niveau seit Anfang 2008 erreicht. Die historisch einmalige Performance der Bankaktien hat dazu geführt, dass fast die Hälfte der gesamten Indexperformance des EuroStoxx 50 von den acht darin enthaltenen Banken stammt.

Rekordjagd bei Gold

Der große Lichtblick im Jahr 2025 war der Goldpreis, der am 26. Dezember einen historischen Höchststand von 4.533 US-Dollar erreichte. Für das Gesamtjahr stand schließlich ein Plus von 65 Prozent in US-Dollar zu Buche, wovon in Euro gerechnet immerhin noch 45 Prozent übrigblieben.

Weniger erfreulich sind dagegen die Gründe für den starken Anstieg des Edelmetalls. Die zunehmenden geopolitischen Spannungen und die steigende Verschuldung vieler Staaten haben den Charakter von Gold als Wertaufbewahrungsmittel und Währung der letzten Instanz noch stärker in den Vordergrund gerückt. Vor allem in den goldaffinen Ländern haben Notenbanken und Privatanleger ihre Goldbestände erhöht, während sich bei den Amerikanern der Appetit auf Gold noch in Grenzen hält.

Ein (kurzer) Ausblick

Politische Risiken, hohe Staatsschulden und zunehmende Unsicherheit haben ein eigentlich gutes Anlagejahr 2025 geprägt. Vor diesem Hintergrund bleibt auch der Ausblick an den Kapitalmärkten anspruchsvoll. Ob sich die milliardenschweren Ausgaben im Zuge der künstlichen Intelligenz in nachhaltige Erträge übersetzen lassen, ist offen. Fehlinvestitionen würden die Kurse belasten, gefährden aber nicht die Substanz der Geschäftsmodelle.

Dem steht eine große Zahl solide aufgestellter Unternehmen mit moderaten Bewertungen gegenüber. Viele dieser Firmen stammen aus eher defensiven Bereichen wie Basiskonsum oder Gesundheit. Das Wachstumspotenzial dieser Unternehmen ist oftmals unspektakulär, die fundamentalen Risiken sind es allerdings auch. Anleger erhalten eine planbare Geschäftsentwicklung zu einem relativ günstigen Preis.

Dieses Marktumfeld verlangt Disziplin. Realistische Renditeerwartungen, ein nüchterner Blick auf die Bewertung und eine ausgewogene Portfoliostruktur sind wichtiger denn je.

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