Einst gehörte Argentinien zu den wohlhabendsten Ländern der Welt. Inzwischen ist der Staat bereits neunmal zahlungsunfähig geworden.
Argentiniens wiederkehrende Staatspleiten sind nicht allein auf eine hohe Verschuldung zurückzuführen. Über Jahrzehnte kamen hohe Staatsdefizite, Geldentwertung, wirtschaftspolitische Eingriffe, sinkende Wirtschaftskraft und ein wachsender Vertrauensverlust in Währung und Institutionen zusammen.
„Reich wie ein Argentinier“ war um das Jahr 1900 einst ein geflügeltes Wort. Fleisch- und Weizenexporte bescherten dem Land erheblichen Wohlstand.
Warum Argentinien einst zu den reichsten Ländern der Welt gehörte
Millionen arbeitswillige Europäer, vor allem aus Italien und Spanien, siedelten in diesen Jahrzehnten über. Reichlich Bodenschätze, mehr als genügend Agrarflächen und eine gute geografische Lage am Meer hätten die Basis für eine langfristige Erfolgsgeschichte des heute achtgrößten Landes der Erde bilden können. Eigentlich.
Doch spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der wirtschaftliche Niedergang eingeläutet. Juan Peróns „dritter Weg“, der einen Mittelweg zwischen Kapitalismus und Sozialismus finden sollte, scheiterte.
Wie Juan Peróns Wirtschaftspolitik Schulden und Inflation verstärkte
Rasant steigende Sozialausgaben (etwa durch die Einführung eines bezahlten Mutterschutzes, bezahlter Urlaubstage oder auch einer kostenlosen medizinischen Versorgung für alle Arbeitnehmer) wurden größtenteils durch Geldmengenausweitung finanziert und mündeten in anhaltend hohen Staatsdefiziten und Inflationsraten.
Parallel dazu erodierte die Wirtschaftskraft im Zuge von Betriebsverstaatlichungen und angesichts eines zunehmenden Protektionismus. Bezeichnenderweise sank die Fleischproduktion von einem Höchststand von 145.000 Tonnen unter Perón auf 87.000 Tonnen bis Ende 1961. Ein verheerendes Handelsungleichgewicht war die Folge.
Neun Staatspleiten: Warum Argentinien das Vertrauen verlor
Das Land fand nie zu alter Stärke zurück. Bis heute ist Argentiniens Wirtschaftsleben von einem geringen Vertrauen in das Geldsystem und die politischen Institutionen geprägt. „La Grieta“, der Riss, bezeichnet im modernen Argentinien die tiefe gesellschaftliche Spaltung zwischen den politischen Lagern. Bereits neunmal war das Land bankrott – allein dreimal in diesem Jahrtausend. Staatsversagen hat in Argentinien Tradition.
Serie "Der Schuldenatlas"
Das Beispiel zeigt: Eine Schuldenquote allein sagt wenig aus. Entscheidend sind unter anderem Wirtschaftskraft, Vermögen, Zinslast, Währung, institutionelle Stabilität und die Verwendung des geliehenen Geldes. Der „Schuldenatlas“ ist eine Serie zu Julian Marx’ Beitrag „Welche Schuldenlast können wir uns leisten?“. Darin zeigt er, warum die Höhe der Schulden allein noch nichts über ihre Tragfähigkeit aussagt.
Vertiefung
Welche wirtschaftspolitischen Reformen Javier Milei verfolgt, auf welchen theoretischen Überlegungen sie beruhen und vor welchen politischen Hürden sie stehen, untersucht eine Studie des Flossbach von Storch Research Institute.
Zum Weiterhören
Wie Argentinien vom wohlhabenden Exportland in eine lang anhaltende Wirtschafts- und Währungskrise geriet – und ob Javier Milei die Wende schaffen kann.
Glossar
Verschiedene Fachbegriffe aus der Welt der Finanzen finden Sie in unserem Glossar erklärt.
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