05.04.2018 - Philipp Vorndran

Alarm? Nein, sonst wacht noch jemand auf …


Philipp Vorndran

Teil 2 unserer Neuseeland-Tour. Das Wetter wurde nicht besser, im Gegenteil. Immerhin erfuhren wir, was Neuseeländer und Australier mit Niederländern und Deutschen gemein haben.

Das trübe Wetter machte unsere Ausflugspläne in Picton und Umgebung zunichte. Bei Dauerregen will niemand Schafe scheren, Farnwälder durchstreifen oder Weingüter besuchen. Was uns blieb, war ein kurzer Spaziergang durch die Stadt. Zwei Schirme gingen dabei drauf. Wir suchten und fanden Schutz in einem gemütlichen Restaurant. Darin bestellten wir warme Getränke und einen Teller der hier angebauten grünen Muscheln. Die sind eine Klasse für sich, fast allein einen Abstecher nach Neuseeland wert!

Im Hafen durften wir die riesigen Berge von Rundholz bestaunen, die sich nicht nur in Dunedin auftürmten, sondern auch in Picton. Dort warteten sie auf ihren Abtransport nach China. Um 21 Uhr legten wir in Picton ab. Die folgenden gut 30 Seemeilen nach Wellington wurden das, was ich befürchtet hatte – sie waren zum Kotzen! Am nächsten Morgen weckte uns der Kapitän mit dem Hinweis, dass uns der Wind in der Nacht zeitweise so stark Richtung Ufer gedrückt hatte, dass er deshalb kurz davor war, Alarm auszulösen. Er hatte es nicht getan, weil er niemanden wecken wollte. So viel Rücksicht wäre allerdings nicht nötig gewesen, denn tief und fest geschlafen hat ohnehin niemand an Bord in dieser Nacht.

Dass Windy Wellington seinen Namen zu Recht trägt, bezweifelte nun niemand mehr. Die Stadt an sich ist eigentlich schön. In einer Bucht gelegen, von steilen Hängen umgeben, auf die eine Standseilbahn führt. Ein charakteristisches Bild, eines das Wellington ausmacht, konnten wir jedoch nicht erkennen. Die Gebäude wirkten auf uns, als hätten die Stadtbauer und Architekten miteinander gerungen und am Ende einfach wild drauflos gebaut. Auch das Parlamentsgebäude, das aussieht wie ein Bienenstock, zog uns nicht in seinen Bann. Wären nicht die so netten und freundlichen Neuseeländer, müsste man diesen Ort nicht zwingend besuchen.

Dabei war die Chance, dass Wellington uns begeistern würde, ausgesprochen groß. Nach einer gefühlten Ewigkeit in Regen und Dunkelheit kam erstmals wieder die Sonne hinter den Wolken hervor – wenn auch nur für wenige Minuten.

Trotzdem haben wir uns im „All Black Store“ ein schwarzes Fan-Shirt gekauft. Ohne ein solches Shirt darf kein Reisender Neuseeland verlassen – Ehrensache. Unsere Tochter begeisterte sich dagegen für einen Plüsch-Kiwi, der – und das war der entscheidende Grund für den Kauf – den traditionellen All Blacks Haka, den Kriegstanz der Maori, singen konnte. Ein Name für das possierliche Tierchen war schnell gefunden: Haka.

Mit Haka auf dem Arm schlenderte sie über das Boot, neckisch grinsend. Denn auf dem Boot waren auch viele Australier. Nun muss man wissen, dass sich die Australier und Neuseeländer im Sport genauso lieben wie die Niederländer und wir Deutschen. Das Schiffspersonal, überwiegend indonesisch-philippinischer Herkunft, freute sich über eine derart offen zur Schau gestellte Fanfreundschaft zwischen Haka und unserer Tochter. Die Australier machten gute Miene zum bösen Spiel. Sie dachten vermutlich, dass das kleine Mädchen aus Europa sich der Tragweite des Haka nicht bewusst sei …

Wenn Sie da die Rechnung mal nicht ohne die kleine Wirtin gemacht hatten. Die hatte nämlich bereits am ersten Tag unserer Neuseelandreise mit ein paar Maori Freundschaft geschlossen und das Prinzip des aggressiven Zungerausstreckens schnell begriffen. In der Kabine übte sie regelmäßig Haka. Was an Professionalität fehlte, wurde durch viel Engagement wettgemacht. Beim Rugby waren wir eher Neuseeländer!

Mit der Rückkehr aufs Schiff, kehrten auch die schlechten Wetternachrichten zurück. Napiers war der nächste Stopp, eine Stadt an der Ostküste der Nordinseln, die 1931 von einem so verheerenden Erdbeben heimgesucht worden war, dass man sie komplett neu aufbauen musste. So schlimm das Unglück damals war, der Wiederaufbau wurde im zu der Zeit top modernen Art Deco Stil vollzogen. Jeder, der schon mal in Miami Beach war, wusste, auf was wir uns da freuten.

Die Ansprache des Kapitäns ließ dann aber keinen Zweifel zu: Der Besuch fiel aus, weil es bei den aktuellen Windbedingungen nicht möglich war, in den Hafen einzufahren. Wieder ein Tag auf tosender See und weitere Reisehöhepunkte ersatzlos gestrichen. Die Stimmung bei Familie Vorndran war schon besser. Immerhin sollte am nächsten Etappenziel, Tauranga, 48 Stunden später die Sonne scheinen. Keine Probleme, den Hafen anzufahren. Das war auch wichtig, denn unsere Windelbestände waren beinahe aufgebraucht.

Offensichtlich hatte unser Kapitän inzwischen das Vertrauen in die neuseeländischen Wettermänner verloren, denn er zitierte die altbekannten Weisheit, dass Meteorologen wohl der einzige Berufsstand seien, der ständig Fehlprognosen machen könne, ohne dafür gefeuert zu werden. Offensichtlich verfügte der Kapitän nicht über allzu große Kapitalmarkterfahrung. Andernfalls wäre ihm sicher noch eine weitere Berufsgruppe eingefallen…

Mit Tauranga kam das Traumwetter. Tolle Einfahrt in den Hafen, fast zu schön, um wahr zu sein, dachten wir. Würde es der Wettergott an den verbleibenden Tagen unserer Neuseelandreise doch noch gut mit uns meinen?

Tat er nicht. Über Neukaledonien hatte sich in den vergangenen Tagen ein Zyklon namens Hola gebildet, und der raste mit zunehmender Geschwindigkeit direkt auf uns zu. Der Kapitän hatte bereits die ganze Nacht mit dem Wetterlagezentrum in Auckland konferiert und entschieden, dass wir nicht mehr nach Auckland fahren würden, sondern am Nachmittag in  Richtung Süden auslaufen und dann über Napier und durch die Cookstraße innerhalb von vier Tagen, also mit Höchstgeschwindigkeit, zurück nach Sydney dampfen würden.

Die Stimmung war am Boden. Ich hatte mich sehr auf das Wiedersehen mit Auckland gefreut. Da half auch die Nachricht wenig, dass wir am nächsten Tag doch noch nach Napier kommen würden. Zumindest durften wir Tauranga und Napier, ihre wunderbaren Strände, die freundlichen Menschen, die coole Architektur und das Surfer-Feeling bei Sonne genießen, also endlich auch etwas Strandluft schnuppern. Trösten konnte uns das nicht.

Für mich war es glücklicherweise nicht der erste Neuseelandbesuch. Für den Rest der Familie dagegen schon – es wird vermutlich aber nicht der letzte bleiben, denn ein solches Wetter-Desaster und die damit verbundenen Eindrücke von Neuseeland dürfen so nicht stehen bleiben.

Pünktlich zum Anlegemanöver in Sydney kam die Sonne wieder zum Vorschein. Wir freuten uns, zurück zu sein.

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