Das erste Quartal begann für den MSCI Emerging Markets vielversprechend. Trotz des Krieges im Iran schloss der Index das Quartal im Plus. Warum Portfoliomanager Michael Altintzoglou dennoch warnt.
Herr Altintzoglou, das erste Quartal war an den Aktienmärkten der Emerging Markets zunächst von einem Aufschwung geprägt. Dann folgte innerhalb weniger Wochen ein starker Abverkauf. Was steckte dahinter?
Michael Altintzoglou: Im Januar und Februar trieben Themen wie ein schwächerer US-Dollar, der globale KI-Boom und Umschichtungen aus höher bewerteten US-Megacaps in attraktiver gepreiste Technologieaktien aus den Emerging Markets viele Aktienkurse nach oben. Danach dominierte der Iran-Konflikt, durch den der Ölpreis bis zum Ende des Quartals zeitweise auf mehr als 100 US-Dollar stieg.
Von den beiden Trends waren aber unterschiedliche Volkswirtschaften betroffen, oder?
Naja, als Ölimporteure litten vor allem große asiatische Volkswirtschaften wie Indien, Südkorea und Taiwan unter dem hohen Ölpreis. Doch die geopolitische Unsicherheit führte insgesamt zu einer zunehmenden Risikoaversion und Kapitalbewegungen in sichere Anlagen. Auch in China gab der Aktienmarkt, der sich zuvor robust entwickelt hatte, ab Ende Februar nach.
Und wie erging es den großen Chipherstellern, die ja schon zuvor im Zuge des KI-Booms gestiegen waren?
Wie gesagt, zusätzlich zur stärkeren Chipnachfrage schichteten in den ersten beiden Monaten internationale Anleger von US-Megacaps in Werte aus den Emerging Markets um. Beides hat in Südkorea und Taiwan zunächst für eine Rally gesorgt. Doch Anfang März verzeichnete der koreanische Markt einen zweistelligen Kurseinbruch, erholte sich aber anschließend rasch. Der taiwanesische Markt verkraftetet den Einbruch durch den Irankrieg etwas besser. Doch beide Märkte sind sehr stark vom Halbleitersektor abhängig.
Immerhin ist die taiwanesische TSMC ja auch der größte Chiphersteller der Welt. Und die Hochleistungschips der koreanischen Samsung sind so gefragt, dass die Produktion kaum nachkommt.
Ja, und das ist gut für die Preissetzungsmacht dieser Unternehmen, die auch bei uns in Portfolios liegen. Doch wer beispielsweise auf den Aktienindex MSCI Emerging Markets setzt, der die Wertentwicklung von mehr als 1.200 Aktien aus 24 Ländern spiegeln soll, erhält derzeit zu knapp zwei Drittel Aktien aus den drei Ländern China, Taiwan und Südkorea – wobei hier Chiphersteller dominieren. So ist der Anteil von TSMC, Samsung Electronics und Hynix von Anfang 2025 bis heute von insgesamt etwa zehn Prozent auf 25 Prozent gestiegen. Wir halten das für ein bedeutendes Klumpenrisiko, das wir nicht mitgehen wollen – auch wenn dadurch unsere Wertentwicklung kurzfristig deutlich schlechter aussieht.
Sie sind aber auch in diese Hightech-Aktien investiert?
Ja, auch wir erachten TSMC oder Samsung Electronics als Qualitätsunternehmen und so zählten auch bei uns im ersten Quartal Aktien aus der Halbleiterindustrie zu den größten Werttreibern. Doch das Fondsportfolio ist in Südkorea und Taiwan - und damit auch im Halbleitersektor - deutlich weniger engagiert als der Referenzindex. Wir wollen diversifiziert über mehrere Länder und Branchen bleiben. Denn ein Markteinbruch kommt immer überraschend.
Haben Sie denn schon Anteile an Samsung und TSMC verkauft?
Durchaus, denn es sind erfolgreiche Investments. Und nach Kursgewinnen trennen wir uns immer wieder von Anteilen, damit die Positionen im Portfolio nicht zu groß werden. Im Referenzindex passiert das nicht. Mit zunehmendem Erfolg wird daher eine Position immer größer. So sind derzeit mehr als 15 Prozent in der taiwanesischen TSMC investiert – und damit mehr als einem aktiven Portfoliomanager überhaupt bei einem Einzeltitel erlaubt sind. Die Fundamentaldaten der taiwanesischen und südkoreanischen Chipindustrie sehen zwar weiter vielversprechend aus. Allerdings haben auch die Risiken einer abrupten Abschwächung zugenommen. Das Bewertungsniveau ist stark angestiegen, was jederzeit zu einer scharfen Korrektur am Aktienmarkt führen könnte.
Wenn Sie bei den Erfolgsaktien so kritisch sind, wo engagieren Sie sich stärker?
Wir sind beispielsweise deutlich mehr an indischen Unternehmen beteiligt als unser Referenzindex. Allerdings ging es hier im vergangenen Quartal stark abwärts, obwohl Indien einen weiteren US-Strafzoll abwenden konnte und seinen US-Zolltarif immerhin von 25 auf 18 Prozent gesunken ist. Auch fiskalische Impulse waren positiv. Doch der Irankrieg und der hohe Ölpreis negativ. Die Verflechtungen des Landes zum Nahen Osten sind nicht zu unterschätzen. Zudem wird die starke IT-Dienstleistungsindustrie aktuell von den Finanzmärkten als KI-Verlierer eingestuft, obwohl es aus unserer Sicht gute Gründe für eine gegenteilige Einschätzung gibt.
Langfristig – und sollte der Konflikt wieder enden – sind Sie also für Indien positiv?
Ja, die langfristigen Wachstumstreiber für die Wirtschaft und den Aktienmarkt bleiben unseres Erachtens intakt. Und nach dieser Konsolidierungsphase ist das Bewertungsniveau aus unserer Sicht noch attraktiver geworden.
Und was ist mit China?
Hier ging es an der Börse bis zum Irankrieg robust nach oben. Der Konsumentenpreisindex ist zuletzt erstmals nach drei Jahren wieder über die Marke von einem Prozent gestiegen, auch wenn sich das deflationäre Bild der letzten Jahre noch nicht gewendet hat. Zudem bleibt der Immobilienmarkt bleibt schwach. Dennoch haben große institutionelle Investoren wie Lebensversicherungen ihre Aktienquoten zuletzt aufgestockt. China ist in vielen Industriezweigen international sehr wettbewerbsfähig geworden. Auch im Bereich KI spielt China in der ersten Liga. Mehrere unserer Portfoliounternehmen sind gut aufgestellt, um von diesen Entwicklungen zu profitieren.
Herr Altintzoglou, vielen Dank für das Gespräch.
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