11.10.2021 - Tobias Schafföner

Das „Angstwort“


Das „Angstwort“
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Die Inflation ist zuletzt weiter gestiegen. Die Sorgen der Anleger wachsen – nicht zuletzt wegen der prägenden Erinnerungen an die 1970er-Jahre.

Die Pandemie und ihre Folgen beschäftigen die Weltwirtschaft – weiterhin. Die globalen Lieferketten sind teilweise unterbrochen, immer noch, Produzenten- und Rohstoffpreise steigen. Überraschend kommt das nicht, es war bereits zu Jahresanfang absehbar, der Pandemie geschuldet.

Überraschend ist jedoch das Ausmaß des Preisanstiegs. Hinzu kommt die Erkenntnis, dass der Inflationstrend nachhaltiger sein könnte als bislang angenommen; also die Güterpreisteuerung dauerhaft deutlich über der in den vergangenen Jahren liegen könnte – bei schwach wachsender, möglicherweise stagnierender Weltwirtschaft. „Stagflation“ heißt der Fachbegriff, der viele Anleger in diesen Tagen ängstigt.

Erinnerungen an den Ölpreisschock

Erinnerungen an die 1970er-Jahre werden deshalb wach, als die Inflationsraten zweistellige Niveaus erreichten, allen voran in den USA. Wie damals (Ölpreisschock) wurde die Weltwirtschaft 2020 (Covid-19) überraschend hart von „außen“ getroffen, ein exogener Schock. Zu Beginn der 1980er-Jahre hob Paul Volcker, Präsident der US-Notenbank Federal Reserve, den Leitzins schrittweise deutlich an, zeitweise auf 20 Prozent, um so die Inflation zu bekämpfen und den Geldwert zu schützen. Aber was bedeutet das für die Zukunft?

Mark Twain hat einmal gesagt, dass sich Geschichte zwar nicht wiederhole, aber reime; man könnte es auch umgekehrt formulieren: Sie reimt sich, aber wiederholt sich nicht.

Wir gehen nicht davon aus, dass die Inflationsraten ein ähnliches Niveau wie in den 1970er-Jahren erreichen. Dennoch machen ein, zwei oder drei Prozentpunkte mehr Inflation einen gewaltigen Unterschied aus in einer Welt historisch niedriger Zinsen. Zumal wir uns in den vergangenen Jahren an Inflationsraten um die ein Prozent gewöhnt haben.

Jetzt sind die Güterpreise dran

Dass die Teuerungsraten in den kommenden Jahren über den zwei Prozent liegen werden, die die Europäische Zentralbank (EZB) als Stabilitätsziel definiert hat, ist unseres Erachtens sehr wahrscheinlich.

Seit Ausbruch der Finanzkrise 2007/08 sind die Notenbanken in permanentem Rettungsmodus, ihre Geldpolitik ist beispiellos locker. Das von ihnen geschaffene „Rettungsgeld“ hat bisher vor allem die Vermögenspreise inflationiert – Anleihen, Aktien, Immobilien, Oldtimer, Kunst – , weniger die Güterpreise. Letzteres holt die Corona-Pandemie nun nach, als Katalysator gewissermaßen. Das Geld, das die Regierungen als Corona-Hilfen verteilen, kommt in der Realwirtschaft an – und treibt die Güterpreise.

Anders als in den 1970er-Jahren sind aber die Möglichkeiten der Notenbanken begrenzt. Es braucht niedrige Zinsen, um die horrende Verschuldung weltweit dauerhaft finanzieren zu können. Andersherum: Eine allzu deutliche Zinsanpassung hätte massive Auswirkungen. Zahlreiche Staaten, Unternehmen, Banken stünden vor der Pleite, die Stabilität des Finanzsystems in Frage. Die Anpassungsversuche der Notenbanken dürften deshalb nicht allzu radikal ausfallen. Homöopathie statt Schulmedizin.

Insofern kann die steigende Inflation zwar temporär für Unsicherheit an den Kapitalmärkten sorgen – das langfristige Bild hat sich aber nicht geändert: Ein Inflationsausgleich wird sich mit „risikolosen“ Zinsen nicht mehr erwirtschaften lassen. Für den realen Kaufkrafterhalt braucht es erstklassige Sachwerte – wenn Anleger bereit sind, die damit verbundenen Preisschwankungen zu akzeptieren.

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