Die Chi­ne­sen er­obern die Welt

28.02.2018 - Philipp Vorndran

GESELLSCHAFT


Singapur, der nächste Stopp unserer Tour, ist zweifellos eine Reise wert. Aber nicht immer, wie wir erfahren mussten. Manchmal ist es vermutlich besser, später noch einmal wieder zu kommen.

Bereits in Dubai hatten wir viele chinesische Besucher getroffen. Dass es in Singapur noch mehr werden würden, hatten wir vermutet – schließlich war Neujahrfest, das Jahr des Hundes. Mehrere Arbeitskollegen hatten mich gewarnt, dass es zu dieser Zeit deutlich voller werden würde in Singapur. Aber so voll? Das hatten wir nicht erwartet!  

Ich wollte es dann genauer wissen, habe die offiziellen Statistiken der Touristikbehörde durchgeblättert – und siehe da, die Zahlen sprechen für sich: Während 2007 „nur“ 1,1 Millionen Chinesen nach Singapur gereist sind, was in etwa der Zahl der Besucher aus Kontinentaleuropa entspricht, waren es 2012 schon zwei Millionen und 2017 sogar 3,2 Millionen. Was für eine Entwicklung!

Die Chinesen sind nicht allein. Auch die Zahl der Besucher aus Indien wächst rasant: Zwischen 2007 und 2017 hat sich deren Zahl auf 1,3 Millionen glatt verdoppelt.

An vielen Orten war ich froh, meine paar Brocken chinesisch einsetzen zu können – Englisch hat uns jedenfalls nicht überall weitergeholfen. Am extremsten war die Situation in einem Einkaufszentrum namens T Galleria, in dem es die begehrten Luxusmarken aus Ost und West „tax free“ gibt. Im Zweiminutentakt ergossen sich Busladungen mit chinesischen Touristen vor dessen Eingang. Als „Westler“ waren wir dort definitiv deplatziert.

Kaffeefahrt auf Chinesisch. Ein Geschäftsmodell, das offensichtlich in ganz Asien und Ozeanien floriert. Die chinesischen Einkaufsberaterinnen in Frankfurt sind dagegen nur kleine Fische.

Zu viele Touristen sind nicht nur Segen, sondern können langfristig meiner Meinung nach auch Fluch für einen Ort wie Singapur werden. Ein Ort, der Gefahr läuft, sich angesichts des Touristenstroms nicht mehr stetig weiter zu entwickeln. Singapur war für uns, was den Tourismus betrifft, stets Inbegriff für extrem hohe Qualität und Innovation. Subjektiv wahrgenommen fällt Singapur hier leicht zurück. Die eine oder andere Renovierung wird aufgeschoben, frei nach dem Motto, das Zimmer verkauft sich auch so.

Zwar gehören nach wie vor viele Unterkünfte – gemessen an der Servicequalität – zur absoluten Spitze. Viele Zimmer sind aber nicht mehr State of the Art. Vor allem dann nicht, wenn man kurz zuvor in Dubai war und in den vergangenen Jahren viel gereist ist in China. Natürlich gibt es auch Leuchtturmobjekte, rund um Marina Bay beispielsweise. Doch auch die Tatsache, dass mitten in der Stadt Teile der Formel-1-Rennstrecke über das Jahr einfach ungenutzt rumstehen, wirkte auf mich befremdlich - wenn ich bedenke, wie schnell in Monaco nach dem Grand Prix nichts mehr davon zu sehen ist.

Genug genörgelt, zumal auf extrem hohem Niveau – nirgendwo auf der Welt fühlen sich Besucher von frühmorgens bis spät in die Nacht so sicher wie in Singapur. Nirgendwo fahren die Autofahrer vorsichtiger. Vermutlich verfehlen die hohen Strafen (nicht nur beim Autofahren) ihre Wirkung nicht. Auch wir haben an jeder Straßenecke genau überlegt, ob wir die Straße jetzt hier oder besser erst bei der nächsten Ampel überqueren sollten.

Chilli Crab in Singapur ist genauso ein Muss wie der Besuch eines der Hawker Markets. „Lau Pa Sat“ & Co. bieten für ein paar Singapur-Dollar alles, was das kulinarische Herz begehrt. Für uns ist es vor allem Spaß und eine gute Möglichkeit, Kontakt zu Einheimischen zu bekommen. Anders als in den teuren Luxusrestaurants. Shoppen an der Orchard Road ist „cool“, aber nicht wegen irgendwelcher Schnäppchen, sondern weil die Klimaanlagen dort die Temperaturen gnadenlos herrunterkühlen. Die Auswahl ist gigantisch, aber das haben wir auch zu Hause.

Ach ja, fast vergessen, wirklich beeindruckend waren viele der großen Wohnhochhäuser. Nicht allein wegen ihrer Höhe, sondern vor allem wegen der „luftigen“ Bauart und den vielen grünen Elementen. Hier ein Baum, dort ein Pflanzenmeer. Solche Wohnhochhäuser würde ich mir auch in Deutschland gefallen lassen. Vielleicht könnten sie die Wohnungsnot in den Städten lindern.

Fazit: Singapur bleibt eine sichere Wette für einen Stopp von zwei bis vier Tagen. Viel Neues gab es im Vergleich zu meinem Besuch vor fünf Jahren jedoch nicht. Sicher, grün, teuer und zunehmend überlaufen. Die Klimaanlagen in Hotels, Shopping-Zentren und U-Bahnen sind für Besucher aus Deutschland fast gesundheitsgefährdend. Wir kommen trotzdem wieder, aber nicht zu Neujahr und wohl erst in zehn Jahren.

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