23.08.2019 - Flossbach von Storch

Die Gewinner (und Verlierer) des Zinstiefs


Die Zinsen sind seit vielen Jahren bei null Prozent. Unseres Erachtens dürfte sich das auf Sicht kaum ändern. Das hat Auswirkungen auf den Wohlstand vieler Bürger.

Die europäische Zentralbank (EZB) steckt in einem Dilemma. Die Verbraucherpreise wollen einfach nicht mehr steigen. Trotz jahrelanger Null- und Minuszinsen liegt die Inflation weit unterhalb der (selbst gesteckten) Zielmarke von „unter aber nahe zwei Prozent“. In Deutschland stiegen die Preise für Energie, Essen und Wohnen im zweiten Quartal nur um 1,6 Prozent zum Vorjahresquartal. Nach der nächsten EZB-Sitzung im September könnte die Geldpolitik auch deshalb noch expansiver werden.

Vermögenspreise steigen weiter

Wer nun meint, die Politik billigen Geldes hätte keine Auswirkungen, der irrt. Diese zeigen sich in der „versteckten“ Inflation der Vermögenspreise. Zum Ende des zweiten Quartals fällt sie mit einem Plus von 2,7 Prozent zwar bedeutend niedriger als in den vergangenen Jahren aus, liegt aber weiterhin sehr deutlich oberhalb der Verbraucherpreisinflation. Vor allem die Preise für Immobilien, Aktien und Betriebsvermögen sind in den vergangenen Jahren massiv angestiegen. Das zeigt der aktuelle Vermögenspreisindex des Flossbach von Storch Research Institute.

 

Welchen Effekt die rasante Steigerung der Vermögenspreise (bei moderater Inflation in Zeiten ohne Zinsen) für die Bürger hat, zeigt folgendes Rechenbeispiel:

  • Wer beispielsweise Anfang 2015 einen Euro zur Vermögensbildung beiseitelegte, kann sich Ende des zweiten Quartals 2019 damit Konsumgüter im Wert von 1,15 Euro kaufen.
  • Wer dagegen einen Euro auf ein zinsloses Girokonto einzahlte oder in bar aufbewahrte, konnte sich dafür nur noch Konsumgüter im Wert von 94 Cent kaufen.
  • Wer im gleichen Zeitraum einen Verdienst erhielt, dessen Wachstum dem des nominalen Bruttoinlandsprodukts entspricht, kann sich nach der gleichen Rechnung nun Konsumgüter in Höhe von 1,08 Euro leisten.

 

Kaufkraft der Vermögenden steigt schneller

Im Vergleich ist die Kaufkraft des Vermögensinhabers bedeutend höher als die der beiden anderen Gruppen angestiegen. Mit Blick auf die gesellschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt sich: Die Kaufkraft der Vermögenden, die investiert waren, ist deutlich schneller gestiegen als die der Personen, die lediglich ein Einkommen beziehen (das im Gleichschritt mit dem Bruttoinlandsprodukt steigt) – oder ihr Geld ausschließlich auf zinslosen Konten liegen lassen (und das durch steigende Verbraucherpreise an Wert verliert).

„Die Ursache für diese Entwicklung ist schnell gefunden“, sagt Philipp Immenkötter, Analyst beim Flossbach von Storch Research Institute. „Der überproportionale Anstieg der Kaufkraft von Vermögenswerten spiegelt den Verfall der Zinsen in den vergangenen Jahren wider“. Fallende Zinsen sind der Haupttreiber für steigende Vermögenspreise.

 

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