01.09.2020 - Bert Flossbach

Ohne Sachwerte geht es nicht


Ohne Sachwerte geht es nicht

Die Kosten zur Bekämpfung der Corona-Krise lassen die Staatsschulden steigen – weltweit. Für Anleger bedeutet das: An Sachwerten führt kein Weg vorbei. Warum das so ist.

Viele Anleger werden in den kommenden Jahren auf laufende Erträge angewiesen sein, um ihr Vermögen vor der Inflation zu bewahren – und deshalb sind Aktien als Anlageklasse unseres Erachtens alternativlos. Die zinslose Anlage auf dem Konto oder im Geldmarktfonds ist auf Dauer einfach zu „riskant“. Aktien zukunftsträchtiger Unternehmen mit soliden Bilanzen, einem gesunden Geschäftsmodell und zuverlässigem Management gehören in ein breit aufgestelltes Depot, das Werterhalt und langfristiges Wachstum kombinieren soll.

Sachwerte als Fluchtpunkt vor der Inflation

Sollte sich die Corona-Krise weiter verschärfen, würde das die Attraktivität solcher Aktien weiter erhöhen, weil weitere, von den Notenbanken finanzierte Hilfspakete geschnürt werden müssten. Falls durch die Geldflut irgendwann doch die Inflation geweckt wird, käme die Flucht in Sachwerte noch als zusätzliches Anlagemotiv hinzu.

Letztlich könnte dieses Motiv sogar das wichtigere sein, denn ohne Inflation werden die gewaltigen Schuldenberge nicht abgebaut werden können. Die Kombination aus hoher Inflation und künstlich tiefen Zinsen wäre zwar ein Traumszenario für Qualitätsaktien, aber eines mit bitterem Beigeschmack, denn viele Menschen, die ihr Geld vorzugsweise auf Bankkonten und Sparbüchern haben, würden Schritt für Schritt enteignet.

Gold als liquider Sachwert

Auch Gold würde als liquider Sachwert von höheren Inflationsraten profitieren. Im ersten Halbjahr haben Gold-ETFs nach Angaben des World Gold Council 734 Tonnen Gold gekauft, mehr als im gesamten bisherigen Rekordjahr 2009. Das spiegelt die stetig steigende Investorennachfrage wider. Sie hat weniger mit der Corona-Krise an sich, als vielmehr mit ihren Folgen zu tun.

Der extreme Anstieg der Staatsverschuldung, das Dauertiefzinsumfeld und die Sorge vor Inflation machen Gold als „sicheren Hafen“ für viele Anleger attraktiv. Bemerkenswert, aber nicht verwunderlich ist, dass die Bestände der Gold-ETFs in den USA besonders stark gestiegen sind. Rekordtiefe US-Zinsen und eine rekordhohe Staatsverschuldung haben nicht nur Privatanleger, sondern auch institutionelle Investoren dazu bewogen, ihre Investment-Goldbestände – trotz der jüngsten Rally am Aktienmarkt – aufzustocken.

Wir betrachten Gold als Schutz gegen Inflation und mögliche Krisen des Finanzsystems. Wir sind froh, eine solche Versicherung zu haben. Noch lieber wäre uns, wir müssten sie nicht in Anspruch nehmen.

 

Dieser Artikel ist in einer langen Fassung in der aktuellen Ausgabe von „Position“, dem Magazin von Flossbach von Storch, erschienen. Sichern Sie sich hier Ihr kostenloses Abonnement.

 

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