17.09.2018 - Kurt von Storch

Was Börsenweisheiten taugen


Kurt von Storch

Börsenweisheiten sind beliebt. Sie lassen die komplexe Finanzwelt etwas weniger komplex erscheinen. Aber sollten sich Anleger tatsächlich daran orientieren? Ein Beispiel.

Es gibt bestimmte Sätze, die dürfte jeder Anleger irgendwann einmal gehört oder gelesen haben. Dieser zählt vermutlich dazu: “Sell in May and go away – but remember to come back in September”. Verkaufe im Mai, aber vergiss nicht, im September wieder einzusteigen, frei übersetzt. Das klingt griffig und irgendwie schlüssig. Zwischen Mai und September ist schließlich Sommer, will heißen: Es ist wenig los an den Börsen. Diejenigen, die kaufen könnten, sind weit weg, im Urlaub, irgendwo am Strand. Und wenn keine Käufer da sind, steigen auch die Kurse nicht. Soweit, so einfach. Der September ist da …

Ist es sinnvoll, nach Kalender zu investieren?

Aber ist es tatsächlich sinnvoll, nach Kalender zu investieren, sich also an dieses vermeintlich verlässliche Muster zu halten – im Mai raus und im September wieder rein? Um sich dann auf die „Jahresendrally“ vorzubereiten, die, so werden es in einigen Wochen die Börsenkommentatoren mit ziemlicher Sicherheit schreiben, auch in diesem Jahr kommen wird?

Meine Kollegen des Flossbach von Storch Research Institute haben sich all dieser Fragen angenommen und in einer Studie untersucht, was es mit den sogenannten Saisonalitäten am Aktienmarkt auf sich hat. Um herauszufinden, ob es sich tatsächlich lohnt, darauf zu vertrauen. Dabei haben sie sich die tägliche Kursentwicklung aller börsennotierten Unternehmen in den G7-Staaten über einen Zeitraum von insgesamt mehr als 40 Jahren angeschaut – von 1973 bis 2016.

Saisonale Muster funktionieren nicht

Das Ergebnis ihrer Untersuchungen, zugegeben sehr stark vereinfacht und verkürzt zusammengefasst, lautet: Ja, Anleger waren meist gut beraten, sich an Mai und September oder der obligatorischen Jahresendrally zu orientieren. Die Betonung liegt aber auf dem Wort „waren“. Denn die Zeiten haben sich geändert. Saisonale Muster funktionieren im Zeitverlauf immer weniger. Heute meist gar nicht mehr, wie die Ergebnisse der Studie zeigen.

„Informationseffizienz“ heißt der etwas sperrige Begriff, der diese Entwicklung, sozusagen den Tod der Börsenjahreszeiten, erklären soll. Er bedeutet nichts anderes als dass die für die Kursentwicklung relevanten Informationen heutzutage einer immer größeren Zahl von Anlegern bekannt sind. Dem Internet und der Geschwindigkeit, mit der sich Nachrichten rund um den Globus verbreiten, sei Dank. Denn wenn alle wissen, wann sich die Kurse in welche Richtung entwickeln (aus welchen Gründen auch immer) und dann auch entsprechend handeln, würde der Trend alsbald ins Gegenteil verkehrt.

Irgendwann kehrt sich der Trend um

Nehmen wir an, im September gehen weltweit die Anleger auf Einkaufstour, wohl wissend, dass die kommenden Monate sehr ertragreiche werden. Jeder zusätzliche Käufer treibt den Kurs, der schlussendlich nichts anderes ist als das Ergebnis aus Angebot und Nachfrage, in die Höhe. Zur Freude derer, die bereits gekauft haben. Umgekehrt wird es also immer interessanter, genau das Gegenteil zu tun, nämlich zu verkaufen statt zu kaufen. Gewinne mitzunehmen. Der September-Effekt verpufft – oder kehrt sich um. „Sell in September“ könnte es dann bald heißen. Und so weiter. Das Gedankenspiel ließe sich endlos fortsetzen.

Beschäftigen Sie sich deshalb nicht zu viel mit Börsenweisheiten und vermeintlich guten Börsenmonaten. Wenn Sie darüber lesen, und das werden sie gewiss immer wieder, ordnen sie es richtig ein. Ein wenig Börsenfolklore, mehr nicht. Beschäftigen Sie sich lieber mit Aktien sehr guter Unternehmen. Unternehmen, die über ein erprobtes Geschäftsmodell verfügen, robust wachsen, wenig verschuldet und global aufgestellt sind.

Qualitätstitel helfen ihnen

Genau diese Qualitätstitel können ihnen helfen, über einen längeren Zeitraum attraktive Renditen zu erwirtschaften und so die Kaufkraft ihres Geldes zu erhalten. Unabhängig davon, ob sie die Aktien im Frühling, Sommer, Herbst oder Winter kaufen.

 

Dieser Beitrag ist als Kolumne in der Rheinischen Post erschienen.

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