29.11.2018 - Philipp Vorndran

Was kommt nach dem Sägezahnmarkt?


Philipp Vorndran

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Und so sicher wie das Weihnachtsgebäck schon Ende August im Supermarktregal liegt, so sicher erreicht mich ab Ende August die Frage nach der Jahresendrally.

Je näher das Jahresende rückt, desto dringlicher wird die Frage gestellt. Und desto eher finden sich einschlägig bekannte Experten, die – gerne vor laufender Kamera und eingeschaltetem Mikrofon – eine schlaue Antwort liefern. Da mache ich nicht mit. Denn die Frage ist falsch. Jeder der sie stellt, und jeder, der sie beantwortet, dokumentiert damit letztlich nur, dass er das Wesen langfristiger Geldanlage nicht verstanden hat.

Sägezahnmarkt prägt 2018

Es gibt viel interessantere Fragen: Zum Beispiel die, was nach dem Sägezahnmarkt kommt. Langfristig, nicht nächste Woche. Der Sägezahnmarkt hat uns in diesem Jahr mehrfach beschäftigt – mit einer Konsolidierung der Märkte nach einem langen Kursanstieg. Mit der Rückkehr der Volatilität. Mit einer Normalisierung der Marktbewegungen. All das ist typisch für einen Markt, der einen starken Anstieg auch irgendwann verarbeiten muss. Und genau das hat er 2018 getan. Viele Anleger macht das nervös.

Niedrigere Aktienquote Zeichen für den Crash?

Ein Blick auf den FvS Investor Sentiment Index von Flossbach von Storch zeigt diese zunehmende Nervosität: Bis Ende November sank die durchschnittliche Aktienquote auf 56,8 Prozent. Von 58,5 Prozent im Oktober. Das ist der tiefste Stand seit Februar 2017. Und blickt man in die USA, dann scheint auch dort das Lager der Börsen-„Bären“ zu wachsen mit Blick auf die sinkende Aktienquote. Beides Zeichen, dass der Crash vor der Türe steht?

Vorsicht vor falschen Interpretationen

Bei dieser Interpretation ist unseres Erachtens große Vorsicht geboten: Die Investor-Sentiment-Umfrage der American Association of Individual Investors (AAII) unter US-Anlegern erzählt eine andere Story als die der „sinkenden“ Aktienquote: Im 67. Monat in Folge liegt die durchschnittliche Aktienquote der US-Anleger mit aktuell ca. 70 Prozent über dem langfristigen Durchschnitt von rund 61 Prozent. Wir halten fest: Die US-Anleger werden skeptischer, aber deren Aktienquoten bleiben hoch.

Aktieninvestments haben strategische Funktion

Warum? Die Antwort für die Gegenwart liefert ein Blick auf die Finanzmärkte von vor zehn Jahren: Damals konnten Portfoliomanager bei Marktbewegungen schnell wechseln zwischen Aktien, Anleihen sowie Cash und damit eine auskömmliche Gesamtrendite erwirtschaften. Aber heute? Angesichts niedriger Zinsen ist eine auskömmliche Rendite, die als Ersatz für Aktienerträge dienen kann, mit einem klassischen Staatsanleihen-Portfolio nicht mehr ohne weiteres erzielbar. Heute haben Aktieninvestments eine wesentlich wichtigere strategische Funktion im Portfolio als damals. Gerade weil sich heute oft keine adäquate Alternative auf dem Anleihenmarkt mehr finden lässt.

Langfristig denken statt auf Jahresendrally zu spekulieren

Kommen wir noch einmal auf die Jahresendrally zu sprechen: Viel wichtiger als die Frage nach Jahresendrallys ist die nach den langfristigen Entwicklungen. Und denen dürften China, die USA und Europa ihren Stempel aufdrücken: Wer wird in 10 bis 15 Jahren die wichtigste Weltmacht sein? Die USA unter Donald Trump reklamieren den Führungsanspruch – America first – für sich. Und vielleicht haben sie angesichts der Konjunkturschwäche in China aktuell tatsächlich die Chance, diese Rolle zu behaupten. Aber gelingt ihnen das auch langfristig? Fragezeichen sind zumindest erlaubt. Und wo steht Europa in diesem Zusammenhang? Eine unseres Erachtens in Teilen dysfunktionale Europäische Union ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass sie zwischen den USA und China eine Vermittlerrolle spielen könnte. Und so ihre eigene Stellung nicht festigen kann.

Wo gibt es in Zukunft Qualität zum vernünftigen Preis?

Wenn wir das Thema herunterbrechen, steht für Investoren am Ende die Frage, wo sie in Zukunft Qualität zum vernünftigen Preis einkaufen können. Wird das in den USA sein? Wird es in China sein? Oder in Europa? Die Beantwortung dieser Frage dürfte wichtiger sein, als die Beantwortung der Frage, ob wir eine Jahresendrally 2018 sehen werden.

Vergessen Sie Prognosen – kaufen Sie Weihnachtsgebäck!

Ich kann mich gut daran erinnern, wie Ende 2017 zahlreiche Finanzmarktexperten vorhersagten, dass 2018 das „Jahr für Europa“ werden würde, die europäischen Börsen hätten gigantisches Entwicklungspotenzial. Sie wissen es: Es ist anders gekommen. Brexit, Italien, deutsche Aktien als Optionsschein auf China sind hier die Stichworte. Interessant war auch, dass Ende 2017 nicht wenige mit der Krise in den USA rechneten. Doch die Geschichte entwickelte sich genau umgekehrt. Aber seien Sie sicher: Es wird auch in diesem Jahr einen Experten geben, der Auskunft geben kann, ob und wann die Jahresendrally kommt. Sie können ja solange Weihnachtsgebäck kaufen. Aber Obacht: Im Übermaß genossen ist es genau so unbekömmlich wie die ständige Frage nach der Jahresendrally. Ich weiß, wovon ich rede.

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