Wenn der Wert des Vermögens schwindet…

14.03.2018 – Thomas Lehr

MÄRKTE


Thomas Lehr

Den Deutschen droht ein gigantischer Vermögensverlust. Mehr als zwei Billionen Euro liegen auf weitgehend zinslosen Bankkonten – und werden von der Inflation entwertet. Wir sehen Handlungsbedarf.

Das Vermögen der meisten Sparer schwindet dahin. Von vielen unbemerkt, denn die Summe auf einem Bankkonto bleibt in Zeiten ohne Zinsen gleich. Dennoch stehen Sparer heute schlechter da als in den vergangenen Jahren. Sie können sich für Ihr Geld immer weniger leisten. Die Inflation in Deutschland zog zuletzt an. 2015 lag sie noch bei 0,3 Prozent. 2017 schon bei 1,8 Prozent.

Das bedeutet: Hundert Euro, die 2015 auf einem weitgehend zinslosen Konto vergessen wurden, haben heute nur noch einen Wert von etwas mehr als 97 Euro. Wenn sie noch bis zum Jahr 2030 liegen bleiben, würden sie fast ein Viertel an Kaufkraft verlieren.

Dieser reale Verlust des Vermögens trifft die Mehrzahl der Deutschen. Laut Bundesbank liegen 39 Prozent auf weitgehend zinslosen Bankkonten. Das sind rund 2,3 Billionen Euro. Doppelt so viel wie der Wert aller Aktien im deutschen Börsenindex Dax. Und fast die gleiche Summe liegt in „kapitalbildenden“ Versicherungen fest. Mehr als drei Viertel des Vermögens liegen also in „nominalen“ Zinsinvestments.

Arme Deutsche, reiche Italiener

Das Problem: Für einen langfristigen Kaufkrafterhalt sollte aus unserer Sicht zumindest ein Teil dieser gigantischen Summe in „Sachwerte“ wie etwa Aktien investiert sein. Wie in anderen Ländern auch. Laut „Allianz Global Wealth Report 2017“ beträgt das Geldvermögen eines Deutschen im Schnitt 49.760 Euro. Das sind knapp 5000 Euro weniger als im ökonomisch schwachen Italien – und nicht einmal ein Drittel des Vermögens eines Schweizers.

Nun könnte man meinen, dass die Zinsen bald wieder steigen könnten. Und auch wir halten Erhöhungen (in einem moderaten Maße) für durchaus realistisch. Eine Zinswende, die ihren Namen auch verdient, wird es unseres Erachtens aber nicht geben. Zumindest keine, die Zinsen auf dem Vorkrisenniveau von vier, fünf oder sechs Prozent bringt. Dann wären die in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Schulden der Staaten kaum finanzierbar.


  • Noch 1990 lag die Staatsverschuldung in Japan bei 66 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen notierten bei knapp sieben Prozent. Der japanische Staat zahlte in diesem Jahr mehr als 20 Billionen Yen für die Zinsen. Das ist weit mehr als heute. Im vergangenen Jahr wurden nur gut 12 Billionen Zinsen fällig. Und das, obwohl die Schuldenlast auf 240 Prozent des BIP explodierte. Die Bank of Japan (BoJ) sorgt für niedrige Zinsen, garantiert eine Rendite zehnjähriger Staatsanleihen von null Prozent. Nur weil die Notenbank die Zinsen deutlich unter den wirtschaftlichen Wachstumsraten hält, konnte die Staatsschuld in den vergangenen Jahren konstant gehalten werden.
  • Italien traf die Finanzkrise hart. Die Zinsen für Staatsanleihen stiegen stark an – während das Wirtschaftswachstum einbrach. Der Schuldenstand kletterte von 100 Prozent des BIP im Jahr 2007 auf zuletzt 133 Prozent. Nur weil die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen weit nach unten trieb, bleiben die Kredite finanzierbar. Zum Höhepunkt der Eurokrise im Jahr 2012 rentierten zehnjährige italienische Staatsanleihen noch bei mehr als sieben Prozent – mehr als doppelt so hoch wie heute. Ohne Eingriffe der EZB steht unseres Erachtens die europäische Währungsunion auf der Kippe.
  • Nicht nur die Staaten stehen in der Kreide. Auch Unternehmen finanzieren sich auf Kredit. Nach einer Studie der Auskunftei Creditreform würde jedes fünfte deutsche Unternehmen in die Insolvenz gehen, wenn die Zinsen um 1,5 Prozent steigen und die Gewinne um 20 Prozent einbrechen. Wir schieben eine Bugwelle von Pleiten vor uns her, weil viele Unternehmen nur deshalb überleben, weil ihre Kredite künstlich günstig gehalten werden. Solche „Zombie-Unternehmen“, die eigentlich aus dem Markt ausscheiden müssten, aber weiter existieren, erschweren eine Zinserhöhung. Würden sie aus dem Markt ausscheiden, steigt die Arbeitslosigkeit – mit negativen Auswirkungen auf Inflation, Wachstum und Staatseinnahmen. Kein Umfeld, das für deutlich steigende Zinsen sprechen würde.

Die Zeche dieser Geldpolitik zahlen die Sparer. Sie sind einer finanziellen Repression ausgesetzt, weil die Zinsen ihrer Sparkonten nicht den Anstieg der Preise ausgleichen. Sie finanzieren aus dem Ruder gelaufene Staatshaushalte.

Wer das nicht möchte, sollte unseres Erachtens seine Anlagestrategie überdenken. Den ersten Schritt wagen, weg von reinen Zinsinvestments, hin zu einem breit gestreuten Vermögen, das auch Sachwerte wie etwa Aktien enthält.

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