11.04.2017 - Flossbach von Storch

Wirt­schafts­wachs­tum be­deu­tet nicht un­be­dingt stei­gen­de Ak­ti­en


Wenn das Wachstum in den Schwellenländern so dynamisch ist, warum kommt es nicht unbedingt bei den Unternehmen in diesen Regionen an? Darüber sprachen wir mit Philipp Vorndran, Kapitalmarktexperte bei Flossbach von Storch.

Auf dem ersten Blick scheinen die „Schwellenländer“ eine interessante Investmentmöglichkeit zu sein. Seit Jahren liegen die Wachstumsraten von Ländern wie China, Russland, Indien oder Brasilien über denen der entwickelten Volkswirtschaften. Ein weiteres Argument für Schwellenländer-Anlagen ist, dass sie sich als sinnvolle Diversifikation eignen können: Da wir es mit aufstrebenden Volkswirtschaften und einer jungen Bevölkerung zu tun haben, würden sie Konjunkturschwächen in den entwickelten Ländern kompensieren. In den vergangenen fünf Jahren haben Schwellenländer-Investments jedoch enttäuscht. Seit Beginn dieses Jahrzehnts weist der MSCI Emerging Markets Index – eine deutliche Unterperformance gegenüber dem MSCI World Index auf. Wir haben Philipp Vorndran, Kapitalmarktexperte bei Flossbach von Storch, gefragt, wie dies sein kann.

Herr Vorndran, warum laufen die Aktien der Schwellenländer trotz wirtschaftlicher Dynamik schlechter als die der entwickelten Länder?

Philipp Vorndran: Es gibt mehrere Faktoren, die je nach Land unterschiedlich sind. Da ist zum einen das politische System. Westliche Anleger dürfen nicht vergessen, dass die Volksrepublik China eine kommunistische Planwirtschaft ist! Das kann dazu führen, dass die Sicherung von Arbeitsplätzen, etwa in der Schwerindustrie, als wichtiger gesehen wird als die Unternehmensgewinne. Es ist ein großes Risiko, wenn sich der Staat einmischt. Das gilt nicht nur für China, sondern auch für Russland beispielsweise.

Was sind die weiteren Faktoren für das schlechtere Abschneiden?

Mangelhafte Corporate Governance ist ein weiterer Faktor. Viele Top-Manager in den Schwellenländern sind nicht unbedingt Freunde von Aktionärsrechten. Das Prinzip „Eine Aktie, eine Stimme“ herrscht dort vielerorts nicht. Es ist also praktisch unmöglich, dass das Management von den Aktionären zu Verantwortung gezogen wird.  Dies ist übrigens auch ein Thema bei manchen Unternehmen in den Industrieländern, also bitte nicht missverstehen. Auch die Korruption in den Schwellenländern ist ein Problem für Investoren.

Heißt das, dass die Schwellenländer für den Anleger völlig uninteressant sind?

Nein. Es gibt überall in der Weltwirtschaft sehr gute Unternehmen. Sie können in New York oder in Indonesien beheimatet sein. Diese Firmen zeichnen sich etwa dadurch aus, dass sie die lokale Expertise haben, hoch profitabel sind und an die Aktionäre denken, aber diese Firmen kann man nicht finden, wenn man einfach einen Schwellenländern-Index kauft. Ich erinnere mich sehr gut an den Slogan: „Schicken Sie ihr Geld dahin, wo das Wachstum ist“. Aber wie die Performance des MSCI Emerging Markets Index zeigt, führt Wachstum nicht unbedingt zu steigenden Unternehmensgewinnen und steigenden Kursen.  Um erfolgreich in den Schwellenländern zu investieren, empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem aktiven Manager mit den entsprechenden Research-Kapazitäten. Dieser Manager muss natürlich auch die Währungsrisiken effektiv managen können.

Wie geht Flossbach von Storch mit dem Schwellenländern-Thema um?

Wir haben uns 2010 komplett aus den Schwellenländern verabschiedet, weil uns damals die Bewertung für die Aktien als zu hoch vorkam. Wir waren auch der Meinung, dass die Marktteilnehmer die Risiken, etwa die mangelnde Corporate Governance, nicht hinreichend berücksichtigen würden. Die Kursentwicklung in den Folgejahren hat uns bestätigt. Seit März 2014, die Kurse in den Emerging Markets waren deutlich zurückgekommen, haben wir einen Fonds für Aktien aus den Schwellenländern aufgelegt. Der Fonds investiert sowohl in erstklassige Unternehmen in den aufstrebenden Ländern als auch in Unternehmen aus Industrienationen, die einen signifikanten Teil ihrer Umsätze in diesen Märkten machen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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