Die Eskalation des Konflikts im Iran zeigte sich auch auf dem Bondmarkt. Portfolio Director Lars Conrad erklärt, warum die Renditen (noch einmal) gestiegen sind und was das für Anlegerinnen und Anleger bedeutet.
Herr Conrad, an den Anleihemärkten gab es zuletzt einige Bewegungen, die Renditen zogen kräftig an. Was war da los?
Der wieder aufgeflammte Nahost-Konflikt hinterlässt an den Finanzmärkten deutliche Spuren. Rasant steigende Ölpreise beflügelten zuletzt die Inflationssorgen. Die Zinserwartungen steigen, Bonds werden verkauft und die Renditen ziehen an.
Ölpreisschock treibt Inflationserwartungen und Rendite
Wo zeigte sich dieser Effekt besonders deutlich?
Bei Staatsanleihen gingen die Renditen wieder hoch, in Europa wie in den USA. Dabei ist die Rendite-Differenz von Treasuries zu deutschen Bundesanleihen zuletzt wieder gestiegen.
Geht es bei den Zinsen noch weiter hoch?
Für die Staaten bedeuten höhere Renditen steigende Kosten – und die muss man sich leisten können. Wir nähern uns im Euroraum aus unserer Sicht allmählich reflexiven Niveaus. Der fiskalische Spielraum wird kleiner, höhere Zinsen bremsen das ohnehin schon schwache Wirtschaftswachstum. Ein ausufernder Zinsanstieg kann einige negative Folgen haben. Schuldner werden schwächer eingeschätzt und müssen mit Risikoaufschlägen rechnen. Kursverluste der Anleihen im Bestand sorgen für Nervosität am Markt. Das wissen natürlich auch die Notenbanker.
EZB zwischen Inflationsrisiko und schwachem Wachstum
Wie reagiert die EZB?
Wir rechnen auf Sicht eher nicht mit einem massiven Leitzinsschub. Bei der letzten Sitzung am 23. Juli ließ die EZB ihre Sätze unverändert, nach einer moderaten Erhöhung im Juni. Die Märkte preisen nun eine Wahrscheinlichkeit von Zinserhöhungen von rund 90 Prozent im September ein, mehr als 40 Basispunkte soll es bis Jahresende hochgehen. Das halten wir für ambitioniert, vielleicht gibt es hier Übertreibungen. Vielleicht braucht es das zur Inflationsbekämpfung gar nicht: Die Realrenditen im Euroraum sind bereits merklich angestiegen.
Wie sieht es in den USA aus?
Im Zuge der jüngsten Entwicklungen stiegen die Realrenditen in den USA kräftig an. Das liegt vor allem an der resilienten US-Konjunktur und einem stabilen Arbeitsmarkt. Zudem waren die Inflationserwartungen eher rückläufig. Der neue Fed-Präsident Kevin Warsh präsentierte sich zuletzt eher als „Falke“.
KI-Investitionen verändern den Markt für Unternehmensanleihen
Der jüngste Renditeschub zeigte sich vor allem bei den Staatsanleihen?
Korrekt, bei den Risikoaufschlägen für Unternehmensanleihen verschiedener Qualitäten gab es weniger Bewegungen. Es geht also nicht um eine Flucht in sichere Titel. Trotzdem gab es in einigen Segmenten Bewegungen, vor allem im langen Laufzeitbereich.
Geben Sie uns ein Beispiel.
Auch am Bondmarkt zeigen sich die Auswirkungen von KI. Die sogenannten Hyperscaler investieren viele Milliarden Dollar, die zu einem guten Teil über Anleihen finanziert werden. Angesichts der gigantischen Investitionsausgaben stiegen am Markt zuletzt die Sorgen vor einem Überangebot. Letztlich ist der Bondmarkt ein Marktplatz: Angebot und Nachfrage müssen zueinander passen, sonst sinken die Preise. Dann kann es für aktive Anleger zu Opportunitäten kommen.
Warum hohe Bonität wieder attraktive Renditen bietet
Wie sollten sich Anlegerinnen und Anleger aktuell aufstellen?
Die Situation scheint aus unserer Sicht aktuell sehr attraktiv. Die laufende Rendite ist real noch einmal gestiegen. Neben attraktiven Erträgen verstärkt sich so der Krisenpuffer, falls es in Zukunft noch einmal zu Bewegungen kommen sollte. Das gilt insbesondere für die Top-Qualitäten am Markt – für ansprechende Renditen muss man nicht mehr auf schwächere Bonitäten ausweichen.
Und wenn die Zinsen nochmal steigen?
Aus unserer Sicht erreichen wir insbesondere bei den „Kernländern“ der Eurozone allmählich reflexive Niveaus. Entscheidend bleibt ein aktives Portfoliomanagement. Nicht alles auf eine Karte setzen, sondern sinnvoll nach Ratings, Laufzeiten, Regionen, Währungsräumen und Einzeltiteln diversifizieren. Und natürlich mögliche Chancen nutzen, die die jüngsten Marktbewegungen jetzt bieten.
Herr Conrad, vielen Dank für das Gespräch.
Lars Conrad ist Portfolio Director Fixed Income bei der Flossbach von Storch SE
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