Skip to Content
Skip to Content
Aktien | Märkte
8 Minuten

„Vielversprechende Aussichten“

- Michael Altintzoglou

Der Aktienmarkt in den Emerging Markets schnitt 2025 erstmals wieder besser ab als der globale Markt. Portfoliomanager Michael Altintzoglou erläutert, ob (und wo) der Aufwind anhalten könnte.

Herr Altintzoglou, der Aktienindex MSCI Emerging Markets lieferte im zurückliegenden Börsenjahr einen Kurszuwachs von rund 18 Prozent – und entwickelte sich damit erstmals seit 2017 besser als der MSCI World, der die Wertentwicklung der Aktienmärkte in den Industrienationen zeigt. Wie sind die Aussichten?

Die Perspektiven sehen aus unserer Sicht für die Emerging Markets vielversprechend aus. Rückläufige Inflationsraten eröffnen den Zentralbanken Raum für weitere Zinssenkungen und sollten zu einem Liquiditätszufluss führen. Das Bewertungsniveau ist trotz der Kursanstiege im vergangenen Jahr sowohl im historischen Vergleich als auch relativ zu Aktien aus den Industrienationen attraktiv. Hinzu kommt, dass die ausufernde Staatsverschuldung in den USA und die Neubesetzung der Position des Notenbank-Präsidenten tendenziell aus unserer Sicht eher für einen schwächeren US-Dollar sprechen, was sich als Unterstützungsfaktor für Emerging Markets Aktien erweisen könnte.

Aber?

Die Perspektiven sind in den einzelnen Ländern der Emerging Markets recht unterschiedlich, wie auch ein Blick auf ihr Abschneiden an den Aktienmärkten im vergangenen Jahr zeigt.

Südkorea: Plus 77 Prozent

Hier stand Südkorea mit einem Plus von 77 Prozent, in Euro gerechnet, an der Spitze. Was waren die Ursachen?

Zum einen erwies sich das von der neuen Linksregierung eingeführte „Corporate-Value-Up“-Programm als Triebfeder für den Markt. Es gab bereits erste Anzeichen für eine Verbesserung der Corporate Governance und eine stärkere Orientierung an den Aktionärsinteressen. So wurden mehr eigene Aktien zurückgekauft, die Dividendenausschüttungen erhöht und Steuern darauf reduziert. Doch Haupttreiber war der Halbleitersektor, der von den enorm gestiegenen Investitionen in den Kapazitätsausbau im Bereich KI profitiert hat.

Taiwan: Plus 23 Prozent

Letzterer dürfte auch den Markt in Taiwan angetrieben haben, der dort mit Unternehmen wie TSMC den Löwenanteil vom Index stellt.

Genau, hier legte der Markt, in Euro gerechnet, um 23 Prozent zu. Die TSMC-Aktiesteht mittlerweile für knapp 60 Prozent des Indexgewichtes. Wir halten die langfristigen Unternehmensperspektiven weiter für vielversprechend. Denn nach wie vor gibt es wohl keine Alternative zu TSMC, wenn es um die kosteneffiziente und skalierbare Fertigung hochleistungsfähiger Rechenchips geht. Sollte sich der KI-Boom abschwächen, dürfte der taiwanesische Markt aber wohl mit das größte Korrekturpotenzial unter den großen Emerging-Markets-Börsen aufweisen.

Und Südkorea?

Hier verfügen Samsung und SK Hynix über einen weltweiten Marktanteil von rund 80 Prozent im Bereich der HBM-Speicherchips. Aktuell ist die Nachfrage ungebrochen stark und beide Unternehmen können massive Preiserhöhungen durchführen. Eine Abschwächung des KI-Booms würde allerdings auch dort die Situation verändern und Auswirkungen auf den gesamten Technologiesektor nach sich ziehen. Eine hohe Verschuldung der Haushalte kommt hinzu und die starke Abhängigkeit der Volkswirtschaft vom globalen Handel.

China: Plus 16 Prozent

Möglichkeiten mit hohen Risiken also. Wie steht es mit China, dessen Aktienmarkt im vergangenen Jahr mit einer Wertentwicklung von etwa 16 Prozent für Euro-Anleger die meisten wohl positiv überrascht haben dürften?

Ja, China zählte im vergangenen Jahr zu den besonders attraktiven Aktienmärkten. Dabei verzeichnete die Volkswirtschaft deflationäre Tendenzen. Das nominale Wirtschaftswachstum befindet sich seit nunmehr zehn aufeinanderfolgenden Quartalen unterhalb des realen Wachstums. Eine Wiederbelebung der Konsumnachfrage lässt weiter auf sich warten und auch der Wohnimmobilienmarkt ist durch eine anhaltende Schwäche gekennzeichnet. Wachstum kam primär über die Exporte.

Das ist schon erstaunlich, weil sich der Handelskrieg mit den USA verschärft hat.

Genau. Trotz allem erreichte der Handelsbilanzüberschuss Chinas ein Allzeithoch. Doch darauf will man sich in Beijing in der Zukunft nicht verlassen und der Fokus auf den Binnenkonsum ist die logische Konsequenz. Damit einhergehend könnte auch eine schrittweise Aufwertung des Renminbis erfolgen, der Euro-Anlegern in diesem Jahr die Bilanz noch etwas verhagelt hat. Zudem plant US-Präsident Donald Trump voraussichtlich einen China-Besuch im April 2026. Ein Treffen mit Xi Jinping könnte zu einer Annäherung der beiden Länder führen.

Zudem gab es ja Anfang 2025 den DeepSeek-Moment. Bis dahin hatte die Welt das Potenzial der Chinesen in diesem Bereich eher unterschätzt.

Ja, das war ein Wendepunkt. China spielt im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) zusammen mit den USA in der ersten Liga. Und weil chinesische Sprachmodelle im Gegensatz zu den meisten US-Pendants „Open-Source“-Modelle sind, also Modellgewichte und Trainingsmethoden öffentlich zugänglich sind, verzeichnen diese mittlerweile höhere Downloadzahlen als die US-Modelle.

Indien: Verluste für Euro-Anleger

Ganz anders lief es 2025 in Indien, wo die Börse zwar im Jahr 2025 in Lokalwährung ein einstelliges Plus schaffte, Euro-Investoren aber 2025 einstellige Verluste einstecken mussten. Hat hier die US-Zoll- und Handelspolitik die Bilanz verhagelt?

Auch. US-Zollerhöhungen von bis zu 50 Prozent auf indische Ausfuhren plus die US-Restriktionen bei den von indischen Staatsbürgern früher vielfach genutzten H1B-Visas stellten Belastungsfaktoren dar. Sie trafen aber auf ohnehin schwächeres Gewinnwachstum vieler Unternehmen und starke Verkäufe durch ausländische Investoren.

Also eher verhaltene Aussichten?

Nein, keineswegs. Trotz der Marktschwäche anno 2025 bleiben hier die langfristigen Wachstumstreiber für die indische Volkswirtschaft und den Aktienmarkt unseres Erachtens intakt. Und nach der Konsolidierungsphase erscheint das Bewertungsniveau vieler Aktien vergleichsweise attraktiv. Das Leistungsbilanzdefizit dürfte sich im Laufe des Jahres 2026 auf unter ein Prozent vom Bruttoinlandsprodukt reduzieren. Gleichzeitig liegen die Fremdwährungsreserven der Zentralbank bei rund 700 Milliarden US-Dollar und reichen damit aus, um fast ein Jahr lang alle Importe zu finanzieren. Insofern erscheint uns das weitere Abwertungspotenzial für die Rupie nach der Schwäche vom Vorjahr deutlich begrenzt. Die expansive Fiskalpolitik durch Steuersenkungen und -vereinfachungen sowie die lockere Geldpolitik könnten zu einer Wachstumsbeschleunigung in den kommenden Quartalen führen. Aufgrund des niedrigen Inflationsniveaus besteht zudem Zinssenkungspotenzial.

Brasilien, Mexiko: Mehr als 30 Prozent Plus

Und Südamerika? Die Aktienmärkte Brasilien und Mexiko haben immerhin 2025, in Euro gerechnet, mehr als 30 Prozent Wertentwicklung geliefert.

Ja, in Mexiko hat sich die anfängliche Besorgnis bezüglich der US-Handels- und Zollpolitik im Jahresverlauf beruhigt und in Brasilien wuchs die Wirtschaft trotz erheblicher Zinserhöhungen weiter. Beides stimmt zuversichtlich.

Unterm Strich sind Sie also zuversichtlich und würden die künftige Ausrichtung vor allem in einem breit diversifizierten Mix sehen, oder?

Genau. Zudem fokussieren wir in erster Linie auf Qualitätsunternehmen, für die dieselben Kriterien gelten wie in unseren weltweit ausgerichteten Aktienportfolios.

Dennoch sind die Unsicherheiten vielerorts hoch.

Ja, es bestehen zunehmende geopolitische Risiken, weiter gestiegene Verschuldungsniveaus und Fragezeichen hinsichtlich der weiteren Entwicklung des KI-Booms und den Monetarisierungsmöglichkeiten der Investitionen in diese neue Technik. Demgegenüber stehen die nach wie vor existierenden säkularen Wachstumstrends in den Emerging Markets.

Die Bewertungen vieler Aktien aus den Wachstumsmärkten erscheinen aber (immer noch) attraktiv?

Genau. Und weil auch die Unsicherheiten in vielen entwickelten Märkten hoch sind, könnte es ratsam sein, einem herkömmlichen Aktienportfolio Titel aus den Emerging Markets beizumischen.

Herr Altintzoglou, vielen Dank für das Gespräch.

Wir von Flossbach von Storch bieten neben unseren Multi-Asset-Fonds unseren Kunden auch Aktienfonds an. Der Flossbach von Storch-Global Emerging Markets Equity richtet sich an risikofreudige Anlegerinnen und Anleger.

Die mit dem Flossbach von Storch -  Global Emerging Markets verbundenen Chancen und Risiken sowie Informationen zu den Kosten entnehmen Sie bitte den Fondsdetails. 

Ein umfangreiches Glossar zu Themen und Begriffen finden Sie hier.

Das könnte Sie auch interessieren


Glossar

Verschiedene Fachbegriffe aus der Welt der Finanzen finden Sie in unserem Glossar erklärt.

Zum Glossar 


RECHTLICHER HINWEIS

Diese Veröffentlichung dient unter anderem als Werbemitteilung.

Die in dieser Veröffentlichung enthaltenen Informationen und zum Ausdruck gebrachten Meinungen geben die Einschätzungen von Flossbach von Storch zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder und können sich jederzeit ohne vorherige Ankündigung ändern. Angaben zu in die Zukunft gerichteten Aussagen spiegeln die Zukunftserwartung von Flossbach von Storch wider, können aber erheblich von den tatsächlichen Entwicklungen und Ergebnissen abweichen. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit kann keine Gewähr übernommen werden. Der Wert jedes Investments kann sinken oder steigen und Sie erhalten möglicherweise nicht den investierten Geldbetrag zurück.

Mit dieser Veröffentlichung wird kein Angebot zum Verkauf, Kauf oder zur Zeichnung von Wertpapieren oder sonstigen Titeln unterbreitet. Die enthaltenen Informationen und Einschätzungen stellen keine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung dar. Sie ersetzen unter anderem keine individuelle Anlageberatung.

Diese Veröffentlichung unterliegt urheber-, marken- und gewerblichen Schutzrechten. Eine Vervielfältigung, Verbreitung, Bereithaltung zum Abruf oder Online-Zugänglichmachung (Übernahme in andere Webseite) der Veröffentlichung ganz oder teilweise, in veränderter oder unveränderter Form ist nur nach vorheriger schriftlicher Zustimmung von Flossbach von Storch zulässig.

Angaben zu historischen Wertentwicklungen sind kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen.

© 2025 Flossbach von Storch. Alle Rechte vorbehalten.