Was wäre, wenn die Zinsen stiegen?

27.04.2018 - Flossbach von Storch

MÄRKTE


Bloomberg Chart

Wir rechnen nicht damit, dass die Zinsen historische Niveaus erreichen. Aber kann man sich da so sicher sein? Unsere Analysten haben einmal durchgerechnet, welche Folgen eine echte Zinswende hätte.

Eines vorneweg: Wir gehen davon aus, dass die Zinsen noch sehr lange auf sehr niedrigen Niveaus bleiben. In den bisher erschienenen Teilen unserer kleinen Zinsserie (siehe unten) haben wir dazu bereits einige Argumente vorgestellt. Also keine Angst, das nun folgende Szenario halten wir nicht für sehr wahrscheinlich.

Aber: Als Vermögensverwalter denken wir dennoch in alle Richtungen. Unabhängig und unvoreingenommen. Dazu gehört auch „Alternativszenarien“ durchzurechnen. Deshalb haben wir uns einmal folgende Frage gestellt:

Was wäre, wenn die Zinsen im Jahr 2025 wieder auf dem Niveau von 2008 wären?

 

Auf dem Stand vor Ausbruch der weltweiten Finanzkrise. Damals lag der Leitzins der europäischen Zentralbank (EZB) noch bei vier Prozent. Sparer hatten noch die Chance, mit ihren Zinskonten auch nach Inflation die Kaufkraft ihres Vermögens zu erhalten. Immobilien waren deutlich günstiger zu haben – auch weil Banken für Baugeld mehr als drei Mal so viel berechneten wie jetzt. Die Schulden waren in Europa bei der Mehrzahl der Staaten noch deutlich niedriger.

Steigende Zinsen – für viele Schuldner ein Problem

Steigende Zinsen können vor allem für diejenigen Schuldner schnell zu einem Problem werden, die besonders tief in der Kreide stehen. Das gilt auch für die Staaten der Eurozone.

  • Ende 2017 lag die Staatsverschuldung (brutto) im Schnitt bei rund 87 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP).
  • Es gibt aber große Unterschiede. In Deutschland liegt die Quote bei rund 65 Prozent des BIP, in Italien bei 133 Prozent.
  • Deutschland gibt gut sechs Prozent der Staatseinahmen für Zinskosten aus, Italien 14,5 Prozent.

Wenn der Zins der deutschen Bundesschulden tatsächlich auf vier Prozent steigen würde, würde das Mehrausgaben von knapp 20 Milliarden Euro bedeuten. Das wäre ungefähr so viel wie das Budget des Auswärtigen Amtes, des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sowie des Bundesministeriums des Inneren.

Gefahr eines Staatsbankrotts

Deutlich härter träfe es Italien. Wenn sich das Land zu einem „Vorfinanzkrisenzins“ von durchschnittlich fünf Prozent refinanzieren müsste, dürfte die Zinslast nach unseren Berechnungen bereits im Jahr 2025 bei über 100 Milliarden Euro liegen. Das käme einem Anstieg der Zinsausgaben von mehr als 30 Milliarden Euro gleich – was ein Plus von rund 50 Prozent gegenüber den Zinskosten des Jahres 2016 bedeuten würde.

Neue Schulden oder sparen?

Wenn die Zinsen tatsächlich auf alte Niveaus steigen würden, blieben den Staaten wohl nur zwei Möglichkeiten. Entweder neue Schulden aufnehmen. Oder sparen. Wenn der Staat spart, hat das negative Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum. Was für Staaten gilt, gilt auch für Bürger und Unternehmen. Sparprogramme schränken Konsum und Investitionen ein.

Dann käme die nächste „Rettungsaktion“

Unsere Kalkulationen zeigen: Deutliche Zinsanhebungen der EZB ohne einen massiven Anstieg der Inflation sind unseres Erachtens mehr als unwahrscheinlich. Nicht nur die Staatshaushalte würden unter der Schuldenlast ächzen. Auch Privathaushalte und Unternehmen würden ihre Investitionspläne zusammenstreichen. Eine erneute „Rettungsaktion“ der Notenbank wäre unseres Erachtens der folgerichtige nächste Schritt. Zurück zum Anfang. Zu einer expansiven Geldpolitik, wie wir sie bereits seit knapp einer Dekade haben.

 

Hier finden Sie einen Bericht in der „Handelsblatt Finanzberater Edition“ über die komplette Zinsstudie, die auch Auswirkungen für private Immobilienbesitzer beleuchtet.

Sehen Sie auch: Unser Kapitalmarktexperte Philipp Vorndran erklärt in einem Interview auf n-tv, was passieren würde, wenn die Zinsen steigen.

 

Lesen Sie hier die ersten drei Teile unserer Zinsserie:

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