17 Billionen US-Dollar Leistungsbilanzdefizit seit 1992 – und trotzdem bleiben die USA ein Finanzierungsmagnet. Warum?
Seit 1992 stehen für die Vereinigten Staaten ausschließlich Leistungsbilanzdefizite zu Buche. Im Schnitt lagen diese bei drei Prozent des BIP. In absoluten Zahlen ergibt sich für die Jahre 1992 bis 2025 ein gigantisches kumuliertes US-Leistungsbilanzdefizit von 17.000 Milliarden US-Dollar.
Warum die USA seit Jahrzehnten mehr importieren als exportieren
Damit leben die USA unweigerlich über ihre Verhältnisse, könnte man meinen. Schließlich importieren sie Jahr für Jahr mehr Waren und Dienstleistungen in die USA, als sie umgekehrt ins Ausland exportieren.
Möglich wird diese Konstellation durch das Dollarprivileg, der konstant hohen Auslandsnachfrage nach dem US-Dollar beziehungsweise nach US-Dollarvermögenswerten.
Dollarprivileg: Warum die USA trotz Defiziten weiter Geld anziehen
Sichtbar wird dies beim Blick auf die US-Schulden. So hielten Nicht-US-Amerikaner Ende vergangenen Jahres US-Schuldverschreibungen im Gegenwert von rund 16.000 Milliarden US-Dollar, darunter 9.300 Milliarden US-Dollar an US-Staatspapieren.
Umgekehrt hielten US-Amerikaner gerade einmal 4.000 Milliarden US-Dollar an ausländischen Anleihen. Etwas vereinfacht gesagt finanziert also das Ausland höchstselbst den üppigen USAuslandskonsum.
Serie "Der Schuldenatlas"
Das Beispiel zeigt: Eine Schuldenquote allein sagt wenig aus. Entscheidend sind unter anderem Wirtschaftskraft, Vermögen, Zinslast, Währung, institutionelle Stabilität und die Verwendung des geliehenen Geldes. Der „Schuldenatlas“ ist eine Serie zu Julian Marx’ Beitrag „Welche Schuldenlast können wir uns leisten?“. Darin zeigt er, warum die Höhe der Schulden allein noch nichts über ihre Tragfähigkeit aussagt.
1/8 - Argentinien - Warum eine Staatspleite selten allein kommt.
2/8 - Schweiz - Hohe Schulden als Qualitätssiegel?
3/8 - Norwegen - Sorgenfreie Schuldenlast
4/8 - Italien - Ein Leben an der Zinsgrenze - Flossbach von Storch
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