Was hat die Altersvorsorge der Deutschen mit der japanischen Videospielfigur Pac-Man gemein? Leider mehr als viele vermutlich denken ...
Ein durchschnittlicher deutscher Rentner, der sein Erwerbsleben als Angestellter verbracht hat, bezieht heute 80 Prozent seiner Einkünfte aus der gesetzlichen Rente. Betriebliche und private Vorsorge spielen mit jeweils rund 10 Prozent kaum eine Rolle.
Pac-Man als Symbol einer riskanten Altersvorsorge
Versieht man das daraus resultierende Kuchendiagramm mit einem Auge, erinnert es an Pac-Man, den niedlichen Star des gleichnamigen Videospiels aus den 1980er-Jahren (vgl. Grafik 1).
Doch abseits nostalgischer Kindheitserinnerungen sollte uns dieses Klumpenrisiko in der Altersvorsorge beunruhigen. Bezogen auf die Altersvorsorge ist Pac-Man der falsche Held.
Denn der demografische Wandel, die zunehmende Alterung der Bevölkerung, wird die Finanzierung der gesetzlichen Rente in den nächsten Jahrzehnten weiter erschweren. Die Zahl der Rentner steigt, die der Beitragszahler sinkt.
Ohne grundlegende Reformen würde die Belastung der Bruttolöhne durch Steuern und Abgaben von 43 Prozent auf 60 Prozent steigen. Ausgleichen ließe sich dies nur durch Produktivitätsgewinne von einem Prozent pro Jahr. Solche Zuwächse sind aber seit den 1990er-Jahren nicht annähernd zu beobachten.
Warum Deutschland seine Altersvorsorge neu ausrichten sollte
Wir stehen damit am Scheideweg. Die öffentlichen Ausgaben für die Altersvorsorge in Deutschland betragen aktuell 10,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und liegen damit bereits deutlich über dem OECD-Schnitt von 8,1 Prozent.
Ohne einen Umbau der Altersvorsorge folgen wir Ländern wie Frankreich oder Italien. Dort werden mehr als 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die Versorgung der Rentner aufgewendet.
Auch deshalb haben diese Länder hohe Staatsschulden. Die Stärkung der kapitalgedeckten Vorsorge wäre der bessere Weg. Länder wie die Niederlande und Schweden zeigen, dass eine verlässliche Altersvorsorge auch mit niedrigen staatlichen Ausgaben möglich ist, wenn eine gesetzliche Basisabsicherung mit betrieblicher oder privater Vorsorge kombiniert wird.
Das Drei-Säulen-Modell als Vorbild
Unser Ziel sollte daher ein System sein, in dem die drei Säulen – gesetzliche, betriebliche und private Vorsorge – zu gleichen Teilen den Lebensstandard im Alter sichern.
Dafür müssen zunächst die Ausgaben der gesetzlichen Rente beschränkt werden. Unter geltendem Recht wachsen diese bis zum Jahr 2035 auf rund 600 Milliarden Euro. Das wäre insgesamt ein Zuwachs von rund 50 Prozent in zehn Jahren oder etwas mehr als vier Prozent pro Jahr. Auch wegen hoher Steuer- und Abgabenlasten beträgt das jährliche Wirtschaftswachstum aktuell hingegen weniger als ein Prozent.
Langfristig profitieren die einzelnen Rentner von diesen Ausgabensteigerungen jedoch nicht, weil die höheren Lasten für die Erwerbstätigen auf immer mehr Rentner verteilt werden müssen.
Daher wird das Rentenniveau im jetzigen System trotz anderslautender politischer Absichtserklärungen bald wieder sinken (müssen) und damit wird sich ein seit Mitte der 1980er-Jahre herrschender Trend bei der gesetzlichen Rente fortsetzen.
Was Deutschland von den Niederlanden lernen kann
Besser wäre mehr Ehrlichkeit: Der deutsche Staat ist wirtschaftlich stark genug, jedem Rentner eine Basisabsicherung im Alter zu garantieren. Der individuelle Lebensstandard jedes einzelnen Bürgers ist hingegen immer schwieriger abzusichern. Vor einem Systemwechsel hin zu einer gesetzlichen Grundversorgung muss man jedoch keine Angst haben, weil diese im Ausland bereits erfolgreich eingesetzt werden.
So haben zum Beispiel die Niederlande nur eine einkommensunabhängige staatliche Basisrente. Die Altersarmut ist trotzdem deutlich geringer als in Deutschland, auch weil die privatwirtschaftlich organisierte betriebliche Säule dort besser ausgebaut ist.
Daher sollte die betriebliche Altersversorgung auch in Deutschland mehr Menschen erreichen. In den Niederlanden sichern die Tarifverträge eine breite Beteiligung der Erwerbstätigen ab. Branchenpensionsfonds investieren das Kapital professionell und setzen dabei auf substanzielle Aktienquoten.
In der stark fragmentierten betrieblichen Vorsorgelandschaft in Deutschland besitzt nur jeder zweite Arbeitnehmer eine derartige Zusatzversorgung.
Insgesamt existieren über zehn verschiedene Möglichkeiten, wie ein Unternehmen die Altersvorsorge für seine Mitarbeiter organisieren kann. Einige Konzepte erfordern Beitragsgarantien, was die Rendite mindert. Andere sehen als einzige Auszahlungsoption im Ruhestand eine lebenslange monatliche Rente vor, was die Flexibilität einschränkt.
Der Fragmentierung sollten wir dadurch entgegentreten, dass man leichter von einem Modell in das andere wechseln kann. Dazu gilt es, bestehende Modelle zu stärken, die höhere Aktienquoten mit einer flexibleren Nutzung der Ersparnisse im Alter verbinden.
Mehr private Vorsorge durch das Altersvorsorgedepot
Gleichzeitig sollten wir die kapitalgedeckte private Vorsorge ausbauen. Das von der Bundesregierung geplante Altersvorsorgedepot ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Sein Vorgänger, die Riesterrente, schien bereits vor 20 Jahren einen Paradigmenwechsel hin zu mehr privater Vorsorge einzuleiten. Doch die verpflichtende Beitragsgarantie führte während der Niedrigzinsphase der 2010er-Jahre zu negativen realen Renditen, sodass das Vertrauen in sie verloren ging.
Beim neuen Altersvorsorgedepot ist nun keine Beitragsgarantie mehr erforderlich. Damit wird dauerhaftes Aktiensparen mit robusten Renditen möglich. Zulagen und Steuerersparnisse geben einen Anreiz zum privaten Vermögensaufbau. Eine freiere Kapitalverwendung im Ruhestand macht das Produkt zusätzlich attraktiv: Eine Umwandlung der Ersparnisse in eine lebenslange Rente ist möglich, aber nicht mehr zwingend. 30 Prozent der Ersparnisse stehen auf Wunsch direkt zu Rentenbeginn zur Verfügung. Der Rest kann in monatlichen Tranchen bis zum Alter von 85 Jahren ausgezahlt werden.
Die Sparer sollten ihre neu gewonnene Freiheit in der Kapitalanlage nutzen und verstärkt auf Aktien setzen. Damit der Einzelne sicher entscheiden kann, gilt es, die Finanzbildung in der Gesellschaft zu stärken. Das Ergebnis wird auf den persönlichen Altersvorsorgedepots direkt sichtbar sein.
Damit stehen die Chancen gut, dass das Altersvorsorgedepot zu einer neuen Anlagekultur beiträgt, in der nicht inflationsanfällige Sparbücher, sondern Aktien die Hauptrolle spielen. Ein Vergleich mit Kanada verdeutlicht das Nachholpotenzial (vgl. Grafik 2).

Mercedes-Stern als "Vorbild": Ein Reformmodell für die Altersvorsorge
Weil die Umsetzung lange dauern wird, sollten wir den konzeptionellen Umbau – weg von Pac-Man hin zum Mercedes-Stern (vgl. Grafik 3) mit drei gleichwertigen Säulen der Alterssicherung – besser heute als morgen beginnen. Dabei gilt es, drei Grundprinzipien zu beachten.
Erstens kann die gesetzliche Rente künftig nur noch als Basisabsicherung im Alter dienen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dazu kann auch gehören, dass Menschen mit höheren Einkommen für ihre Beiträge nur moderat höhere gesetzliche Renten erhalten.

Zweitens muss die betriebliche Altersvorsorge stärker verbreitet werden. Mehr als bisher sollte sie breite Bevölkerungsschichten über den Arbeitsplatz an eine aktienbasierte Alterssicherung heranführen. Die Grundsicherung durch die gesetzliche Rente macht verpflichtende Beitragsgarantien dabei nicht zwingend notwendig.
Drittens gilt es, die private Altersvorsorge zu stärken, was durch das staatliche geförderte Altersvorsorgedepot begünstigt wird. Damit für das private Sparen am Monatsende mehr Geld übrig ist, braucht es gleichzeitig wachstumsfreundliche Reformen, die durch Produktivitätsgewinne höhere Löhne bringen.
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