Warren Buffett hat zum Jahresende den Vorsitz seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway abgegeben – irgendwie unvorstellbar. Portrait eines Mannes, der nie verkaufen wollte.
Omaha liegt in den USA, im Bundesstaat Nebraska. Ziemlich weit weg ist das von der Wall Street in New York, dem Zentrum des Kapitalismus und der großen Börsenglocke. Mehr als 1800 Kilometer.
Warren Buffett, den weltbekannten Investor, hat das nie gestört – weit weg zu sein vom Trubel. Nicht allem zuhören zu müssen, dem nervösen Geplapper und Gedröhne. Im Gegenteil. Er hat sich nie darum geschert, welche Aktien gerade von den Investmentbanken (oder wem auch immer) marktschreierisch angepriesen oder verteufelt wurden. Die überdrehte, mitunter gespielte Hektik des täglichen Börsenbetriebs – das ist nie seine Welt gewesen.
Buffett denkt nicht in Quartalen oder Kalenderjahren. „Wenn wir Anteile an herausragenden Unternehmen mit hervorragendem Management besitzen, ist unsere bevorzugte Haltedauer für immer.“ Oder: „Kaufe günstig, verkaufe nie!“
Buffett ist ein Freund der Zeit. Geboren wurde er am 30. August des Jahres 1930 – in Omaha. Ende 2025, in den Tagen seines Rückzugs von der Spitze seiner Investmentholding Berkshire Hathaway, zählt er stolze 95 Lebensjahre!
Keine "billigen" Anzüge
Uns, die wir ihn – gefühlt – seit Ewigkeiten bewundernd beobachten, seine Briefe an die Aktionäre lesen und uns wieder und wieder seiner Weisheiten erinnern, kommt sein Rücktritt irgendwie unwirklich vor. Denn Buffett ist immer dagewesen.
Und er hat immer gleich ausgesehen. Die silber-graue Locke. Eine ähnliche Brille. Ähnliche Anzüge, über die er selbst einst sagte, sie seien nicht so billig, wie sie an ihm aussähen. Sein gewitztes, charmantes Lächeln. Sein trockener Humor, das Selbstironische. Der messerscharfe Verstand sowie das unvergleichliche Zahlengeschick und -gedächtnis. Die Zeit ist immer auch Buffetts Freundin gewesen ...
Sein Vater, Howard, war Börsenmakler und Politiker. Insofern wurde das Interesse des Sohnes für Zahlen und Geld recht früh geweckt. Während andere Kinder die Baseballkarten ihrer Idole sammeln, kauft und verkauft der junge Warren in den 1930er- und 1940er-Jahren Cola-Flaschen und Süßigkeiten, trägt Zeitungen aus und betreibt später einen kleinen Flipperautomaten.
Von den Ungeduldigen zu den Geduldigen
Mit gerade einmal elf Jahren ordert er seine ersten Aktien – drei Cities Service Preferred, für 38 Dollar je Anteilschein. Als deren Kurs auf 27 Dollar fällt, wird ihm mulmig zumute. So, wie es tagein tagaus Millionen Anlegern mulmig wird, wenn die Kurse an der Börse in die „falsche“ Richtung ausschlagen. Als sich die Aktie erholt, auf gut 40 Dollar, verkauft der junge Aktionär eilig. Glück gehabt! Kurze Zeit später steigt der Kurs auf mehr als 200 Dollar ...
Buffett lernt aus dieser frühen Lektion. Viele Jahre später wird er sagen, dass die Börse ein Mechanismus sei, um Geld von den Ungeduldigen zu den Geduldigen zu transferieren. Er gehört da längst zur zweiten Gruppe.
Und er wird sagen, dass es „lediglich“ einen Hügel brauche und feuchten Schnee. Aus dem kleinen Schneeball wird dann, rollt man ihn den Abhang hinunter, ein immer größerer und größerer Ball ...
Buffett geht in den 1950er-Jahren bei Benjamin Graham in die „Lehre“, seinem großen Idol und Begründer des Value Investing – wobei der ihn zunächst gar nicht haben möchte! Der junge Warren bleibt jedoch hartnäckig, bietet sogar an, kostenlos für das Unternehmen zu arbeiten. Irgendwann gibt Graham klein bei. Er wird Buffett und seinen Investmentstil prägen.
Bis Buffett Charlie Munger trifft, erstmals 1959 bei einem Abendessen in Omaha. Sie freunden sich an. In den 1970er-Jahren werden sie dann Geschäftspartner und machen über viele Jahrzehnte Berkshire Hathaway zu dem, was es heute ist.
Die Kraft von Charlies Verstand
Munger ist es, der Buffett überzeugt, seinen Anlagestil zu verändern: Statt passable Unternehmen zu guten Preisen zu kaufen, sei es langfristig besser, exzellente Unternehmen zu passablen Preisen zu kaufen. Buffett folgt Munger, auch wenn es ihm anfangs schwerfällt. Viele Jahre später sagt er über seinen Ende 2023 verstorbenen Partner: „Es war die Kraft von Charlies Verstand. Er hat meinen Horizont erweitert“.
Was sich in all den Jahren und dem überwältigenden Erfolg von Berkshire Hathaway nicht verändert hat, sind Buffetts Bodenständigkeit und seine Bescheidenheit. Buffett ist gewissermaßen die Antithese zu den breitbeinig umherlaufenden Wall-Street-Cowboys. Er will nicht immer recht haben, selbst wenn er es hat.
Stattdessen macht er sich über sich und seine Fehler lustig. Er wohnt noch im selben Haus, das er Anfang der 1970er-Jahre gekauft hat; er fährt gebrauchte Autos, die ihm seine Tochter beschafft. Trinkt lieber Cherry Coke statt teurer Weine. Und zum Frühstück speist er gerne bei McDonald’s. Das Menü macht Buffett abhängig vom Berkshire-Börsenkurs. Hat der sich gut entwickelt, gönnt er sich das größere ...
Buffett ist stets Warren geblieben. Seinen Tag verbringt er mit dem Lesen von Zeitungen und Geschäftsberichten. Sein Büro in der Berkshire-Zentrale wirkt, als sei darin die Zeit stehen geblieben, seit Jahrzehnten.
Unzählige Male wurde er in der Vergangenheit in den Ruhestand verabschiedet. Das Orakel vermöge nicht mehr zu orakeln, hieß es, wenn Berkshire Hathaway zeitweise den Marktrenditen hinterherlief. Der in die Jahre gekommene Investor habe den Anschluss an die Moderne verloren. Oder das „Näschen“, wenn die sogenannten Experten mal wieder der Meinung gewesen sind, dass die „Kasse“ von Berkshire viel zu groß sei. Ergo: Buffett keine Ideen mehr habe, wohin mit dem vielen Geld.
Er würde dazu vermutlich folgendes sagen oder denken: „Ich schaue nicht, dass ich über 7-Fuß-Hürden springe: Ich schaue mich nach 1-Fuß-Hürden um, über die ich bequem drübersteigen kann.“ Und das hat Buffett in den vergangenen Jahrzehnten sehr oft getan.
Zur Person
Warren Buffett wurde am 30. August 1930 in Omaha, im US-Bundesstaat Nebraska geboren – dort lebt er auch heute noch. Er ist Investor, Unternehmer und Philanthrop, bekannt als das „Orakel von Omaha“ und Gründer von Berkshire Hathaway. Er gilt als einer der erfolgreichsten Investoren der Welt. Beliebt ist er aber nicht zuletzt wegen seiner Bescheidenheit – trotz seines großen Vermögens.
Glossar
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