Skip to Content
Aktien
6 Minuten

„Wir nutzen Kursrückgänge für Zukäufe“

- Redaktion Flossbach von Storch

Die ersten drei Monate des Jahres waren für global investierende Aktienanleger fordernd. Warum Portfoliomanager Michael Illig dennoch Chancen nutzte.

Herr Illig, im ersten Quartal hat US-Präsident Donald Trump immer wieder für Schlagzeilen gesorgt: erst mit einer Militäroperation in Venezuela, dann mit Drohungen gegen das Nato-Mitglied Grönland und schließlich mit gemeinsamen Luftangriffen mit Israel auf den Iran. Was bedeuten solche geopolitischen Spannungen für die Märkte?

Vor allem Unsicherheit. Besonders der Konflikt mit dem Iran hat die Lage verschärft. Insbesondere, weil die Energieinfrastruktur in benachbarten Golfstaaten betroffen war und die Straße von Hormus praktisch geschlossen wurde. Der Ölpreis zog daraufhin deutlich an – und das hat die Märkte belastet.

Trotzdem schloss der MSCI World das erste Quartal nur leicht im Minus. Eigentlich erstaunlich, oder?

Stimmt, auf den ersten Blick wirkt das recht moderat. Doch es gibt große Unterschiede innerhalb des Marktes. Einige Sektoren legten kräftig zu – allen voran Energie mit plus 39 Prozent. Gleichzeitig verlor etwa der Software-Subindex des MSCI World rund 23 Prozent.

War Hightech weniger gefragt?

Ganz im Gegenteil. Unabhängig von der geopolitischen Lage blieb Künstliche Intelligenz (KI) das dominierende Thema. Große Cloud-Anbieter wie Amazon, Apple, Meta und Microsoft haben ihre Investitionen weiter hochgefahren, was vor allem Halbleiteraktien Rückenwind gab. Gleichzeitig sorgten neue Produkte und Funktionen der führenden KI-Anbieter für Aufmerksamkeit. Als Anthropic dann branchenspezifische KI-„Plug-ins“ vorstellte – etwa für Kanzleien oder Banken – gerieten Anfang Februar jedoch viele Softwaretitel sowie Anbieter von Daten- und Analysetools unter Druck.

Haben Sie sich auch aus Software zurückgezogen?

Nein, teilweise sogar im Gegenteil: Wir haben zugekauft. Auch aus unserer Sicht verändert sich zwar der Softwarebereich, aber man muss differenzieren. Etablierte Unternehmen, die komplexe Arbeitsabläufe begleiten und tief in die Prozesse ihrer Kunden integriert sind, lassen sich unseres Erachtens nicht so leicht ersetzen. Hier sind die Hürden für Kunden hoch, das Produkt zu wechseln – auch aufgrund hoher operativer Risiken. Wenn die Anbieter KI-Funktionalitäten erfolgreich in ihre Produkte einbetten können, haben sie aus unserer Sicht gute Chancen, ihre Positionen zu verteidigen.

Haben Sie bei betroffenen Unternehmen bereits Anzeichen in den Zahlen wahrnehmen können, die Disruptionssorgen rechtfertigen?

Nein, zumindest nicht bei den Firmen in unseren Portfolios. Die Befürchtungen sind bislang eher theoretischer Natur und spiegeln sich nicht in den aktuellen Geschäftszahlen wider. Außerdem betrifft das Thema ohnehin nur einen kleineren Teil unserer Beteiligungen, die insgesamt sehr solide Fundamentaldaten zeigen.

Im ersten Quartal wurden gute Fundamentaldaten vom Markt aber nicht immer honoriert, oder?

Das stimmt. Der Markt hat sich in der Iran-Krise teilweise ungewöhnlich verhalten und wich in einigen Punkten von bekannten Mustern in anderen Risk-off-Phasen ab. So wie der Goldpreis zunächst nachgab, traf es bei Aktien auch defensive Bereiche wie Basiskonsum und Gesundheit, die eigentlich als besonders resilient gelten. Selbst niedrige Bewertungen konnten diese Titel nicht schützen.

Wie erklären Sie sich das?

Fundamental lässt sich das nur bedingt erklären. Viel spricht dafür, dass technische Faktoren eine große Rolle gespielt haben. Auffällig war, dass zunächst vor allem die zuvor stark gelaufenen Sektoren besonders stark nachgaben – und umgekehrt. Das deutet darauf hin, dass gehebelte, stark auf Momentum setzende Investoren Positionen auflösen mussten.

Wie reagieren Sie auf so ein Umfeld?

Wir prüfen natürlich genau, ob die niedrigen Bewertungen durch reale Risiken gerechtfertigt sind – und passen unsere Einschätzungen an, sofern es die Fakten erfordern. Wenn wir aber überzeugt sind, dass Risiken übertrieben eingepreist sind, nutzen wir solche Phasen konsequent für Zukäufe – auch wenn sich das kurzfristig nicht immer auszahlt. Langfristig folgen Aktienkurse aber den Gewinnen der Unternehmen, zeigt die Historie.

Sie bleiben also Ihrer qualitätsorientierten Strategie treu – auch in solchen Phasen?

Ja, unbedingt. Wir investieren gezielt in Unternehmen, denen wir zutrauen, auch über längere Zeiträume attraktive Erträge zu erwirtschaften. Sind deren Aktien – wie zuletzt vielfach der Fall – zu besonders niedrigen Bewertungen zu haben, mag dies kurzfristig auf der Wertentwicklung des Fonds lasten. Es eröffnet aber geduldigen Investoren attraktive Anlagechancen und stärkt unsere Zuversicht mit Blick auf die mittel- bis langfristigen Renditeaussichten. Und so viele günstig bewertete Aktien hervorragender Unternehmen wie derzeit haben wir am Markt jedenfalls seit vielen Jahren nicht mehr gefunden.

Herr Illig, vielen Dank für das Gespräch.


Glossar

Verschiedene Fachbegriffe aus der Welt der Finanzen finden Sie in unserem Glossar erklärt.

Zum Glossar 


RECHTLICHER HINWEIS

Diese Veröffentlichung dient unter anderem als Werbemitteilung.

Die in dieser Veröffentlichung enthaltenen Informationen und zum Ausdruck gebrachten Meinungen geben die Einschätzungen von Flossbach von Storch zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder und können sich jederzeit ohne vorherige Ankündigung ändern. Angaben zu in die Zukunft gerichteten Aussagen spiegeln die Zukunftserwartung von Flossbach von Storch wider, können aber erheblich von den tatsächlichen Entwicklungen und Ergebnissen abweichen. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit kann keine Gewähr übernommen werden. Der Wert jedes Investments kann sinken oder steigen und Sie erhalten möglicherweise nicht den investierten Geldbetrag zurück.

Mit dieser Veröffentlichung wird kein Angebot zum Verkauf, Kauf oder zur Zeichnung von Wertpapieren oder sonstigen Titeln unterbreitet. Die enthaltenen Informationen und Einschätzungen stellen keine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung dar. Sie ersetzen unter anderem keine individuelle Anlageberatung.

Diese Veröffentlichung unterliegt urheber-, marken- und gewerblichen Schutzrechten. Eine Vervielfältigung, Verbreitung, Bereithaltung zum Abruf oder Online-Zugänglichmachung (Übernahme in andere Webseite) der Veröffentlichung ganz oder teilweise, in veränderter oder unveränderter Form ist nur nach vorheriger schriftlicher Zustimmung von Flossbach von Storch zulässig.

Angaben zu historischen Wertentwicklungen sind kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen.

© 2026 Flossbach von Storch. Alle Rechte vorbehalten.