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Gesellschaft
7 Minuten

Der Nachfolger

- Redaktion Flossbach von Storch

Kevin Warsh wurde als neuer Chef der US-Notenbank bestätigt. Wer ist der Mann, auf den Donald Trump offensichtlich große Stücke hält?

Wer über Kevin Warsh redet, kommt nicht umhin, auch über Jerome Powell zu sprechen, den nun ehemaligen Chef der US Federal Reserve (Fed).

Warsh folgt auf Powell und, geht es nach US-Präsident Donald Trump, soll alles anders machen – besser. Viel besser. Im Trump’schen Sinne bedeutet besser vermutlich: Zinsen runter, und zwar möglichst schnell! Und möglichst deutlich!

Niedrige Zinsen sind gut für Schuldner. Das weiß der Immobilien-Investor Trump besser als die meisten anderen Politiker. Und das will was heißen…

Die Schulden der USA sind in den vergangenen Jahren immer weiter und immer schneller gewachsen. Ohne niedrige Zinsen werden sie sich dauerhaft nur schwerlich finanzieren lassen. Mit Sparen allein ist es nicht getan; zumal Sparen nicht zwingend zu den Kernkompetenzen eines US-Präsidenten gehört. In Zeiten des Krieges schon gar nicht.

Powell dagegen hat sich in seiner Amtszeit zuallererst als Hüter des US-Dollar verstanden, weniger als willfähriger Finanzier des Staatsapparates. Ein Verteidiger des Geldwertes – genauso, wie es sich für einen Notenbanker, den obersten der USA noch dazu, versteht. Genau das ist sein Job, vor allen anderen: die Inflation im Griff zu haben.

Powell tut, was sein Job ist …

Trump hat darauf mit der Zeit immer unwirscher reagiert. Auf spöttische Bemerkungen, Powell sei stets zu spät dran, folgten Beleidigungen, „Schwachkopf“ und „Verlierer“, folgten Ermittlungen wegen angeblich massiv überhöhter Kosten bei der Renovierung des Fed-Gebäudes in Washington. Trump wollte Powell unmöglich machen in der Öffentlichkeit – ihn herausekeln aus der Fed.

Nur hat der sich davon wenig beeindrucken lassen, ganz im Gegenteil. Powell hat die Tiraden des US-Präsidenten über sich ergehen lassen – und einzelne Spitzen zurückverteilt. Er hat die Unabhängigkeit der altehrwürdigen Fed verkörpert.

Powell wird nun Geschichte sein, zumindest als Vorsitzender der Fed. Die erste Notenbank-Sitzung wird Warsh im Juni leiten, so der Fahrplan.

Die Erwartungen Trumps an den Nachfolger dürften klar sein; Warsh soll im Wesentlichen das tun, was dem Willen und den Wünschen seines Fürsprechers entspricht. Aber wird der das auch genauso tun, wenn er denn erst auf Posten ist?

Warsh genießt einen ausgezeichneten Ruf. Geboren 1970 in Albany, New York, gilt er nicht als „klassischer Notenbanker“, wenngleich er bereits zwischen 2006 und 2011 Mitglied des Board of Governors der Fed war, also auch während der US-Subprime-Krise.

Ernannt wurde er vom damaligen US-Präsidenten George W. Bush – mit 35 Jahren ist Warsh damals eines der jüngsten Mitglieder des Boards gewesen. Bush schätzte vor allem dessen Vielseitigkeit, sein Gespür für Macht, Balance und den unschätzbaren Nutzen eines guten Netzwerkes. Die Ernennung Warshs wurde damals kritisch gesehen: geldpolitisch viel zu unerfahren, hieß es.

Warsh, der zuvor über Stanford University und Harvard Law School in die Finanzwelt zu Morgan Stanley gekommen ist, hat das wenig gestört. Es sei vielmehr Ansporn gewesen, es den Kritikern zu zeigen, sagen enge Wegbegleiter über die damalige Zeit.

Taube oder Falke?

Während der US-Subprime-Krise machte sich Warsh einen Namen als Vermittler zwischen Politik und Wall Street; aufgrund seiner guten Beziehungen verstand er die Sorgen und Nöte beider Seiten.

Interessant ist, dass er sich im Laufe seiner früheren Notenbank-Tätigkeit zum Falken entwickelt hat; regelmäßig verwies er auf die Risiken einer dauerhaft sehr expansiven Geldpolitik und einer immer weiter größer aufgeblähten Fed-Bilanz. Eine Haltung, die nicht zwingend zum Stellenprofil passt, das Trump für den künftigen Fed-Chef ausgeschrieben hatte.

Aber wie passt das zusammen?

Es finden sich verschiedene Interpretationsmöglichkeiten, wenngleich es stets die eine Klammer gibt: Warshs Anpassungsfähigkeit. Trump schätzt dessen Pragmatismus. Dogmen sind Warsh fremd. Und die Nähe zur Politik macht ihm nichts aus. Trump glaubt, Warsh leicht für sich gewinnen zu können, sei es aus Dankbarkeit dafür, dass der US-Präsident ihn als Fed-Chef nominiert hat.

Zudem gibt es familiäre Bande. Warshs Frau Jane Lauder Warsh ist die Tochter von Ronald Lauder, dem Milliardär und Erben des Estée-Lauder-Konzerns. Er gilt seit Jahren als enger Vertrauter Trumps. Von Lauder kommt auch der Vorschlag, Grönland von den Dänen zu kaufen ...

Ob das Verpflichtung genug ist für Warsh nach Trumps Pfeife zu tanzen, ist dennoch ungewiss. Auch Powell ist von Trump ernannt worden, während dessen erster Amtszeit. Vor nicht allzu langer Zeit hat der US-Präsident dann gesagt, dass sich die Kerle veränderten, sobald sie Fed-Chef seien.

Warsh ist zumindest flexibel.


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