04.08.2020 - Bert Flossbach

Aktien ohne Alternative


Aktien ohne Alternative
Bloomberg

Wir erleben eine historische Wirtschaftskrise – und die Börsen feiern eine Rally. Dauerhaft niedrige Zinsen machen Aktien von stabilen Unternehmen attraktiv, trotz Corona-Epidemie.

Die Erholung an den Aktienmärkten erscheint angesichts der allgemeinen Wirtschaftsschwäche in Zeiten der Corona-Pandemie und den geopolitischen Spannungen auf den ersten Blick schon fast surreal. Beim genaueren Hinsehen lässt sich dahinter allerdings eine Mechanik erkennen, die zu den steigenden Bewertungen vieler Aktien führt und deren langfristige Auswirkungen wohl noch längst nicht allen Anlegern bewusst sind.

Viele Staaten präsentieren in der aktuellen Krise milliardenschwere Konjunkturprogramme. Ein notenbankfinanziertes „Corona-Deficit-Spending“, das sich selbst der Volkswirt John Maynard Keynes nie hätte vorstellen können, zumal das Ganze auch noch zum Nulltarif finanziert werden kann. Eine Verschärfung der Corona-Pandemie dürfte fast zwangsläufig zu weiteren Rettungs- und Konjunkturpaketen führen, die mit der Corona-Notlage gerechtfertigt und dank Nullzins scheinbar kostenlos finanziert werden können. In Ländern mit negativen Anleiherenditen bedeuten zusätzliche Schulden sogar einen Sonderertrag für den Staatshaushalt. Und weil ein Ausstieg der Notenbanken aus der Tiefzinspolitik nicht mehr möglich ist, wird sich daran zukünftig kaum etwas ändern.

Niedrigzinsen in den USA

Wenn man das aktuelle Zinsniveau aber als dauerhaft ansieht, hat dies gravierende Konsequenzen für den Wert und damit das Kurspotenzial von Aktien. Dabei spielt der Umstand, dass nun auch das Zinsniveau beziehungsweise die Rendite von US-Staatsanleihen fast auf null gefallen ist, eine besondere Rolle. Denn US-Investoren setzen bei der Bewertung von Aktien die Rendite von US-Staatspapieren als den relevanten risikolosen Zins an. Das gilt nicht nur für US-Aktien, sondern auch für europäische oder japanische Werte. Da die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen in diesem Jahr sehr viel stärker gefallen ist als die Renditen in den anderen Währungsräumen und mit 0,6 Prozent zwischenzeitlich ein historisches Tief erreicht hat, wirkt sich der coronabedingte Zinsrückgang in den USA besonders stark auf die Bewertung von Aktien aus – und das weltweit.

Je mehr US-Investoren zu der Erkenntnis gelangen, dass das tiefe Zinsniveau von Dauer sein wird, umso stärker steigen auch die Bewertungen von Aktien. Hauptprofiteure dürften Titel von Unternehmen sein, deren Ertrag sich in der Krise als vergleichsweise resilient erwiesen hat und die langfristig überdurchschnittlich gute Wachstumsperspektiven aufweisen. Diese Covid-resistenten Aktien profitieren in besonderem Maße vom gefallenen Zinsniveau.

Privatanleger kaufen Aktien

Allein im ersten Quartal dieses Jahres wurden Millionen neuer Wertpapierkonten bei Brokern in den USA eröffnet. Viele Privatanleger haben den Börsencrash offensichtlich als günstigen Einstiegszeitpunkt in die Aktienwelt gewertet. Der Nullzins auf Konten und bei Geldmarktfonds dürfte die Entscheidung zum Aktienkauf erleichtert haben. Die rasche Erholung der Märkte und die teilweise spektakulären Kursgewinne einzelner Aktien haben diesen Trend verstärkt und im Laufe des Frühjahrs zunehmend das Spekulationsmotiv in den Vordergrund gerückt.

Ironischerweise würde eine Verschärfung der Corona-Krise die Attraktivität ertragsresilienter Aktien noch erhöhen, denn weitere Konjunkturprogramme und höhere Schulden wären die Folgen. Sollte durch das geld- und fiskalpolitische „all in“ die Inflation wieder zum Leben erweckt werden, käme die Flucht in Sachwerte noch als zusätzliches Anlagemotiv hinzu und könnte letztlich sogar die Oberhand gewinnen. Die Kombination aus hoher Inflation und künstlich tiefen Zinsen wäre zwar ein Traumszenario für Qualitätsaktien, hätte aber den bitteren Beigeschmack einer schrittweisen Entwertung der Spar- und Kontoguthaben breiter Bevölkerungskreise.

 

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