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Rekorde und die Realität

- Flossbach von Storch - Multiple Opportunities

Die Aktienmärkte profitierten von einer Entspannung des Nahost-Konflikts. Während KI-nahe Aktien ihre Rally fortsetzten, wurden viele solide Unternehmen kaum beachtet.

Im Juni unterzeichneten die USA und der Iran ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Kriegs, in dessen Folge die Straße von Hormus wieder geöffnet wurde. Die Ölpreise gaben daraufhin nach und fielen zeitweise auf das Niveau vor Kriegsbeginn zurück.

Getragen von der nachlassenden geopolitischen Unsicherheit näherten sich die Aktienmärkte wieder ihren Rekordständen. Unter der Oberfläche der einschlägigen Aktienindizes wurde deutlich differenziert – selbst innerhalb des Technologiesektors: Profitieren konnten nur Titel aus dem KI-Umfeld wie Speicherchip-Produzenten, die die Gewinnerliste anführten. Dass Investitionen in Rechenzentren und damit verbundene Umsätze und Gewinne der Hardware-Profiteure in immer größerem Ausmaß extrapoliert werden, mahnt allerdings zur Vorsicht.

Die Auswirkungen des Iran-Kriegs beschäftigen unterdessen die Geldpolitik. Die US-Notenbank beließ unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh den Leitzins zwar unverändert bei 3,50 bis 3,75 %, strich in ihrer Kommunikation aber die Aussicht auf Zinssenkungen. Obwohl von Präsident Trump nominiert, agiert Warsh bemerkenswert unabhängig und rückt die Bekämpfung der auf mehr als 4 % gestiegenen Inflation klar in den Vordergrund. Der US-Dollar wertete daraufhin auf und erreichte ein Einjahreshoch.

Die Europäische Zentralbank hob ihren Einlagensatz erstmals seit 2023 um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 % an, da der kriegsbedingte Energiepreisschock auch im Euroraum die Inflation über das Zwei-Prozent-Ziel getrieben hatte.

Für die Fondspreisentwicklung ergab sich im Juni insbesondere ein positiver Beitrag aus Einzelaktien im Konsumsektor, darunter Unilever, Reckitt Benckiser und Adidas. Gleichzeitig resultierte der größte positive Einzeltitelbeitrag aus der Beteiligung an Amphenol, einem Unternehmen, das Steckverbinder und Flachbandkabel unter anderem für Rechenzentren und Industrieanwendungen liefert.

Negativ schlug vor allem unsere Position in Gold zu Buche. Wir hatten Gold aufgrund der starken Kursentwicklung im ersten Quartal reduziert und halten momentan 8,3 % an Gold im Portfolio. Die Gründe für den Besitz von Gold bleiben trotz der Volatilität der letzten Monate unverändert bestehen.

Im Juni haben wir eine erste Position in Zoetis erworben, dem führenden Unternehmen im Bereich Tiergesundheit. Zudem haben wir die Position am Medizintechnikspezialisten Stryker weiter ausgebaut.

Auf der Aktienseite spiegelt sich wider, dass viele Unternehmen inzwischen sehr attraktiv bewertet sind, obwohl die Indizes auf Rekordständen notieren. Mit selektiven Anpassungen ist die Aktienquote im Portfolio auf zuletzt 82,8 % gestiegen. Während aus dem Boom im Bereich Künstliche Intelligenz eine Euphorie geworden ist und Börsengänge selbst kleine Unternehmen wie SpaceX zu den weltweit größten Börsennotierungen machen, ergeben sich zurzeit viele Chancen in traditionellen Unternehmen, die vom Markt ignoriert werden.

Da die Ertragsrenditen der von uns gehaltenen Aktien gestiegen sind, haben wir die Anleihequote im Vergleich zum Vormonat um knapp einen Prozentpunkt auf 2,3 % reduziert