Emerging-Markets-Aktien legten im Juni zu – getragen vor allem von Technologie- und Finanzwerten. Doch unter der Oberfläche zeigte sich ein uneinheitliches Bild. Droht gar eine Blasenbildung? Wie sich unser Emerging-Markets-Fonds im Juni geschlagen hat.
Emerging-Markets-Aktien konnten im Juni Zuwächse verbuchen, wobei diese erneut vor allem durch den Informationstechnologie-Sektor getragen wurden. Auch Finanzwerte wiesen eine positive Kursentwicklung auf, während alle anderen Sektoren rückläufig waren.
Auf Länderebene bildete Indonesien das Schlusslicht, nachdem weiterhin Unsicherheit darüber besteht, ob das Land auch zukünftig seinen Emerging-Market-Status durch den Indexanbieter MSCI aufrechterhalten kann. Der indische Aktienmarkt konnte hingegen zulegen. Hier wirkte sich ein stark gefallener Ölpreis positiv aus, nachdem sich eine Lösung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran abzeichnet. Der südkoreanische Aktienmarkt war durch eine stark gestiegene Volatilität gekennzeichnet.
Die erste Rede des neuen USNotenbankpräsidenten Kevin Warsh führte zu einem stärkeren US-Dollar und lastete auf Edelmetallpreisen und Emerging-Markets-Währungen. Die Aktie des taiwanesischen Auftragsfertigers für Halbleiterprodukte TSMC konnte erneut stark zulegen. Das Unternehmen verzeichnet weiterhin eine robuste Nachfrage, getrieben durch KI-bezogene Infrastrukturausgaben. Auch das Thema Agentic AI spielte eine zunehmende Rolle: Die steigende Popularität von Agentic AI hat die Nachfrage nach leistungsstarken Rechenchips nochmals verstärkt.
ASML profitierte ebenfalls von der starken Chipnachfrage. Auch die Aussage Elon Musks, dass ASML das wohl großartigste Unternehmen Europas sei, führte zu einem Kurssprung. Der Markt erwartet scheinbar, dass ASML eine zentrale Rolle im Terafab- Megaprojekt – einem Gemeinschaftsprojekt von SpaceX und Tesla zum Bau einer hochmodernen Chipfabrik in Texas – spielen könnte. Auch die soliden Zahlen des Speicherchip-Herstellers Micron, der gleichzeitig einen deutlich über den Erwartungen liegenden Ausblick gegeben hatte, trugen zu dem Kursaufschwung bei. Samsung Electronics profitierte im April von der anhaltend starken Nachfrage nach KI-Speicherchips. Das Vertrauen der Investoren in den laufenden HBM-Superzyklus wurde durch den erhöhten Halbleiterinvestitionsplan gestärkt. Hochleistungs-Speicherchips für KI-Anwendungen bleiben knapp und teuer.
Die Aktie des chinesischen E-Commerce-Anbieters Alibaba zählte hingegen zu den Verlierern. Einerseits ist die Stimmung gegenüber chinesischen Tech-Aktien allgemein schwach, da sich auch keine Belebung der Konsumnachfrage abzeichnet. Andererseits belasten die hohe KI-Investitionen mit unsicherer Amortisationsdauer die Profitabilität der Firma. Außerdem beschuldigte Anthropic Alibaba, einen großen „Distillation-Angriff" gegen seine Claude-Modelle durchgeführt zu haben, um proprietäre KI-Fähigkeiten zu extrahieren.
Die Aktie der panasiatischen Versicherung AIA gab ebenfalls nach. Hier belasteten Sorgen, dass Chinas Verschärfung grenzüberschreitender Investitionen den in Hongkong ansässigen Versicherer negativ treffen könnte. Dies ist relevant für AIA, da ein erheblicher Teil des Neugeschäfts in Hong Kong von Festland-Chinesen kommt. Dieses „Mainland Visitor Business“ ist ein Kernwachstumstreiber, der nun unter regulatorischem Druck geraten könnte.
Einen negativen Wertbeitrag lieferte auch die Aktie des brasilianischen Apothekenkettenbetreibers Raia Drogasil. Belastend wirkten vor allem zwei regulatorische Entwicklungen: Einerseits lag der offizielle Medikamentenpreisaufschlag zuletzt unterhalb der Inflationsrate, und andererseits wurde ein neues Gesetz verabschiedet, das vollwertige Apotheken in Supermärkten erlaubt. Dies könnte zu steigendem Wettbewerb führen.



