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Bonds in the Spotlight
6 Minuten

Fundierte Entscheidung

- Julian Marx

Die US-Notenbank senkt - trotz der anhaltenden Attacken und Forderungen des US-Präsidenten - die Leitzinsen nicht. Aus guten Gründen.

Die zweite Amtszeit des amtierenden US-Präsidenten Donald Trump war bislang von wiederholten Angriffen auf die Unabhängigkeit der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) geprägt.

Da wäre der Versuch Trumps, Lisa Cook im August vergangenen Jahres aus dem Fed-Vorstand zu entlassen. Zudem standen zahlreiche verbale Angriffe auf den Notenbankvorsitzenden Jerome Powell sowie seine ständigen Forderungen nach drastischen Zinssenkungen auf der Tagesordnung.

Den vorläufigen Höhepunkt der versuchten Einflussnahme markierte jedoch der 9. Januar dieses Jahres, als das US-Justizministerium dem Fed-Vorsitzenden mit einer strafrechtlichen Anklage drohte. Dabei ging es unter anderem um Aussagen Powells zu den mehrjährigen Renovierungsarbeiten historischer Bürogebäude der US-Notenbank.

Druck auf den US-Dollar

Ein derart konfrontatives Verhalten der Administration Trump dürfte insbesondere bei zahlreichen Auslandsinvestoren Unbehagen auslösen. Vor diesem Hintergrund könnte das Vertrauen in die Weltleitwährung weiter schwinden. Bereits in den vergangenen zwölf Monaten hat der „Greenback“ knapp die Hälfte seines Werts gegenüber Gold, der Währung der letzten Instanz, eingebüßt.

Die US-Notenbank gibt sich angesichts dieser Entwicklungen kämpferisch. Powell, dessen Amtszeit als Fed-Vorsitzender im Mai dieses Jahres ausläuft, betonte, dass es sich bei den jüngsten Drohungen gegenüber seiner Person um Vorwände handele, damit die Zinspolitik der Fed den Präferenzen des Präsidenten folge.

Gleichzeitig hob er hervor, dass er in seiner Fed-Laufbahn unter vier Regierungen, sowohl republikanischen als auch demokratischen, diente, und seine Aufgaben stets ohne politische Ängste wahrgenommen habe.

Im Ergebnis dürfte die erste Zinsentscheidung des Jahres unverändert und zuallererst durch geldpolitische Überlegungen begründet sein: Dabei trat die US-Notenbank nach drei Zinssenkungen zum Jahresende 2025 erstmals auf die Bremse und belässt die Leitzinsen unverändert in einer Bandbreite von 3,5 bis 3,75 Prozent.

US-Inflation: Auf der Zielgeraden?

Inflationsseitig fußte die gestrige Entscheidung weiter auf einer Mischung aus Optimismus und Vorsicht. Optimismus deshalb, weil sich der zugrunde liegende Inflationstrend weiter dem Inflationsziel von 2 Prozent annähern dürfte, wie etwa Fed-Direktoriumsmitglied Michelle Bowman bekräftigte.

So stiegen die Verbraucherpreise im Dezember 2025 bereits nur noch um 2,7 Prozent im Vorjahresvergleich. Zudem sei davon auszugehen, dass die Auswirkungen der Zölle auf die Wareninflation in den kommenden Monaten weiter nachlassen werden. Insofern befindet sich der Kampf gegen die Inflation nach Jahren mit zu hohen Teuerungsraten auf der Zielgeraden.

Nichtsdestotrotz könnte es sich als fahrlässig herausstellen, das Thema allzu leichtfertig beiseitezuschieben. Darauf wies Jeff Schmid, der Präsident der Federal Reserve Bank of Kansas City, hin. Er unterstrich jüngst die Sorge, dass die Fed Gefahr laufen könne, sich von einer Welt zu entfernen, in der die Inflation so niedrig und über einen längeren Zeitraum so stabil sei, dass sie keinen wesentlichen Einfluss auf die Entscheidungen von Haushalten und Unternehmen habe.

Wenngleich es sich hierbei um ein Randrisiko handelt, ist Schmids Sorge nicht komplett aus der Luft gegriffen. Denn die Inflationssorgen in der Bevölkerung sind heute deutlich präsenter als noch vor einigen Jahren, nachdem die Verbraucherpreisinflation mittlerweile 58 Monate über dem Zwei-Prozent-Ziel verharrt und das US-Preisniveau zuletzt rund 25 Prozent höher lag als vor fünf Jahren.

So basierte Schmids Argumentation unter anderem auf einer Umfrage, wonach im Jahr 2019 nur ein Prozent der Kleinunternehmen angaben, dass die Inflation ihr wichtigstes Problem sei. Im Dezember 2025 waren es hingegen zwölf Prozent. So gesehen erscheint es aus Notenbankersicht also durchaus ratsam, sich nicht zu früh auf den bereits erzielten Inflationserfolgen auszuruhen.

Gemischtes Bild am US-Arbeitsmarkt

Zumal der US-Arbeitsmarkt weiter keine alarmierenden Signale sendet, die drastische Zinssenkungen erforderlich machen würden. Zwar gibt es Anhaltspunkte für weiter gestiegene Abwärtsrisiken: So kamen im November auf jeden arbeitslosen US-Amerikaner, der auf Jobsuche war, nur 0,9 offene Stellen, und damit spürbar weniger als in den Vorjahren. Im Jahr 2024 kamen im Durchschnitt noch knapp 1,2 offene Stellen auf einen Arbeitslosen. Allerdings entspricht das aktuelle Niveau immer noch dem Durchschnitt der fünf Jahre vor Pandemiebeginn – erscheint im langfristigen Kontext also vereinbar mit einem soliden Arbeitsmarkt.

Weitere Indikatoren zeugen ebenfalls von einem gemischten Bild. Beispielsweise bewegt sich die Zahl der neuen Anträge auf Arbeitslosenunterstützung weiter nahe ihrem Rekordtief. Spiegelbildlich dazu zeichnet das Beschäftigungswachstum mit rund 50.000 neu geschaffenen Stellen im Dezember aber nach wie vor kein dynamisches Bild.

Ein positiver Aspekt in dieser Gemengelage ist, dass aktuelle Wirtschaftsprognosen derzeit eher keine weitere Eintrübung des US-Arbeitsmarkts signalisieren. Im Gegenteil prognostizierte der Internationale Währungsfonds jüngst ein US-Realwachstum von 2,4 Prozent in diesem Jahr. Hoffnungsfroh stimmen in diesem Zusammenhang ein zuletzt ordentliches Konsumwachstum und anhaltend starke Investitionsausgaben, insbesondere für IT-bezogene Investitionsgüter.

Der „richtige“ Zins ist ein dynamisches Ziel

Zu Beginn eines Jahres, in dem US-Präsident Trump einen neuen Fed-Vorsitzenden nominiert und sein Streben nach einer fiskaldominierten Geldpolitik weiterverfolgen dürfte, gehen die US-Notenbanker gewohnt ihrer Arbeit nach. Angesichts eines noch immer robusten Arbeitsmarkts und leicht erhöhter Inflationsraten sieht die US-Notenbank momentan keinen Anlass, den Zinspräferenzen des US-Präsidenten Folge zu leisten und startet mit einer Zinspause ins neue Jahr.

Inwiefern die Fed in den kommenden Sitzungen vom gegenwärtigen Leitzinsniveau abrücken könnte, hängt dabei natürlich von der weiteren Inflations- und Arbeitsmarktentwicklung ab. Doch auch weitere Überlegungen spielen eine Rolle, wenn es darum geht, die richtige Leitzinshöhe auszutarieren.

So sind die langfristigen Zinssätze derzeit spürbar höher als in den zehn Jahren vor der Pandemie. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen liegt bei etwa 4,2 Prozent, verglichen mit durchschnittlich 2,4 Prozent in den 2010er Jahren.

Unter sonst gleichen Bedingungen wäre zu erwarten, dass höhere Zinssätze die Investitionen drücken und die Ersparnisse in die Höhe treiben. Das ist jedoch nicht der Fall. Im vergangenen Jahr beliefen sich die US-Investitionen auf etwa 21,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und lagen damit etwa einen Prozentpunkt über dem Wert der 2010er Jahre.

Insofern hängt die angemessene Höhe der Leitzinsen stets von einer Vielzahl äußerer Rahmenbedingungen ab, die sich im Zeitverlauf ändern und über eine bloße Betrachtung reiner Inflations- und Arbeitsmarktkennziffern hinausgehen. In einem Umfeld, in dem milliardenschwere IT-Investitionen überwiegend von hochprofitablen Unternehmen mit prall gefüllten Kassen getätigt werden, ist ein Teil der Investitionen zwangsläufig weniger zinssensitiv.

Eine naheliegende Konsequenz derartiger Entwicklungen ist, dass sich die Bandbreiten, nach denen ein Zinsniveau als „neutral“ oder „restriktiv“ eingestuft wird, in den vergangenen Jahren verschoben haben. Auch deswegen bleibt die Wahl des „richtigen“ Zinses ein dynamisches Ziel, dessen angemessene Höhe laufend neu erarbeitet werden muss.

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