Der Anleihemarkt steht vor großen Herausforderungen. Die Papiere bis zum Ende halten und den Kuponzins aussitzen, reicht da nicht mehr. Jetzt ist eine aktive, globale und flexible Anlagestrategie gefragt.
Fixed Income, wie die Anlageklasse der Anleihen international genannt wird, klingt nach Stabilität. Ein berechenbares Einkommen ohne Risiken, wer möchte das nicht? Planbarkeit und Berechenbarkeit sprechen für die Anleihen, aber die Realität der vergangenen Jahre zeigt ein differenziertes Bild: Inflationsschocks, abrupte Zinswenden, geopolitische Spannungen. Hinzu kommen volatile Rohstoffpreise und eine strukturell steigende globale Verschuldung. Entwicklungen wie diese haben die Spielregeln im Anleihemarkt grundlegend verändert.
Zuletzt bewegte der Krieg im Iran die Märkte. Rasant steigende Ölpreise können massive Auswirkungen auf die Wirtschaft haben – nicht zuletzt, weil die Preise – nicht nur fürs Heizen und Tanken – steigen. Damit es zu nachhaltigen Auswirkungen auf die Inflation und den Zinsmarkt kommen kann, müsste die Ölkrise allerdings lange andauern. Ob die Verhandlungen der Kriegsparteien in den nächsten Wochen Erfolg haben werden und wann sich der Energiemarkt wieder normalisiert, bleibt abzuwarten. Fundierte Prognosen dürften hier wohl schwierig sein.
In einem solchen Umfeld entsteht Mehrwert bei Bonds nicht durch starres Indexdenken. Hier ist eine robuste Anlagestrategie gefragt, die sich über viele Jahre bewährt hat – in guten wie in schlechten Zeiten. Die Basis dafür ist pragmatisches, kaufmännisches Denken und Handeln. Klare Überzeugungen, Unabhängigkeit und aktives Management. Wir verstehen Anleiheinvestments nicht als Fixed Income, sondern als Active Income.
Was das aus unserer Sicht in der Praxis konkret bedeutet, haben wir einmal in sieben Kapiteln zusammengefasst.
1. Freiheit schafft Renditechancen
Die einschlägigen Benchmarks, die viele ETFs spiegeln, helfen dabei wenig. Die Logik klassischer Anleiheindizes ist einfach: Wer die meisten Schulden hat, erhält das höchste Gewicht. Für Investoren bedeutet das eine implizite Konzentration auf die größten Emittenten – unabhängig von deren Attraktivität.
Wir investieren wie gute Kaufleute. Preis und Leistung müssen stimmen. Wer am Anleihemarkt erfolgreich sein möchte, sollte die relativen Bewertungen der verschiedenen Marktsegmente genau analysieren und zwischen Sektoren und einzelnen Anleihen umschichten, wenn dies gerechtfertigt erscheint. Überbewertete Anleihen und Sektoren können so gemieden werden. Die Duration sollte mit Blick auf das Risiko-Ertrags-Verhältnis zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgerichtet werden, um das volle Potenzial auszuschöpfen, anstatt sich durch starre Vorgaben einschränken zu lassen. Wir steuern unsere Anleiheportfolios daher grundsätzlich benchmark-frei. Das bedeutet:
- Keine strukturelle Index-Orientierung.
- Keine künstlichen Gewichtungsvorgaben.
- Keine erzwungenen Allokationen.
Stattdessen steht allein die kaufmännische Chance-Risiko-Analyse im Mittelpunkt. Wo werden Risiken angemessen vergütet? Wo nicht? Wo entstehen Opportunitäten? Diese Freiheit ermöglicht es uns, Duration, Bonitätssegmente, Regionen und Risikoprämien aktiv und unabhängig zu steuern – mit einem klaren Ziel: langfristig möchten wir attraktive risikoadjustierte Erträge erzielen. Die Vorteile nutzen, die die Anlageklasse Anleihen zu bieten hat.
2. "Aktiv" investieren bedeutet: Position beziehen - und diese auch wieder verändern
Der Anleihemarkt ist geprägt von schnellen Stimmungswechseln und abrupten Regimewechseln. Das gilt nicht nur bei Öl- oder Covid-Krisen. Narrative kommen und gehen. Sie ändern sich oftmals schneller als erwartet – sei es durch neue Inflationsdaten, geldpolitische Signale oder geopolitische Ereignisse.
Vor diesem Hintergrund verstehen wir uns daher ausdrücklich nicht als Buy-and-hold-Investor. Wir sind Bond-Picker. Was bedeutet das in der Praxis? Aktives Management bedeutet für uns, Positionen konsequent aufzubauen, wenn das Chance-Risiko-Verhältnis überzeugt. Risiken gilt es hingegen zügig zu reduzieren, immer dann, wenn Bewertungen ausgereizt erscheinen. Oberste Priorität muss immer die Handlungsfähigkeit bleiben.
Dazu halten wir Liquidität dauerhaft strategisch vor, um auch in Stressphasen immer einsatzbereit zu sein. Nur so lassen sich Marktineffizienzen (die immer auch Chancen bieten können) gezielt nutzen. Unser Ziel: Wir reagieren nicht nur auf die Vorgaben der Märkte – wir agieren.
3. Global Investieren: Dort sein, wo das Chance-Risiko-Verhältnis überzeugt
Die Weltwirtschaft verläuft nicht synchron. Notenbanken befinden sich in unterschiedlichen Zinszyklen, Inflationsdynamiken divergieren, politische Risiken sind regional sehr verschieden. Gerade diese Asynchronität schafft Chancen. Ein globaler Ansatz bedeutet für uns, relative Bewertungsunterschiede zwischen den Regionen zu nutzen. Nur so lassen sich Opportunitäten nutzen, die in rein regionalen Strategien ungenutzt bleiben (müssen).
Dabei sollten die möglichen Risiken natürlich immer im Blick behalten werden. Wichtig ist etwa die aktive Steuerung von Währungs- und Durationsprofilen. Wir setzen niemals alles nur auf eine Karte: Nur eine breite Diversifikation, das sinnvolle Streuen möglicher Risiken, schützt in einer Welt zunehmender Verschuldung. Eine globale Aufstellung ist so nicht nur ein Renditetreiber – sie ist ein zentraler Stabilitätsfaktor, wenn Risiken bewusst diversifiziert werden.
4. Flexibilität als Schlüssel zur Robustheit
Letztlich sind aktives Portfoliomanagement und Flexibilität zwei Seiten derselben Medaille. Flexibilität zeigt sich nicht nur in der Allokation, sondern auch in der Wahl der Anlageinstrumente. Je nach Marktumfeld können unterschiedliche Bausteine einen entscheidenden Mehrwert liefern. Zuletzt zeigte sich das am Anleihemarkt ganz konkret, etwa bei ...
... Inflationsgeschützten Anleihen, die Absicherung und Opportunität kombinieren.
... Futures, Optionen und Zinsswaps (also Derivate, Finanzinstrumente, deren Wert sich an einem zugrunde liegenden Basiswert orientieren), die dabei helfen, Duration und Zinskurvenexponierung präzise zu steuern.
... einer gezielten Positionierung entlang der Laufzeitenstruktur, bei der es deutliche Bewegungen gab.
... der selektiven Nutzung attraktiver Risikoaufschläge im Investment-Grade-, Hybrid- oder High-Yield-Segment (die zeitweise auf historische Tiefststände fielen).
Wichtig ist immer, den Rahmen nicht zu verlassen. Wir sehen uns als langfristige Investoren, nicht als kurzfristige Spekulanten. Die genannten Instrumente setzen wir daher niemals dogmatisch ein. Wir agieren opportunistisch – aber immer mit Blick auf das Gesamtportfolio und dessen Robustheit.
5. Gegen den Strom
Die Basis einer aktiven Anlagestrategie am Anleihemarkt ist das bewusste antizyklische Handeln. Nur so lassen sich Chancen und Risiken ins Gleichgewicht bringen. Wenn sich die Risikoaufschläge in einem bestimmten Marktsegment stark ausweiten und die Unsicherheit plötzlich die Kaufentscheidungen vieler Marktteilnehmer dominiert, entstehen häufig die attraktivsten Einstiegsniveaus. Gleichfalls reduzieren wir Engagements, wenn Bewertungen ambitioniert oder überzogen erscheinen.
Wie sieht das in der Praxis aus? Zwei Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, wie unser Ansatz funktioniert.
Im April 2025 kam es zum „Liberation Day“ in den USA. Donald Trump betrat die Bühne und hielt einige Schilder in die Kameras, auf denen stattliche Zölle standen. Es folgten massive Unsicherheiten an den Märkten. Im eskalierenden Zollkonflikt positionierten wir unser Bondportfolio bewusst liquide, der Fokus lag auf guten Bonitäten. Als sich die Risikoaufschläge kurzfristig deutlich ausweiteten, nutzten wir die Opportunität, um Unternehmensanleihen im unteren Investment-Grade-Segment sowie selektiv im High-Yield- und Hybrid-Bereich taktisch aufzustocken. Dann realisierten wir die Gewinne, als die Ruhe am Markt zurückkehrte und sich die Renditeaufschläge bei schwächeren Bonitäten wieder normalisierten.
Zuvor gab es eine andere prägende Entwicklung. Im Nachklang der Covid- und Ukrainekrise stiegen die Inflation und in der Folge die Leitzinsen der Notenbanken rasant an. Im vierten Quartal 2023 kam es dann in den USA zu einer geldpolitischen Wende: dem „Fed-Pivot“, einer Zinswende, nach der die Renditen am Markt sanken. Bereits vor Jerome Powells „U-Turn“ haben wir die Duration des Portfolios erhöht. Als der Vorsitzende der Federal Reserve den Kurswechsel auf einer Pressekonferenz signalisierte, setzte eine Jahresendrally bei den Anleihekursen ein, von der wir substanziell profitieren konnten.
Die beiden Beispiele spiegeln unser Selbstverständnis bei allen Anlageentscheidungen. Wir möchten bei Marktbewegungen vorbereitet sein, flexibel handeln, Entscheidungen diszipliniert umsetzen.
6. Rendite ist kein Zufallsprodukt – sondern das Ergebnis aktiver Steuerung
Der Zinsmarkt bietet eine Vielzahl von Renditequellen. Dabei geht es nicht nur um die Kupons, den vom Emittenten garantierten jährlichen Zins auf den Nennwert einer Anleihe. Bonds können an einem globalen Markt gehandelt werden, und das täglich. Die Nachfrage spiegelt sich im Kurs einer Anleihe. Letztlich geht es immer darum, wie viel ein Käufer bereit ist, für ein Papier im Bestand zu zahlen. Erträge im Anleihemarkt entstehen aus unterschiedlichen Quellen, einige Beispiele wären:
- Zinsniveau und Duration
- Kreditrisikoprämien
- Währungsbeiträge
- Positionierung auf der Zinsstrukturkurve, die verschiedene Laufzeiten abbildet
- Liquiditätsprämien
- Relative-Value-Chancen, die sich ergeben können, wenn es große Preisunterschiede bei ähnlichen Anleihen am Markt gibt
Aktives Management bedeutet, diese Ertragsquellen bewusst zu orchestrieren – und nicht passiv zu akzeptieren. Wie in einem guten Konzert müssen alle Instrumente zusammenspielen, nur dann entsteht Musik und ein Gesamtkunstwerk.
Bei jeder unserer Anlageentscheidungen entscheiden wir daher ganz gezielt, in welchen Währungsräumen wir Duration aufbauen und in welchen Laufzeiten wir investieren. Es geht immer auch darum, in welchen Bonitätssegmenten wir Risikoprämien vereinnahmen und wann wir das Risiko reduzieren und unser Kapital sichern. Nur so kann aus Fixed Income ein dynamisch gesteuertes Ertragsportfolio werden.
7. Welt im Wandel
Eine Anlagestrategie muss sich in verschiedenen Marktumfeldern bewähren. Renditebetrachtungen von ein paar Monaten helfen aus unserer Sicht da nicht weiter. Nicht umsonst verzichten wir seit jeher konsequent auf Kurzfristprognosen, geben keine Kalenderjahresausblicke. Wir glauben, dass diese für den langfristigen Anlageerfolg nicht nur obsolet sind, sondern diesen sogar gefährden können.
Nichts bleibt, wie es ist. Was Politiker gerne als Zeitenwende, Epochenbruch oder Jahrhundertkrise bezeichnen, gibt es immer wieder. Inflationen kommen und gehen, Hoch- und Niedrigzinsen wechseln sich über lange Zeiträume ab. Trotzdem sahen wir zuletzt einige grundsätzliche Veränderungen. Die Anleihemärkte sind heute wesentlich komplexer und volatiler als noch vor einer Dekade. Inflation ist kein theoretisches Risiko mehr, die Verschuldungsdynamiken der Industrieländer sind strukturell und geopolitische Risiken dauerhaft präsent.
In einem bewegten Umfeld wird Passivität selbst zu einem Risiko. Active Income bedeutet (kurz zusammengefasst) für uns:
- Die Unabhängigkeit von Benchmark-Zwängen.
- Globale Diversifikation und ein Fokus auf Opportunitäten, die sich weltweit bieten können
- Ein antizyklisches Handeln.
- Eine konsequente und flexible Risiko-Ertrags-Orientierung.
Unser aktiver, globaler und flexibler Ansatz schafft aus unserer Sicht die Grundlage für robuste Portfolios und nachhaltige Mehrerträge. Denn Rendite im Anleihemarkt ist heute nicht mehr „fixed“. Sie ist das Ergebnis klarer Überzeugungen und aktiver Entscheidungen.
Letztlich geht es immer darum, im Laufe der Zeit in allen wahrscheinlichen Szenarien eine ansprechende Wertentwicklung zu erreichen. Das bedeutet nicht, zu jedem Zeitpunkt immer das richtige Szenario zu treffen. Der Wunsch, jederzeit positiv abzuschneiden, ist oftmals das größte Hindernis beim Erreichen des Ziels, eine exzellente Wertentwicklung zu bieten.
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