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Multi Asset | Geldanlage
6 Minuten

Warum sich Multi Asset wieder lohnt

- Stephan Fritz

Seit der Zins zurück ist, können Multi-Asset-Strategien ihre Stärken ausspielen. Im aktuellen Kapitalmarktumfeld sind das keine schlechten Nachrichten.

Die Aktienindizes sind zuletzt von einem Hoch zum nächsten geeilt, angetrieben von den großen Tech-Konzernen. Von jenen Unternehmen, die vermeintlich am meisten von den Errungenschaften der künstlichen Intelligenz profitieren - und deshalb gigantische Summen in die Entwicklung eben jener investieren. Nvidia etwa, Meta oder Alphabet.

Die Frage ist: Werden sich die Investitionen langfristig lohnen? Sind die gewaltigen Investitionen von heute ebensolche Erträge von morgen? Oder mit Blick auf die einzelnen Unternehmen: Sind die Profiteure von heute auch die großen Gewinner von morgen?

Geht es nach der Börse, dann sind sie das. Die Bewertungen einzelner Titel haben mittlerweile Niveaus erreicht, die sehr viel Gutes, wenn nicht das Allerbeste reflektieren. Und ja, es ist gut möglich, dass sich die Rallye noch fortsetzt. Die Fallhöhe ist aber definitiv größer geworden. Oder anders ausgedrückt: Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der ein oder andere Aktienkurs vom jetzigen Niveau aus abermals verdoppelt, ist womöglich deutlich niedriger, als dass er sich halbiert.

Sollte der KI-Hype abrupt enden, hätte das nicht nur massive Folgen für die „Highflyer“, sondern auch für die breiten Aktienindizes, die zunehmend dominiert werden von nur wenigen Schwergewichten aus der Tech-Industrie. Ein Vergleich mit dem Internet-Hype zur Jahrtausendwende – und dessen schmerzhaftem Ende – drängt sich geradezu auf. Auch wenn sich Geschichte selten wiederholt, manchmal reimt sie sich…

Zölle kosten Wachstum

Hinzu kommt eine latente, von US-Präsident Donald Trump ausgehende Unsicherheit. Dessen Zollpolitik kostet nicht nur Wachstum weltweit, sie schafft vor allem auch Unsicherheit. Nichts hassen Unternehmen mehr. Planungssicherheit ist die Grundlage für jedwede Investitionsentscheidung. Trump schert das wenig. Er wird Zölle auch in Zukunft als politisches Druckmittel einsetzen – wann immer es ihm passt. Heißt: Für die Kapitalmärkte bleibt der US-Präsident ein latentes Risiko.

Um keinen falschen Eindruck zu vermitteln: Wir sind keine Freunde von Schwarzmalerei. Wer heute die Aktien guter Unternehmen kauft, wird sich in zehn Jahren vermutlich nicht darüber ärgern – ganz im Gegenteil. Der Weg dorthin könnte aber deutlich steiniger werden, als er das in den vergangenen fünf Jahren war. Insofern kann ich sehr gut nachvollziehen, wenn Anleger dieser Tage vorsichtig sind, mitunter verunsichert.

Unser Ratschlag ist deshalb ein universeller: Stellen Sie Ihr Vermögen möglichst breit auf, unabhängig vom Kapitalmarktumfeld. Verteilen Sie es auf verschiedene Anlageklassen, Einzeltitel und Währungsräume und reduzieren Sie so langfristig die Kapitalmarktrisiken – ohne dabei sämtliche Renditepotenziale zu opfern.

Anleihen taugen wieder als Renditebringer

Heute funktioniert ein solcher „Multi-Asset-Ansatz“ im Übrigen sehr viel besser als noch vor einigen Jahren, weil sich angesichts des höheren Zinsniveaus das Chancen-Risiko-Profil von Anleihen spürbar verbessert hat. Anders ausgedrückt: Mit Bonds lassen sich derzeit wieder Renditen (Zinskupon plus potenzielle Kursgewinne) erwirtschaften, die ausreichend hoch sind, um die Inflation auszugleichen, also Vermögen real zu erhalten.

Insbesondere für konservative Anleger mit defensiver Multi-Asset-Strategie (und damit einem hohen Anleihenanteil) sind das gute Nachrichten. Die Chancen einer solchen Strategie sind heute weit höher als in Zeiten von Null- und Negativzinsen. Damals überwogen die Risiken, weil das Renditepotenzial nahe der Nulllinie logischerweise begrenzt war.

Wozu das geführt hat, mussten gerade konservative Anleger 2022 leidvoll erfahren; ein solches Jahr war aber die Ausnahme, nicht die Regel.

Heute können Anleihen ein breit diversifiziertes Vermögen wieder stabilisieren, indem sie in turbulenten Börsentagen die Kursverluste am Aktienmarkt zumindest abfedern.

Aktien braucht es unseres Erachtens trotzdem; das gilt auch für konservative Anleger. Unternehmensbeteiligungen bieten langfristig das höchste Renditepotenzial – auch in Zukunft dürfte das so sein. Die Frage ist: Welche Aktien sollten im Fokus stehen?

Langweiler im Fokus

Wir sind vorsichtig bei Hype- und Trendthemen. Ja, KI wird unser Leben nachhaltig verändern. Wir maßen uns aber nicht an, beurteilen zu können, welche Unternehmen davon langfristig am stärksten profitieren werden.

Fantasie und Hoffnungen können die Renditen in schwindelerregende Höhen treiben. Nur lässt sich weder das eine noch das andere einigermaßen verlässlich rechnen – schon gar nicht in einem so disruptiven Bereich wie der Tech-Industrie.

Und wenn sich die Hoffnungen eben nicht erfüllen, reagiert die Börse unerbittlich, so wie sie es immer wieder getan hat in der Vergangenheit.

Wir schauen stattdessen auf Unternehmen und Geschäftsmodelle, deren langfristige Erträge sich relativ verlässlich vorhersagen lassen. Das sind dann in der Regel Unternehmen mit moderatem Wachstumspotenzial, „Langweiler“, wie es so schön heißt. In Hype-Phasen wie dieser werden sie oft links liegen gelassen von den Investoren. Aktien von Konsumgüterherstellern beispielsweise notieren nahe ihrer Zehnjahrestiefs.

Langfristig dürfte sich das ändern, wenngleich es heute all jenen „weh tut“, die überwiegend diese Titel in ihrem Depot haben. Sie schauen den Kursen der Tech-Lieblinge hinterher, während die eigenen kaum vom Fleck kommen oder gar zurückfallen.

Es ist deshalb immens wichtig, in diesen Phasen einen kühlen Kopf zu bewahren und die eigene Strategie nicht leichtfertig über Bord zu werfen. Solche Phasen hat es in der Vergangenheit immer wieder gegeben – und sie wird es auch in Zukunft geben. Als langfristig denkende Investoren nehmen wir das seit jeher billigend in Kauf.

Ein wichtiger Baustein eines breit aufgestellten Vermögens sollte zudem Gold sein (physisch wie nicht physisch). Gold ist die Währung der letzten Instanz und damit eine Versicherung gegen die Risiken des Finanz- und Geldsystems. Wir hoffen, sie niemals vollumfänglich in Anspruch nehmen zu müssen, sind aber heilfroh, sie „abgeschlossen“ zu haben.

Der Kommentar erschien zuerst am 01.01.2026 in AssCompact, dem Fachmagazin für Risiko- und Kapitalmanagement.

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