Nach der jüngsten Korrektur konnten Aktien aus den aufstrebenden Volkswirtschaften im April wieder deutlich zulegen. Regional gab es aber deutliche Unterschiede, wie der Monatsbericht unseres Emerging-Markets-Fonds zeigt.
Der April markierte eine bemerkenswerte Trendwende: Nach dem heftigen Ausverkauf im März erholten sich Emerging‑Markets‑Aktien deutlich und erreichten gemeinsam mit dem US‑Aktienindex S&P 500 neue Allzeithochs. Damit ließen die aufstrebenden Volkswirtschaften die entwickelten Märkte im Monatsverlauf klar hinter sich.
Ausschlaggebend war weniger eine fundamentale Verbesserung als vielmehr eine geopolitische Entspannung: Ein Anfang April vereinbarter Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran reichte aus, um die Märkte in einen Risk‑on‑Modus zu versetzen und die eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Wiedereröffnung der Straße von Hormuz spürbar zu erhöhen.
Die größten Gewinner waren erwartungsgemäß die technologielastigen Märkte. Südkorea und Taiwan profitierten von starken Gewinnen entlang der KI‑Lieferketten, getrieben durch erneut angehobene Investitionspläne der US‑Hyperscaler. Die Gewinnrevisionen fielen entsprechend drastisch aus – für Südkorea wurden die EPS‑Schätzungen der Gewinne je Aktie für 2026 und 2027 substantiell erhöht.
Indien und Brasilien lieferten ebenfalls positive Beiträge, gestützt durch robustes Wachstum und starke Rohstoffexporte nach China. Mexiko und Südafrika blieben vergleichsweise unauffällig, während China trotz eines ordentlichen Exportwachstums mit anhaltend schwacher Binnennachfrage zu kämpfen hat.
Bei den Kapitalflüssen kehrte nach dem schwachen März eine gewisse Stabilisierung ein. Emerging‑Markets‑Fonds verzeichneten netto Zuflüsse, allerdings fast ausschließlich über passive ETF‑Vehikel. Aktive Fondsmanager sahen weiterhin Abflüsse, was auf ein selektives und taktisches Investorenverhalten hindeutet.
Samsung Electronics profitierte im April von der anhaltend starken Nachfrage nach KI‑Speicherchips. Das Vertrauen der Investoren in den laufenden HBM‑Superzyklus wurde durch den erhöhten Halbleiterinvestitionsplan gestärkt. Für 2026 sind Investitionen von mehr als 73 Milliarden US‑Dollar in die HBM4‑Fertigung, neue Foundry‑Kapazitäten sowie Forschungs‑ und Entwicklungsaktivitäten geplant.
Die Aktie des taiwanesischen Auftragsfertigers für Halbleiterprodukte TSMC konnte ebenfalls deutlich zulegen. Das Unternehmen meldete für das erste Quartal einen Gewinnanstieg von knapp 60 % und damit ein Rekordergebnis – bereits das vierte in Folge. Der KI‑Rückenwind durch steigende Hyperscaler‑Investitionsausgaben (Capex) beflügelte die Aktie zusätzlich.
ASML übertraf im ersten Quartal die Erwartungen und hob die Jahresprognose an. Der CEO verwies auf KI‑Infrastrukturinvestitionen als zentralen Treiber und betonte, dass die Chipnachfrage derzeit das Angebot übersteigt.
Tencent hinkte dem breiten Emerging‑Markets‑Rebound trotz solider Fundamentaldaten hinterher. Der Kurs liegt weiterhin deutlich unter dem 52‑Wochen‑Hoch. Da die Quartalszahlen erst Mitte Mai berichtet werden, fehlte im April ein fundamentaler Kurstreiber, während Investoren ihr Kapital verstärkt in die boomenden Halbleiterwerte umschichteten.



