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Die Bewertungen im Blick

- Flossbach von Storch - Dividend

Der Krieg im Nahen Osten lässt weiter auf sich warten. Im Mai trieben neuerliche Hoffnungen auf die Künstliche Intelligenz die Kurse. Hier ist bei den Anlegern auf Sicht wohl Disziplin gefragt, wie die Monatsbilanz unseres Dividendenfonds zeigt.

Auch im Mai gab es noch keinen belastbaren Frieden im Nahen Osten – trotz zahlreicher divergierender Ankündigungen der handelnden Politiker beider Seiten.

Erneut war allerdings Euphorie um Datencenter-Investitionen im Zuge des Ausbaus der Künstlichen Intelligenz der zentrale Treiber der großen Aktienindizes. Der globale Aktienindex MSCI World stieg im Berichtsmonat um rund 5 %. Dabei legte der Subindex Halbleiter und Halbleiterausrüstung um mehr als 16 % zu, wobei die Euphorie in einigen Fällen in Überschwang zu kippen schien: So legten die Aktien der beiden Speicherchiphersteller Micron (USA) und SK Hynix (Südkorea) um knapp 90 % bzw. knapp 80 % zu, und verhalfen beiden Unternehmen erstmals zu einer Marktkapitalisierung über eine Billion US-Dollar.

Die historisch sehr zyklische Branche profitiert momentan von einer stark gestiegenen Nachfrage, die auf begrenzte Produktionskapazitäten stößt, und zu erheblichen Preisanstiegen ihrer Produkte geführt hat. Die Aktie von Dell, dem Hersteller von Computern, Monitoren und weiterer Hardware, konnte sich im Mai gar mehr als verdoppeln. Die aktuell sehr hohe Nachfrage nach Servern des Unternehmens durch den Ausbau von Datenzentren beflügelt nicht nur das Umsatzwachstum, sondern auch die historisch eher niedrige Marge.

Die Gewinnanstiege der Firmen sind real und beeindruckend, die Marktreaktion deutet für uns jedoch auf eine zunehmend überschwängliche Euphorie hin. Aktuelle Profiteure des Investitionsbooms um KI werden hochgejubelt, während der Boom dieser Aktien anderen Teilen des Marktes den Sauerstoff zu entziehen scheint. Dies führt zu einer immer extremeren Divergenz, bei der Bewertungen vieler gut aufgestellter, aber weniger spektakulär wachsender Unternehmen im historischen Kontext ausgesprochen günstig sind, während andere Teile des Marktes von Euphorie getragen immer höhere Erwartungen einpreisen.

Kurzfristig könnte die Euphorie durchaus noch „Beine haben“. Die geplanten Mega-Börsengänge von Space-X (bereits im Juni) sowie die von OpenAI und Anthropic geben vielen Beteiligten – neben den Firmen selbst auch ihren Zulieferern sowie Investmentbanken – einen starken Anreiz, die Euphorie weiter mit guten Nachrichten und positiven Prognosen zu befeuern.

Wir erwarten auch, dass die Investitionen in Datenzentren noch einige Jahre auf sehr hohem Niveau bleiben werden, und die bei den Börsengängen eingesammelten Gelder hier eifrig investiert werden. Das Ausmaß der aktuellen Euphorie sowie der Divergenz am Markt, in Verbindung mit teils sehr hohen Bewertungen bei KI-Profiteuren, mahnen aus unserer Sicht aber zur Vorsicht, im Portfolio eine gesunde Diversifikation zu wahren – auch wenn diese sich zuletzt nicht ausgezahlt hat.