13.08.2019 - Thomas Lehr

Warum uns Handelskonflikte keine Angst machen sollten


Der Zollstreit zwischen den USA und China verunsichert viele Anleger. Sollen wir deshalb Aktien meiden? Nur Mut! Qualität setzt sich durch. Ein Plädoyer fürs langfristige Investieren.

Der Konflikt der USA mit China schreckt aktuell viele Anleger. Eine protektionistische Auseinandersetzung der beiden größten Volkswirtschaften der Welt hat selbstverständlich das Potenzial, ganze Wertschöpfungsketten zu zerstören. Ein weiter eskalierender Handelskrieg hätte natürlich auch Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum, in den USA, China und der restlichen Welt.

Aus unserer Sicht erscheint es aber beinahe unmöglich, den Fortgang dieses Konfliktes seriös zu prognostizieren. Es geht auf lange Sicht nicht „nur“ um Zölle, sondern um die technologische, politische und ökonomische Hegemonie unter den Weltmächten. Einerseits erscheint der erratische US-Präsident (nicht nur im Wahlkampf) völlig unberechenbar. Andererseits hat eben dieser Präsident seiner Wählerschaft Wohlstand und Jobs versprochen. Ein Konjunktureinbruch und Kurssturz am Aktienmarkt würden die Bilanz seiner Amtszeit zerstören. Ein solches Szenario gefährdet Trumps Wiederwahl.

Investieren ohne Kristallkugel

Über den Ausgang des Konfliktes lässt sich trefflich streiten. Wir orientieren uns an den Fakten. Für die Marktteilnehmer ist das Thema alles andere als neu. Schon seit mehr als anderthalb Jahren sorgt es für Verunsicherung. Zyklische Aktienindizes wie beispielsweise der deutsche Leitindex Dax haben in dieser Zeit deutlich nachgegeben. Zu einem gewissen Teil spiegelt das Kursniveau diese Verunsicherung also bereits wider. Aktien von konjunkturabhängigen Unternehmen erscheinen, mit Blick auf Gewinnrenditen und Kurs-Gewinn-Verhältnisse, selbst im langjährigen Vergleich inzwischen sogar günstig.

Defensivere Titel von Unternehmen, die nicht nur in Wachstumszeiten stabile Erträge erwirtschaften, sind weniger stark betroffen. Selbst für einen Anleger, der vor zwei Jahren auf eine kontinuierliche Eskalation mit immer neuen Zöllen gesetzt hat, hätte sich ein Investment in den Aktienmarkt lohnen können.

Oder zugespitzt formuliert: Wer hätte etwa vor zwei Jahren in den Aktienmarkt investiert, wenn er gewusst hätte, dass der Streit zwischen China und den USA eskaliert? Und wer würde sich heute in der Rückschau nicht darüber ärgern, nicht investiert zu haben, obwohl es eben diese Eskalationen gab? Der Aktienindex MSCI Welt legte in den vergangenen zwei Jahren knapp 20 Prozent zu (in Euro, inklusive Dividenden). Folgende Übersicht zeigt die Maßnahmen der US-Regierung und belegt, dass die „Handelspolitik“ Trumps vor allem von Eskalation und Deeskalation geprägt ist.


Der „Trumpsche Protektionismus“ im Zeitablauf

 

7. Februar 2018

Waschmaschinen- und Solarzölle läuten das Zeitalter des „Trumpschen Protektionismus“ ein.

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23. März 2018

Aus „Gründen der nationalen Sicherheit“ erheben die USA fortan Zölle in Höhe von 25% auf Stahl- und Aluminiumimporte – wesentlichen Handelspartnern (insbesondere EU, Kanada, Mexiko) wird noch ein (Verhandlungs-)Aufschub bis Inkrafttreten gewährt.

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1. Juni 2018

Inkrafttreten der US-Zölle auf Stahl und Aluminium für die EU, Kanada und Mexiko.

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6. Juli 2018

Die USA eröffnen den US-chinesischen Handelskonflikt und erheben einen Zoll von 25% auf Warenimporte mit einem geschätzten Handelsvolumen von 50 Mrd. US-Dollar.

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24. September 2018

Nachdem China Gegenmaßnahmen implementierte, werden nun weitere chinesische Importe mit einem Zoll von 10% belegt (Handelsvolumen von 200 Mrd. US-Dollar), der sich per 1. Januar 2019 auf 25% erhöhen sollte.

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30. November 2018

Abschluss des United States-Mexico-Canada Agreements (USMCA) – einer Modifikation des zuvor bestehenden Freihandelsabkommens NAFTA.

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10. Mai 2019

Die ursprünglich für den 1. Januar 2019 angekündigte Erhöhung der Zolltarife auf chinesische Warenimporte mit einem Handelsvolumen von 200 Mrd. US-Dollar tritt in Kraft.

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16. Mai 2019

Die USA setzen Huawei auf die Schwarze Liste, die den Handel von US-Unternehmen mit dem chinesischen Telekommunikationsriesen aus „Gründen der nationalen Sicherheit“ unterbinden soll.

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20. Mai 2019

Aufhebung der US-Zölle auf kanadische und mexikanische Stahl-/Aluminiumimporte.

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31. Mai 2019

Androhung Trumps, mexikanische Warenimporte ab dem 10. Juni mit einem Zolltarif von 5% zu belegen, der sukzessive auf bis zu 25% ansteigen kann.

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8. Juni 2019

Trump informiert via Twitter, dass man mit Mexiko eine Einigung im Grenzstreit erzielen konnte. Die angedrohten Zölle werden damit auf unbestimmte Zeit nicht implementiert.

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29. Juni 2019

Xi und Trump verständigen sich auf einen vorläufigen „Waffenstillstand“, d.h. beide Seiten sehen zunächst von weiteren Zöllen ab, China sichert den Kauf amerikanischer Agrarprodukte zu, der Huawei-Bann wird im Gegenzug gelockert und die Verhandlungen werden wieder aufgenommen.

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1. August 2019

Die Ruhe im Handelskonflikt währt nur kurz. Trump beabsichtigt die verbleibenden US-Warenimporte aus China (ca. 300 Mrd. US-Dollar Handelsvolumen) mit Strafzöllen in Höhe von 10% zu belegen, die ab dem 1. September 2019 gelten sollen.

 

Quellen: Federal Register, U.S. Customs and Border Protection, Twitter, Flossbach von Storch, Stand: 4. Juli 2019


Wir spekulieren nicht, sondern investieren langfristig. Der Horizont beträgt mehr als fünf Jahre, besser zehn. Auf Basis unseres anlagestrategischen Weltbildes und unserer Investmentleitlinien stellen wir unsere Depots robust auf. Das tun wir grundsätzlich, denn das ist der Kern unserer Anlagephilosophie. Kurzfristige Kursschwankungen gehören dazu, Absolute Return, das Vermögen erhalten und mehren, kann aus unserer Sicht nur langfristig funktionieren.

Die Grundsatzfrage stellen

Als aktiver Vermögensverwalter investieren wir nicht in den breiten Markt, sondern in einzelne Unternehmen. Wir konzentrieren uns auf Geschäftsmodelle, von denen wir überzeugt sind, dass sie auch turbulentere Phasen überstehen. Das Management sollte in der Lage sein, Antworten auf die Herausforderungen der Zeit zu finden, denn Gegenwind kann von vielen Seiten kommen. Heute ist es der Handelskonflikt, morgen der Brexit – und in der Zukunft erfordern vielleicht noch unbekannte Technologien die Neuaufstellung eines gesamten Geschäftsmodells. Herausforderungen gab es und wird es immer geben. Wer deswegen nicht mehr investiert, unterstellt, dass die Risiken langfristig größer sind als die Chancen. Tatsächlich war es aber immer umgekehrt. Daran kann auch Donald Trump nichts ändern.

 

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