Der Wertzuwachs bei Vermögenswerten übersteigt derzeit auf Zwölf-Monatssicht die Inflation, zeigt Philipp Immenkötter vom Flossbach von Storch Research Institute.
Herr Immenkötter, wie hat sich der Flossbach von Storch-Vermögenspreisindex für Deutschland im ersten Quartal entwickelt und was bedeutet das?
Philipp Immenkötter: Die Vermögenspreisinflation ist seit dem Ende des ersten Quartals um 2,6 Prozent gestiegen, verglichen zum Vorjahr. Und das sollte alle interessieren, die Vermögen aufbauen oder für das Alter vorsorgen und dafür regelmäßig in Vermögensgüter investieren oder das in Zukunft beabsichtigen. Zu den Vermögensgütern zählen beispielsweise Immobilien, Betriebsvermögen, aber auch Aktien und Anleihen. Die Vermögenspreisinflation beschreibt den Kostenanstieg für solche Investitionen.
Dann zeigt diese Entwicklung also, dass es sich lohnt, Vermögen aufzubauen, weil man dann vom Vermögenspreisanstieg profitiert – zumindest kurzfristig?
Ja. Die Vermögenspreisinflation beschreibt den Wertzuwachs, von dem man beispielsweise bei einem Verkauf profitieren würde. Das bedeutet aber leider für jene, die jetzt beginnen, Vermögen aufzubauen, dass der Einstieg entsprechend teurer ist als vor einem Jahr.
Es zeigt aber auch, dass es über diesen Zwölf-Monats-Zeitraum keine gute Idee war, beim Aufbau von Vermögen abzuwarten. Wie sieht es diesbezüglich längerfristig aus?
Der Flossbach von Storch Vermögenspreisindex verfolgt die Entwicklung seit 2005. In diesem Zeitraum sind die Vermögenspreise um 75 Prozent gestiegen, die Verbraucherpreise legten im selben Zeitraum, trotz der zwischenzeitlich rekordhohen Inflation nach der Corona-Pandemie, um etwa 51 Prozent zu.
Mit Investitionen in Vermögenswerte konnten also Kaufkraftverluste der herkömmlichen Inflation mehr als ausgeglichen werden. Das klingt doch beruhigend für Anlegerinnen und Anleger.
Zumindest für die, die bereits investiert sind. Die Vermögenspreisinflation verstärkt leider auch die Kluft zwischen wohlhabenden Haushalten und solchen mit geringem Vermögen, da es für letztere zunehmend schwieriger wird aufzuschließen. Ende des ersten Quartals 2026 mussten private Haushalte 75 Prozent mehr für Vermögensgüter zahlen als noch zu Beginn der Zeitreihe im Jahr 2005. Der reale Lohnanstieg lag in dem Zeitraum bei lediglich 15 Prozent. Außerdem verlief der Anstieg der Vermögenspreise nicht kontinuierlich.
Inwiefern?
Bis 2021 verhalf insbesondere das niedrige Zinsniveau zu einem kontinuierlichen Plus bei den Vermögenspreisen, das regelmäßig höher ausfiel als bei der Verbraucherpreisinflation. Doch nach dem Ende der Pandemie begannen 2022 die Verbraucherpreise massiv anzusteigen und die Zinsen wurden angehoben. Und so steigen die Vermögenspreise erst seit dem ersten Quartal 2024 wieder.
Gab es denn Vermögensklassen, die im ersten Quartal besonders stark zulegten?
Nein, eigentlich nicht. Der Anstieg der Vermögenspreisinflation resultierte sowohl aus höheren Preisen für Sachvermögen wie Immobilien und Betriebsvermögen als auch aus höheren Preisen für Finanzwerte wie Aktien. Der Anstieg fiel aber Ende des Jahres 2025 mit vier Prozent gegenüber dem Vorjahr deutlich höher aus als zuletzt.
Was prägt grundsätzlich die Entwicklung der Vermögenspreise in Deutschland?
Vor allem das Wirtschaftswachstum, die Staatsausgaben und die Geldpolitik.
Wie stark Geldpolitik wirkt, war mit den steigenden Zinsen und sinkenden Vermögenswerten ab 2022 zu sehen. Eine wachsende Wirtschaft sorgt zudem für steigende Einkommen, so dass Haushalte ihre Nachfrage auch nach Finanzprodukten erhöhen können. Doch wieso wirken sich die Staatsausgaben auf Vermögenspreise aus?
Erstens kann es durch einen Anstieg von schuldenfinanzierten Staatsausgaben zu höheren Zinsen kommen. Und zweitens können sich steigende Staatsausgaben positiv auf die Gewinne von Unternehmen auswirken. Die Pläne zur Ausweitung der Staatsverschuldung im Frühjahr 2025 bewirkten beispielsweise steigende Preise für Aktien von Rüstungsgüterherstellern. Dieser Effekt wurde jedoch in der Breite des Marktes davon überlagert, dass die Pläne zur Neuverschuldung zu einem Zinsanstieg führten, der auf die Preise für Aktien und Betriebsvermögen drückte.
Was beeinflusste in der Vergangenheit die Vermögenspreise aus Ihrer Sicht am meisten?
Wahrscheinlich die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Ausweitung der Geldmenge und Zinssenkungen durch die Zentralbank schaffen den Nährboden für Inflation. Durch Kreditvergabe oder Anleihenkäufe neu geschaffenes Geld fließt zunächst auf Immobilien- und Anleihemärkte und sorgt dort für einen Preisanstieg. Erst später erreicht das neu geschaffene Geld die Breite der Gesellschaft und lässt die Verbraucherpreise steigen.
Sie erwähnten vorhin, dass sich der Vermögenspreisanstieg von vier Prozent Ende 2025 auf 2,6 Prozent zum Ende des ersten Quartals verlangsamt hat. War auch hier die Geldpolitik „schuld“?
Das würde ich zu einem Gutteil bejahen. Zwischen Juni 2024 und Juni 2025 senkte die EZB angesichts der rückläufigen Verbraucherpreisinflation die Leitzinsen. Das führte zu steigenden Preisen für Sach- und Finanzwerte, insbesondere am Immobilienmarkt. Da sich jedoch aktuell die Erwartung gebildet hat, dass die Leitzinsen weder im Euroraum noch in den USA weiter sinken werden, ebbte der Preissteigerungsdruck jüngst wieder ab.
Und die Aussichten?
In den USA ist man sich bei der Federal Reserve Bank unter dem neuen Präsidenten Kevin Warsh dem Problem der Vermögenspreisinflation bewusst, so dass es erste Konzepte gibt, gegenzusteuern. Bei der EZB sehe ich diese Entwicklung leider nicht, so dass früher oder später mit weiteren monetären Preisschüben zu rechnen ist.
Herr Immenkötter, vielen Dank für das Gespräch.
Die vollständige Studie finden Sie hier: Q1-2026: Vermögenspreise steigen weiter - FvS Research Institute
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