Die Vermögenspreisinflation legt um 2,5 Prozent zu. Philipp Immenkötter, Senior Research Analyst beim Flossbach von Storch Research Institute, zeigt Hintergründe.
Herr Immenkötter, der Flossbach von Storch Vermögenspreisindex ist zur Jahresmitte 2026 in Deutschland um 2,5 Prozent im Vergleich zur Vorjahresmitte gestiegen. Das Plus entspricht etwa der herkömmlichen Inflation, oder?
Ja, das ist wahr. Die Verbraucherpreise haben im selben Zeitraum um 2,6 Prozent zugelegt, also um etwas, wenn auch wenig, mehr. Langfristig lagen die Vermögenspreise aber deutlich besser.
Man konnte aber im vergangenen Jahr mit seinem Vermögen im Schnitt nur sein Vermögen real erhalten.
So kann man es sehen. Aber vor allem haben sich durch den Preisanstieg von Vermögensgütern der Vermögensaufbau und die Altersvorsorge weiter verteuert. Private Haushalte müssen derzeit 2,5 Prozent mehr aufwenden, um in die gleichen Finanz- und Sachwerte wie vor einem Jahr zu investieren.
Was der Vermögenspreisindex misst
Was zeigt der Flossbach von Storch Vermögenspreisindex für Deutschland genau?
Die gewichtete Preisentwicklung des Sach- und Finanzvermögens, das sich im Eigentum privater deutscher Haushalte befindet. Mehr als drei Viertel entfallen auf Sachwerte und dabei vor allem auf Immobilien, aber zu acht Prozent ist auch Betriebsvermögen dabei. Zu etwa 24 Prozent wird in Finanzvermögen investiert, also in Spar- und Bankkonten, aber auch an den Aktien- und Anleihemärkten.
Stimmt der Eindruck, dass in früheren Jahren die Vermögenspreise deutlich stärker gestiegen sind?
Das ist wahr. Insgesamt mussten private Haushalte zur Jahresmitte 2026 etwa 75 Prozent mehr für Vermögensgüter zahlen als noch zu Beginn der Zeitreihe im Jahr 2005. Hieraus resultieren Verteilungseffekte, da es für Haushalte ohne nennenswerte Vermögenswerte immer schwerer wird, Vermögen aufzubauen und hinreichend in die Altersvorsorge zu investieren.
Drei Faktoren bestimmen die Vermögenspreise
Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass das Tempo beim Vermögenszuwachs nachlässt? Was war früher besser?
Lassen Sie mich hier etwas ausholen. Die drei Faktoren Wachstum, Staatsausgaben und Geldpolitik bestimmen maßgeblich die Entwicklung der Vermögenspreise. So ermöglicht eine wachsende Wirtschaft privaten Haushalten dank steigender Realeinkommen ihre Nachfrage nach Sach- und Finanzgütern zu erhöhen.
Und das Wachstum hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert!
Ja, hier gab es für die Vermögenspreise nur bis 2018 Aufwind. Der zweite Punkt sind die Staatsausgaben. Sie können sich positiv auf die Gewinne von einzelnen Unternehmen auswirken, wobei schuldenfinanzierte Staatsausgaben die Zinsen erhöhen können, was wiederum zu fallenden Vermögenspreisen führen kann.
Im Frühjahr 2025 hat die Bundesregierung ja Pläne zur Ausweitung der Staatsverschuldung vorgestellt. Der Staat wurde ermächtigt, fast eine Billion Euro an neuen Krediten aufzunehmen – darunter 500 Milliarden für Infrastruktur und Klimaschutz. Zudem unterliegen Ausgaben für die Verteidigung nicht mehr der Schuldenbremse.
Das hat vor allem zu steigenden Kursen bei Rüstungsgüterherstellern geführt. Doch dieser Effekt wurde von einem Zinsanstieg überlagert, der insgesamt auf Aktien und Betriebsvermögen drückte.
Warum die Geldpolitik entscheidend bleibt
Der Effekt war also auch hier für Anlegerinnen und Anleger verhalten. Und der dritte Effekt, die Geldpolitik?
Das war wahrscheinlich der wichtigste Faktor in diesem Zeitraum. Hatte nach den Nullzinsjahren nach der Coronakrise die hohe Inflation zunächst für Zinserhöhungen gesorgt, senkte die EZB zwischen Juni 2024 und Juni 2025 die Leitzinsen schrittweise wieder. Das führte in diesem Zeitraum zu steigenden Preisen für Sach- und Finanzwerte. Über das vergangene Quartal hat sich dann die Erwartung gebildet, dass die Leitzinsen im Euroraum und in den USA angesichts neuerlicher Inflationstendenzen wieder steigen könnten. Das wirkte sich insbesondere auf den Immobilienmarkt aus und könnte ein Grund dafür sein, dass die Vermögenspreisinflation Mitte 2026 geringer als im Jahr 2025 ausfiel.
Dennoch stiegen im betrachteten Zeitraum die Immobilienpreise?
Im Gegensatz zu Gewerbeimmobilien legten die Preise für das Immobilienvermögen privater deutscher Haushalte gemessen an den Preisindizes von vdp Research zur Jahresmitte 2026 um 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal zu. Dieser Anstieg ist beachtlich. Immerhin sind die Hypothekenzinsen, die in bedeutendem Maße die Nachfrage nach Immobilien prägen, über die vergangenen vier Quartale schrittweise gestiegen.
Obwohl sich also weniger Menschen angesichts der Zinsen ein Eigenheim leisten können, steigt die Nachfrage?
Nicht ganz. Auf der Angebotsseite dominiert ein geringes Immobilienangebot in den deutschen Metropolregionen gepaart mit hohen Baukosten und einer geringen Neubauaktivität. Diese Rahmenbedingungen haben dazu geführt, dass die Preise für Wohnimmobilien weiter gestiegen sind.
Herr Immenkötter, vielen Dank für das Gespräch!
Hier finden Interessierte die Studie: Q2-2026: Erwartung steigender Zinsen bremst Vermögenspreisinflation - FvS Research Institute
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