
Wie Erben mit einem plötzlichen Vermögenszuwachs umgehen können, zeigt eine Studie von Dr. Sven Ebert, Senior Research Analyst am Flossbach von Storch Research Institute.
Ob erwartet oder unerwartet – wenn vertraute Menschen sterben, überkommt Hinterbliebene zunächst große Trauer. Ist der Todesfall mit einer Erbschaft verbunden, kommen häufig weitere Gefühle hinzu: Schuld, Überforderung oder Unsicherheit. Schließlich wurde der plötzliche Vermögenszuwachs nicht selbst erarbeitet.
Gerade deshalb haben Erben häufig andere Anforderungen an eine Geldanlage als etwa bei einem regelmäßig besparten Sparplan. Viele möchten Verluste möglichst vermeiden, legen größeren Wert auf Sicherheit und scheuen sich zunächst davor, sich intensiv mit der Verwaltung des Vermögens zu beschäftigen.
Emotionen beeinflussen finanzielle Entscheidungen
Auf die Gefühle, die im Trauer- und Erbfall auftreten, kann man sich kaum vorbereiten. Um keine vorschnellen finanziellen Entscheidungen zu treffen, gilt daher eine zentrale Regel: Ruhe bewahren.
Die Autorin Ann Perry nennt im Hinblick auf Trauer- und Verarbeitungsprozesse mehrere Phasen:
Unglaube: Erben lehnen das Geschehene innerlich ab und beschäftigen sich nicht mit dem Ererbten.
Wut: Neben der Trauer entstehen Gefühle des Alleingelassenseins und der Unsicherheit – auch in Bezug auf mögliche Wünsche des Erblassers.
Euphorie: Mitunter folgt eine Phase gesteigerter Aktivität oder Ausgabebereitschaft. Finanzielle Möglichkeiten werden neu bewertet.
Schuld: Das geerbte Vermögen fühlt sich „unverdient“ an. Entscheidungen werden daran gemessen, ob sie im Sinne des Verstorbenen wären.
Lähmung: Die Sorge, Fehler zu machen, führt dazu, dass Vermögen über längere Zeit unangetastet bleibt – etwa als hohe Liquidität auf dem Konto, während die reale Kaufkraft durch Inflation sinkt.
„Heirworthy“ (das Gefühl, des Erbes würdig zu sein): Mit zeitlichem Abstand entwickeln viele Erben Dankbarkeit und ein aktives Verantwortungsgefühl. Sie entwickeln sich vom passiven Erben zum aktiven Nachlassgestalter.
Das Wissen um diese emotionalen Dynamiken kann helfen, finanzielle Fehlentscheidungen zu vermeiden. Zweifelhafte Investments oder hohe Spenden sind schnell getätigt, werden aber eventuell auch schnell bereut. Deswegen sollten sich Erben an folgende Regeln halten:
Erste Schritte nach einer Erbschaft
Wer eine Erbschaft erhält, sollte zunächst strukturiert vorgehen:
Zeit nehmen: Indem sich Erben genug Zeit nehmen, ihre Trauer zu verarbeiten, vermeiden sie emotionale Überreaktionen.
Keine äußere Einflussnahme zulassen: Entscheidungen, die die nächsten Jahre beeinflussen, sollten Erben nicht innerhalb weniger Tage oder gar Stunden treffen. Vor allem sollten sie sich niemals von Dritten zu etwas drängen lassen.
Schuldgefühle reflektieren: Großzügige Spenden oder übereilte Investitionen sollten nicht aus emotionalem Impuls heraus erfolgen.
Vermögenswerte sichern: Immobilien, Wertgegenstände oder Kunst sollten versichert, dokumentiert und gegebenenfalls gepflegt werden.
Komplexe Sachverhalte prüfen: Bei umfangreichen oder vielschichtigen Erbschaften kann fachlicher Rat – etwa steuerlicher oder rechtlicher Natur – sinnvoll sein.
Eigene Nachlassplanung bedenken: Ein gut durchdachter eigener Nachlass ist ein Geschenk. Deswegen sollten Erben auch die eigene Nachlassplanung angehen.
Erbe investieren: Vermögen strategisch strukturieren
Für die eigentliche Anlage einer Erbschaft gelten ähnliche Grundsätze wie bei anderen größeren Liquiditätszuflüssen, etwa aus einer Lebensversicherung oder dem Verkauf einer Immobilie.
Zunächst sollte eine Bestandsaufnahme erfolgen:
Wie hoch ist das Gesamtvermögen?
Welche Anlageklassen sind bereits vorhanden?
Wie hoch ist der kurzfristige Liquiditätsbedarf?
Welche Ziele sollen mit dem Vermögen erreicht werden?
Gerade nach einer Erbschaft besteht häufig der Wunsch, Verluste möglichst zu vermeiden. Eine geringe Risikotoleranz ist in dieser Phase nachvollziehbar. Gleichzeitig sollte berücksichtigt werden, dass dauerhaft hohe Liquidität bei steigender Inflation zu einem realen Kaufkraftverlust führen kann.
Eine strukturierte Vermögensanlage berücksichtigt daher:
Anlagehorizont: Wie lange kann das Kapital investiert bleiben?
Risikotragfähigkeit: Welche Wertschwankungen sind finanziell und emotional tragbar?
Diversifikation: Die Streuung über verschiedene Anlageklassen kann Risiken reduzieren.
Inflationsschutz: Ziel sollte zumindest der langfristige Erhalt der realen Kaufkraft sein.
In einer frühen Phase kann es sinnvoll sein, zunächst eine defensivere Anlagestrategie mit einem überwiegenden Anteil an risikoärmeren Anlageklassen wie Anleihen zu wählen und die Strategie später anzupassen, sobald Ziele und Rahmenbedingungen klarer definiert sind. Mit zunehmender zeitlicher Distanz zum Erbfall fällt es vielen leichter, fundierte und langfristig ausgerichtete Anlageentscheidungen zu treffen.
Typische Fehler beim Anlegen einer Erbschaft
Das gesamte Vermögen dauerhaft unverzinst auf dem Konto belassen
Aus emotionalen Impulsen heraus hohe Summen investieren oder ausgeben
Keine klare Zieldefinition vornehmen
Inflationsrisiken unterschätzen
Ein umsichtig gestaltetes Vermögen kann finanzielle Stabilität über Generationen hinweg sichern. Wer eine Erbschaft erhält, übernimmt daher nicht nur Vermögenswerte, sondern auch Verantwortung für deren strukturierte und langfristige Verwaltung.
Zunächst empfiehlt sich eine Bestandsaufnahme aller Vermögenswerte sowie ausreichend Zeit für grundlegende Entscheidungen. Kurzfristige emotionale Reaktionen sollten vermieden werden.
Langfristig kann eine breit diversifizierte Anlagestrategie über verschiedene Anlageklassen dazu beitragen, die reale Kaufkraft zu erhalten. Mit sorgfältig ausgewählten Aktien lassen sich in den meisten Fällen Renditen oberhalb der Inflationsrate erwirtschaften. Anlageklassen wie Anleihen können ein Portfolio in turbulenten Marktphasen stabilisieren. Wie hoch die jeweiligen Anteile sein sollten, richtet sich nach den individuellen Renditezielen, der Risikotragfähigkeit und dem Anlagehorizont.
Kurzfristig kann Liquidität Stabilität geben. Dauerhaft hohe Guthaben können jedoch bei Inflation an Kaufkraft verlieren. Erben sollten sich ausreichend Zeit nehmen, sich über ihre langfristigen Ziele klar zu werden und erst handeln, wenn die größte Trauer überwunden ist.
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