Skip to Content
Skip to Content

Welchen Zweck erfüllen Anleihen bei der Geldanlage?

Anleihen sind wichtiger Baustein eines breit aufgestellten Vermögens. Worauf Anleger besonders achten sollten.

Anleihen sind Schuldverschreibungen von Unternehmen oder Staaten. Mit dem Kauf leihen Anleger dem sogenannten Emittenten, dem Herausgeber, Geld für einen festgelegten Zeitraum. Der Zinssatz (Kupon), den Anleger für die Leihe erhalten, kann fest oder variabel sein. Je besser die Kreditwürdigkeit, die Bonität des Emittenten, desto geringer ist in der Regel die Höhe des Zinssatzes. 
Welche Rolle spielen Anleihen im Portfolio?

Welche Rolle spielen Anleihen im Portfolio?

Anleihen sind gerade bei konservativen, bei vorsichtigen Anlegern beliebt; weil deren Kurse – historisch betrachtet – weit weniger stark schwanken als die von Aktien. Ihnen wird, bezogen auf die Vermögensauteilung, zudem ein „ausgleichender Charakter“ attestiert. 

Was bedeutet das?

Wenn es turbulent zugeht an den Aktienmärkten, die Kurse kräftig zurückfallen, aus welchen Gründen auch immer, dann sind gewöhnlich Anleihen erstklassiger (Staats)Schuldner gefragt – als sichere Häfen. Deutsche Bundesanleihen etwa gelten als ein solcher Zufluchtsort, sehr liquide noch dazu. Deutschland wird schließlich nicht über Nacht zahlungsunfähig!

Die Kursverluste auf der einen Seite (Aktien) werden so über Kursgewinne auf der anderen (Anleihen) kompensiert, zumindest teilweise. Im Fachjargon ist in diesem Zusammenhang von negativer Korrelation die Rede. 

Dieses ungeschriebene Gesetz hat in der Vergangenheit zumeist gegolten. Ausnahmen, nehmen wir das Jahr 2022 als Beispiel, bestätigen die Regel. 

Warum Anleihen 2022 an Wert verloren

Nach Jahren der Null- und Negativzinsen hatten die Anleihekurse Rekordniveaus erreicht, die Renditen waren im Keller. Auf diesen Niveaus brauchte es nicht viel, um die Kurse nach unten zu bewegen. Der deutliche Inflationsanstieg infolge des Ukrainekrieges und die rasche Reaktion der Notenbanken darauf, die Leitzinsanhebungen, waren dann zu viel – und schickten die Anleihekurse in den Keller, ein historischer Crash! 

Ein solcher Absturz kommt jedoch selten vor am Anleihemarkt. Er war das Ergebnis einer historischen Niedrigzinsphase, die durch einen historischen Inflationsanstieg jäh beendet wurde.
Aber was zeichnet Anleihen ansonsten aus?

Aber was zeichnet Anleihen ansonsten aus?

Die meisten Anleihen bieten Anlegern laufende Erträge, „wieder“, muss man sagen – über den Zinskupon. Wenngleich der im Falle von erstklassigen Staatsanleihen allein vermutlich nicht ausreichen wird, um die Inflation langfristig zu schlagen.

Das Gute ist: Eine Anleihe hat mehr als nur eine Ertragskomponente, also mehr als nur den Zinskupon. Da wäre beispielsweise der potenzielle Kursgewinn, ähnlich wie bei der Aktie. Der gute Kaufmann schaut, dass er günstig einkauft und dann später teurer verkauft. 

Es gibt immer wieder Marktphasen und Situationen, in denen einzelne Titel über Gebühr abgestraft werden. Diese Gelegenheiten müssen Investoren erkennen und dann auch nutzen. Es braucht also einen sehr opportunistischen Anlageansatz. 

Vorteile von Anleihen gegenüber Aktien

Aus Sicht des defensiven Anlegers hat die Anleihe zudem einen Vorteil gegenüber der Aktie: die potenziellen Erträge sind besser planbar. Dazu ein Beispiel: Wenn Sie die Anleihe des Unternehmens A zu 80 kaufen, weil deren Kurs zuletzt deutlich gefallen ist – etwa weil die jüngsten Quartalszahlen sehr schwach ausgefallen waren – dann wissen Sie trotzdem, dass Sie am Ende der Laufzeit 100 zurückbekommen; vorausgesetzt natürlich, der Emittent, der Anleiheschuldner, geht nicht insolvent. 

Bei einer Aktie haben Sie diese Gewissheit nicht. Wenn sich das Umfeld weiter eintrübt, kann es sein, dass Unternehmen XY und damit sein Aktienkurs nachhaltig leiden. Dass der Einstiegskurs möglicherweise nie wieder erreicht wird. Sie müssen also beim Aktieninvestment ein sehr viel genaueres Bild davon haben, wie sich ein Unternehmen in den kommenden Jahren entwickelt, wie stark es wächst und wie hoch die Gewinnpotenziale sind.

Worauf es bei der Analyse von Anleihen ankommt

Bei der Analyse einer Anleihe geht es vor allem darum abzuklären, ob sichergestellt ist, dass der Emittent, ganz gleich ob Staat oder Unternehmen, in der Lage ist, die Anleihe am Laufzeitende zurückzubezahlen. Das ist gewiss ein Unterschied, der im bei einem direkten Vergleich für die Anleihe spricht.  
Das Durationsmanagement ist ein weiterer Ertragsbaustein. Die Währung auch.

Das Problem für viele Anleiheinvestoren sind die zum Teil sehr hohen Stückelungen der Anleihe-Tranchen – 100.000 Euro mitunter. Es braucht also einen überdurchschnittlich hohen Kapitaleinsatz, um ein gut diversifiziertes Anleiheportfolio aufzubauen. 

Die Alternative wären Fonds – aktiv gemanagte oder ETFs, also börsengehandelte Indexfonds. Letztere erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. 

Wie Rentenindizes funktionieren

Das Problem ist: Rentenindizes funktionieren anders als Aktienindizes, sie sind, verzeihen Sie uns bitte die flapsige Beschreibung, „tilt to the Schrott“. Was heißt das? Während bei einem Aktienindex das Gewicht der erfolgreichen Unternehmen wächst (weil deren Kurse, also deren Marktkapitalisierung zulegt), ist es bei einem Anleiheindex genau andersherum – den größten Anteil am Index haben stets die am höchsten verschuldeten Unternehmen. Das steht nicht selten im Gegensatz zum Wunsch eines Anlegers, nur die kreditwürdigsten Schuldner im Portfolio zu haben.

Hinzu kommt: Renten-ETFs hängen, was die Wertentwicklung betrifft, meist hinter den Indizes, die sie vorgeben abzubilden, hinterher. Auf Grund der mitunter größeren Differenzen bei den Geld-Brief-Spannen geht bei den permanenten Index-Anpassungen einiges an Rendite verloren. Ein guter aktiver Manager dagegen wägt ab, ob eine Portfolio-Anpassung nach Transaktionskosten überhaupt sinnvoll ist.

Außerdem ist da die mangelnde Flexibilität: ETFs werden in der Regel zu festen Terminen umgebaut, also zum Monatsende, manche gar zum Quartalsende neu gewichtet. Gerade in turbulenten Börsenphasen kann das ein Nachteil sein. Dann nämlich, wenn es darum geht, Chancen zu ergreifen, also gute Anleihen zu günstigen Preisen erwerben zu können. Manchmal geht es da um wenige Tage, die im Falle des ETFs ungenutzt verstreichen… 

So einfach, wie das ETF-Label vermuten lässt, ist ein Investment leider nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Themen der Woche

Newsletter abonnieren

Welche Themen haben unsere Kapitalmarktstrategen aktuell für Sie im Blick? Abonnieren Sie unseren wöchentlichen Newsletter „Themen der Woche“ – und Sie erhalten freitags einen Überblick über interessante Artikel aus unserem Hause direkt in Ihr Postfach. So bleiben Sie stets gut informiert.

RECHTLICHER HINWEIS

Diese Veröffentlichung dient unter anderem als Werbemitteilung.

Die in dieser Veröffentlichung enthaltenen Informationen und zum Ausdruck gebrachten Meinungen geben die Einschätzungen von Flossbach von Storch zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder und können sich jederzeit ohne vorherige Ankündigung ändern. Angaben zu in die Zukunft gerichteten Aussagen spiegeln die Zukunftserwartung von Flossbach von Storch wider, können aber erheblich von den tatsächlichen Entwicklungen und Ergebnissen abweichen. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit kann keine Gewähr übernommen werden. Der Wert jedes Investments kann sinken oder steigen und Sie erhalten möglicherweise nicht den investierten Geldbetrag zurück.

Mit dieser Veröffentlichung wird kein Angebot zum Verkauf, Kauf oder zur Zeichnung von Wertpapieren oder sonstigen Titeln unterbreitet. Die enthaltenen Informationen und Einschätzungen stellen keine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung dar. Sie ersetzen unter anderem keine individuelle Anlageberatung.

Diese Veröffentlichung unterliegt urheber-, marken- und gewerblichen Schutzrechten. Eine Vervielfältigung, Verbreitung, Bereithaltung zum Abruf oder Online-Zugänglichmachung (Übernahme in andere Webseite) der Veröffentlichung ganz oder teilweise, in veränderter oder unveränderter Form ist nur nach vorheriger schriftlicher Zustimmung von Flossbach von Storch zulässig.

Angaben zu historischen Wertentwicklungen sind kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen.

© 2026 Flossbach von Storch. Alle Rechte vorbehalten.