Investieren wie ein Family Office – der Begriff steht häufig für Professionalität und die ultimative Expertise in Sachen Vermögensanlage. Doch investieren Family Offices grundlegend anders? Und was treibt ihre Anlageentscheidungen?
Wer sich mit größeren Vermögen befasst, begegnet dem Begriff „Family Office“ regelmäßig. In Studien und Medienberichten erscheint er häufig als Synonym für langfristigen Erfolg und institutionelle Professionalität. Nicht selten entsteht der Eindruck, diese Investorengruppe verfüge über besondere Zugänge oder exklusive Anlagestrategien.
Warum Wohlhabende Family Offices beauftragen
Tatsächlich sind Family Offices jedoch kein einheitliches Modell. Ihre Ausprägungen reichen von schlanken Koordinationsstellen bis hin zu institutionell organisierten Einheiten mit eigenem Investmentteam. Treiber für Vermögensinhaber, ein Family Office zu beauftragen, sind meist die zunehmende Komplexität eines Vermögens, der Wunsch nach einer übergeordneten Steuerungsinstanz und die Verantwortung gegenüber mehreren Generationen.
Single Family Office und Multi Family Office
Ein wesentlicher Unterschied besteht zwischen Single Family Offices und Multi Family Offices. Während ein Single Family Office ausschließlich das Vermögen einer einzelnen Familie verwaltet und vollständig auf deren Bedürfnisse ausgerichtet ist, betreut ein Multi Family Office mehrere Familien parallel. Dadurch können Skaleneffekte genutzt werden, etwa bei Kosten, Zugang zu Investments oder administrativen Prozessen.
Der jährlich veröffentlichte UBS Global Family Office Report erlaubt einen strukturellen Einblick. Im Report 2025 gaben 86 % der befragten Family Offices an, die strategische Asset Allocation intern zu verantworten. Rund 60 % verfügen über ein Investment Committee, das wesentliche Anlageentscheidungen begleitet oder freigibt (UBS, 2025). Auffällig ist weniger, worin investiert wird, sondern wie Entscheidungen organisiert sind.
Vermögensverwaltung durch Family Offices
Im Zentrum steht die strategische Asset Allocation (SAA). Sie ist das Betriebssystem des Vermögens. Ausgangspunkt sind nicht kurzfristige Markterwartungen, sondern Ziele, Risikotragfähigkeit, Liquiditätsanforderungen, steuerliche Rahmenbedingungen und familiäre Leitplanken.
Die eigentliche Leistung liegt in der Übersetzung dieser Parameter in eine belastbare Portfolioarchitektur: Zielquoten, Bandbreiten, definierte Funktionen einzelner Bausteine. Wachstumsorientierte Anlagen wie Aktien sollen langfristig Vermögenszuwachs ermöglichen. Stabilisierungskomponenten – etwa hochwertige Anleihen oder Gold – dienen der Robustheit des Vermögens. Ausschüttungsfähige Erträge wie zum Beispiel Dividenden können Ausschüttungsbedarfe decken.
Schriftlich fixierte Anlagerichtlinien wirken dabei als Regelwerk. Sie strukturieren das Asset Management, schaffen Transparenz und entfalten ihre größte Wirkung in Phasen erhöhter Unsicherheit.
Langfristige Vermögensplanung: Wie ein Family Office Vermögen verwaltet
Charakteristisch ist die klare Trennung von Strategie, Umsetzung und taktischer Anpassung. Die strategische Allokation definiert den Rahmen, die Umsetzung erfolgt häufig über externe Mandate, taktische Anpassungen bewegen sich innerhalb festgelegter Bandbreiten.
Investment Committees oder Anlageausschüsse institutionalisieren den Diskurs. Sie ermöglichen den Blick auf das Gesamtvermögen aus der Vogelperspektive und kontrollieren diejenigen, die die Vermögensanlage operativ umsetzen. Governance ist dabei kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung für Kontinuität – insbesondere in Mehrgenerationenstrukturen.
Gesamtvermögen im Blick: Ganzheitliche Anlagestrategien für vermögende Familien
Family Offices sind häufig auf generationenübergreifende Vermögenssicherung ausgerichtet. Ein sehr langer Anlagehorizont verändert den Blick auf die Risiken. Unterschieden wird zwischen temporärer Volatilität (Kursschwankungen) und dauerhaftem Kapitalverlust.
Kursschwankungen gelten als inhärenter Bestandteil funktionierender Kapitalmärkte. Problematisch werden sie erst, wenn Liquiditätszwänge oder strukturelle Klumpenrisiken zu erzwungenen Verkäufen führen.
Gerade unternehmerisch geprägte Vermögen sind häufig sehr „konzentriert“ – etwa durch das eigene Unternehmen oder größere Immobilienbestände. Die strategische Gesamtvermögensbetrachtung gewinnt dadurch an Bedeutung.
Wie Family Offices Vermögen strukturieren
In der Zusammensetzung unterscheiden sich Family-Office-Portfolios auf den ersten Blick kaum von denen anderer vermögender Anleger. Aktien bilden häufig den zentralen Wachstumstreiber. Hinzu kommen Anleihen zur Stabilisierung, Immobilien als Sachwertbaustein, Liquidität als Reserve sowie verschiedene alternative, meist illiquide Strategien wie beispielsweise Private Equity.
Auffällig ist jedoch die tendenziell höhere Gewichtung illiquider Anlagen. Direkte oder fondsgebundene Private Equity-Beteiligungen nehmen in vielen Anlagestrategien einen größeren Raum ein. Das hängt nicht selten mit der Herkunft des Vermögens zusammen: Ist es aus einem Unternehmen entstanden, besteht ohnehin eine erhöhte Konzentration im Vermögen.
Illiquidität wird dabei bewusst in Kauf genommen. Langfristig gebundenes Kapital kann zusätzliche Renditequellen erschließen – etwa durch Beteiligungen an Unternehmen aus kleineren Marktsegmenten außerhalb der Börse. Entscheidend ist, ob die Kapitalbindung zur Liquiditätsarchitektur des Gesamtvermögens passt.
Fazit: Maßgeschneiderte Anlagestrategien von Family Offices
Family Offices investieren nicht grundsätzlich anders als andere langfristig orientierte Anleger. Aktien, Anleihen, Immobilien oder private Unternehmensbeteiligungen sind bekannte Bausteine. Der Unterschied liegt in der Systematik: klare Zieldefinition, dokumentierte Leitplanken, bewusst gestaltete Liquiditätsreserven und institutionalisierte Entscheidungsprozesse.
Die eigentliche Lehre liegt daher weniger in der Auswahl einzelner Anlageklassen als in der organisatorischen Disziplin. Langfristigkeit entsteht nicht durch Prognosen, sondern durch Struktur – und durch die Fähigkeit, dieser Struktur auch in unsicheren Zeiten treu zu bleiben.
Themen der Woche
Newsletter abonnieren
Welche Themen haben unsere Kapitalmarktstrategen aktuell für Sie im Blick? Abonnieren Sie unseren wöchentlichen Newsletter „Themen der Woche“ – und Sie erhalten freitags einen Überblick über interessante Artikel aus unserem Hause direkt in Ihr Postfach. So bleiben Sie stets gut informiert.

RECHTLICHER HINWEIS
Diese Veröffentlichung dient unter anderem als Werbemitteilung.
Die in dieser Veröffentlichung enthaltenen Informationen und zum Ausdruck gebrachten Meinungen geben die Einschätzungen von Flossbach von Storch zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder und können sich jederzeit ohne vorherige Ankündigung ändern. Angaben zu in die Zukunft gerichteten Aussagen spiegeln die Zukunftserwartung von Flossbach von Storch wider, können aber erheblich von den tatsächlichen Entwicklungen und Ergebnissen abweichen. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit kann keine Gewähr übernommen werden. Der Wert jedes Investments kann sinken oder steigen und Sie erhalten möglicherweise nicht den investierten Geldbetrag zurück.
Mit dieser Veröffentlichung wird kein Angebot zum Verkauf, Kauf oder zur Zeichnung von Wertpapieren oder sonstigen Titeln unterbreitet. Die enthaltenen Informationen und Einschätzungen stellen keine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung dar. Sie ersetzen unter anderem keine individuelle Anlageberatung.
Diese Veröffentlichung unterliegt urheber-, marken- und gewerblichen Schutzrechten. Eine Vervielfältigung, Verbreitung, Bereithaltung zum Abruf oder Online-Zugänglichmachung (Übernahme in andere Webseite) der Veröffentlichung ganz oder teilweise, in veränderter oder unveränderter Form ist nur nach vorheriger schriftlicher Zustimmung von Flossbach von Storch zulässig.
Angaben zu historischen Wertentwicklungen sind kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen.
© 2026 Flossbach von Storch. Alle Rechte vorbehalten.



